Lingenfeld RHEINPFALZ Plus Artikel Anwohner berichten von Erfahrungen mit Fahrbahnverengung an Ortseinfahrt

Seit Mitte Mai nicht zu übersehen: die rot-weißen Fahrbahnverengungen in der Schwegenheimer Straße am nördlichen Ortseingang von
Seit Mitte Mai nicht zu übersehen: die rot-weißen Fahrbahnverengungen in der Schwegenheimer Straße am nördlichen Ortseingang von Lingenfeld.

Die Schwegenheimer Straße am nördlichen Ortseingang von Lingenfeld wurde jahrelang als Rennstrecke bezeichnet. Nun stehen dort seit rund zweieinhalb Monaten Fahrbahnverengungen, die den Verkehr ausbremsen sollen. Anwohner berichten von ihren Erfahrungen.

Bevor die beiden rot-weißen Elemente Mitte Mai versetzt aufgebaut wurden, seien Autofahrer auf der schnurgerade verlaufenen Straße teilweise mit 80, 90 oder sogar 100 Kilometern pro Stunde in den Ort hinein- oder hinausgefahren, erzählen Anwohner. Auch der Landesbetrieb Mobilität (LBM) kam nach einer Messung zu dem Schluss, dass in der Schwegenheimer Straße zu schnell, und zwar durchschnittlich 63 Kilometer pro Stunde statt der erlaubten 50 gefahren wird. Die Spitzengeschwindigkeiten, von denen die Anwohner sprachen, wurden laut einem LBM-Vertreter vor allem zwischen 20 und 6 Uhr gemessen.

Mehrere Beobachtungen

Anwohner Bertram Steinbacher hat mehrere Beobachtungen gemacht, seit die beiden 7,60 Meter langen und 3,85 Meter breiten Elemente in der Schwegenheimer Straße stehen. Auf Anfrage erzählt er, dass der Schwerlastverkehr nicht mehr mit der Geschwindigkeit wie zuvor in den Ort hineinfahren könne und somit „eindeutig ausgebremst“ worden sei. Außerdem hat er festgestellt, dass sich die Autofahrer im Berufsverkehr morgens und abends an den Verengungen verständigen müssen. Dafür müssten sie anhalten und wieder anfahren, was die Geschwindigkeit reduziere. „Das ist für uns eine Erleichterung“, freut sich Steinbacher. Er hat aber auch beobachtet, dass es einzelne Autofahrer – vor allem jüngere Menschen – gebe, die von Schwegenheim kommen, „Maß nehmen und noch mit relativ hoher Geschwindigkeit durch die Schikane fahren“, wenn kein Gegenverkehr in Sichtweite sei.

Dennoch nennt Steinbacher die Fahrbahnverengung einen Erfolg, weil seinem Empfinden nach „80 Prozent oder sogar mehr“ mit verringerter Geschwindigkeit in den Ort hinein- beziehungsweise hinausfahren. Das bedeute auch eine verminderte Gefährdung für Kinder, Fußgänger und Fahrradfahrer, verdeutlicht der Anwohner. Er wünscht sich nun eine baldige Auswertung der Messdaten des LBM, der den Verkehrsversuch begleitet und eventuell noch einmal modifiziert, bis über eine endgültige Lösung entschieden wird.

Kleine Anregung

Auch Silke und Michael Quinten haben positive Effekte durch die Fahrbahnverengungen bemerkt. „Es bringt schon was“, sagt Silke Quinten mit Blick auf die Geschwindigkeit der Autofahrer. Quinten, die am Ortseingang ein Blumengeschäft betreibt, hat aber auch beobachtet, dass manchmal die Zufahrt zu ihrem Laden durch den einen Parkplatz hinter der Fahrbahnverengung und ein dahinter wartendes Fahrzeug versperrt ist. „Aber da lässt sich bestimmt noch einmal darüber reden, bevor eine dauerhafte Lösung gebaut wird“, ist sie sich sicher. Ihr Mann hat bemerkt, dass der Parkplatz hinter den Fahrbahnverengungen zwar den einen oder anderen Autofahrer irritiere, weil dieser dann nicht sicher sei, ob das Fahrzeug vor ihm parke oder warte. Dennoch spricht Michael Quinten von einer „genialen Wirkung“ der Elemente und lobt den LBM. Es gebe zwar immer noch Autofahrer, die es schafften, mit 80 Stundenkilometer die Engstelle zu passieren, aber die meisten verringerten ihre Geschwindigkeit und stimmten sich „höflich etwa per Lichthupe“ mit dem Gegenverkehr ab, wer zuerst fahren dürfe. Der Anwohner sagt auch, dass sich der Lärm durch die verringerte Geschwindigkeit der Autofahrer reduziert habe. Er wünscht sich nun, dass der Verkehrsversuch „relativ zügig“ in eine dauerhafte, „optisch annehmbare“ Lösung umgewandelt wird. Denn die Elemente seien „architektonisch kein Highlight“, sagt Quinten und lacht.

Das kann jedoch noch etwas dauern, denn der LBM teilt auf Anfrage mit, dass wegen der Corona-Pandemie und der derzeitigen Urlaubszeit noch keine Messungen an der Fahrbahnverengung durchgeführt worden seien. Zudem sei nach der Urlaubszeit auch der „Gewöhnungseffekt“ der Verkehrsteilnehmer auf die neue Situation abzuwarten. „Es ist daher vorgesehen, die ersten Messungen einige Zeit nach dem Ferienende durchzuführen. Auf Basis dieser Messungen und Verkehrserhebungen können wir dann die verkehrliche Auswirkung der Fahrbahnverengung bewerten“, heißt es vom LBM. Die Straßenbaubehörde hat jedoch die Erfahrung gemacht, dass sich das Provisorium mittelfristig positiv auf die Geschwindigkeiten auswirke und diese reduziere. Aktuell seien keine weiteren Veränderungen an der Fahrbahnverengung in der Schwegenheimer Straße in Planung. Die konkrete Dauer des Verkehrsversuchs sei immer auf die individuelle Situation vor Ort abgestimmt. „Erst wenn genügend belastbare Ergebnisse vorliegen, wird über weitere Maßnahmen wie zum Beispiel die dauerhafte Umsetzung des Verkehrsversuchs oder den Rückbau beziehungsweise die Änderung des Provisoriums entschieden“, heißt es vom LBM.

Zur Sache: Bürgerinitiative plant weitere Aktionen

Die Anwohner der Schwegenheimer Straße in Lingenfeld, die sich vor ein paar Jahren in der gleichnamigen Interessengemeinschaft zusammengefunden und sich für die nun realisierte Fahrbahnverengung und die Aufhebung des Nachtfahrverbots auf der B9 bei Lingenfeld eingesetzt haben, sind nun Mitglieder der Bürgerinitiative (BI) „Lebenswertes Lingenfeld“. Diese Initiative setzt sich unter anderem für die „Lösung des Verkehrsproblems“ und eine erhöhte Verkehrssicherheit in der Gemeinde ein. BI-Mitglied Michael Quinten berichtet, dass die Initiative nun das Bewusstsein dafür schärfen wolle, im Ort mit dem Fahrrad statt mit den Auto zu fahren. Dafür seien unter anderem T-Shirts und Warnwesten mit einem Logo geplant. Der Erlös aus dem Verkauf soll der BI für weitere Aktionen zugute kommen.

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