Winden
Aufzüge am Bahnhof wochenlang außer Betrieb
„Ich nutze den öffentlichen Nahverkehr in den letzten Monaten recht oft, da ich mich für ein Deutschlandticket entschieden habe“, erzählt ein Mann aus Offenbach. Meistens fahre er mit der Bahn von Landau in Richtung Wissembourg und wieder zurück. Mit dabei sein E-Bike. „Durch Zugausfälle oder extreme Verspätungen war ich schon mehrfach gezwungen, am Bahnhof Winden ein- oder auszusteigen“, berichtet er weiter. Seit April funktioniere der Aufzug an Gleis 1 nicht. Er habe über die Servicenummer, die am Aufzug klebt, mehrfach die Deutsche Bahn (DB) angerufen. „Immer wieder werde ich vertröstet, dass ein Techniker informiert sei und vorbeikommen werde.“ Drei Monate später war der Aufzug immer noch kaputt.
Mitte Juli stellte der Südpfälzer dann fest, dass auch der Fahrstuhl auf Gleis 3 nicht funktioniert. „Jetzt ist Winden ja kein Allerweltsbahnhof in der Pampa, sondern ein Umsteigebahnhof und Knotenpunkt für große Teile der Südpfalz“, sagt der 60-Jährige. Viele Pendler würden den Bahnhof nutzen. Zur Erläuterung: Winden ist Umsteige-Bahnhof im Regionalverkehr zwischen Karlsruhe, Wissembourg, Neustadt und Bad Bergzabern. Der Offenbacher fragt: Was sollen Fahrgäste mit Gehbehinderung, Rollstuhl, Fahrrad oder Kinderwagen machen? Er selbst habe schon Reisenden geholfen, „ihre vollbepackten Räder aus der Unterführung auf Gleis 1 zu schleppen“.
Die Reparatur
Der Aufzug an Gleis 1 sei in der Woche zuvor repariert worden, antwortet die Pressestelle der Deutschen Bahn auf RHEINPFALZ-Anfrage. Bei dem anderen Fahrstuhl an Gleis 2 und 3 müsse ein zentrales Steuerungselement ausgetauscht werden. „Das benötigte Ersatzteil wurde umgehend bestellt und wird so bald wie möglich eingebaut – jedoch kann es leider zu verzögerten Lieferzeiten kommen“, so eine Bahnsprecherin. „Wir bedauern die Unannehmlichkeiten, die den Reisenden dadurch am Bahnhof in Winden entstehen und in den vergangenen Wochen entstanden. Es liegt in unserem ureigensten Interesse, dass sie schnellstmöglich wieder komfortabel und barrierefrei auf beide Bahnsteige gelangen können.“ Und weiter: „Jeder Aufzug und jede Fahrtreppe, die nicht funktionieren, ist ein Ärgernis für unsere Reisenden und auch für uns selbst.“
Das Toiletten-Problem
Ein Ärgernis sind die Aufzüge auch für die Ortsgemeinde – und zwar nicht erst seit sie außer Betrieb sind. Mehrmals habe die Feuerwehr schon Leute befreien müssen, weil die Fahrstühle stecken geblieben sind, berichtet Bürgermeister Stefan Moschko. Die Einsätze stelle die Verbandsgemeinde der Deutschen Bahn in Rechnung. „Es ist alles müßig“, meint Moschko im Hinblick auf weitere Probleme am Bahnhof: Zugausfälle und fehlende Toiletten. Eine WC-Anlage gibt es nicht. Die Folge: Insbesondere bei Zugausfällen nutzten in der Vergangenheit einige Reisende die Unterführung und so manches Nachbaranwesen als stilles Örtchen. Andere klingelten bei Anwohnern, weil sie deren Toilette nutzen wollten.
In die Toiletten-Thematik haben sich im Vorjahr auch südpfälzische Land- und Bundestagsabgeordnete eingeschaltet. Ihr Begehr blieb erfolglos. Die Ausstattung von Bahnhöfen richte sich nach der Anzahl der Reisenden, die täglich ein- und aussteigen, hatte der Konzernbevollmächtigte der DB geantwortet. Am Knotenpunkt Winden liege diese Zahl zwischen 2300 und 3000, weshalb keine Toiletten vorgesehen seien. Zumindest keine, die die DB bezahlt.
Zurück zu den Aufzügen: „Die Anlagen werden in regelmäßigen Fristen inspiziert und gewartet“, sagt die Bahnsprecherin. Ersatzteile seien aber mitunter schwer zu beschaffen. Wo welche Rolltreppen und Aufzüge sind, könnten Bahnkunden auf der Homepage der Bahn einsehen. Auch Störungen von Aufzügen würden dort angezeigt. Zudem lasse sich mit Hilfe der telefonisch erreichbaren Mobilitätsservice-Zentrale (MSZ) die barrierefreie Reise planen.
Eine Alternative
Der RHEINPFALZ-Leser aus Offenbach, der häufig die Strecke fährt, schlägt vor, technische Probleme an Fahrstühlen bereits im Zug anzukündigen. „Damit Personen nicht aussteigen, die ohne Aufzug das Gleis nicht wechseln können.“ Außerdem könnten Schieberampen, „wie sie auch am Bahnhof in Landau installiert sind“, über die Treppe montiert werden. „Wenn dann ein Aufzug mal defekt ist oder man eilig mit dem Rad das Gleis wechseln muss, wäre das eine sehr gute Alternative für Radler und Kinderwagen“, meint er. „Ein Nachrüsten von Fahrrad- beziehungsweise Kinderwagenspuren an bereits bestehenden Treppenanlagen ist aufgrund nun geltender Richtlinien und Verordnungen leider nicht zulässig“, entgegnet die Deutsche Bahn.
