Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Lingenfeld: Fahrbahnverengungen für Schwegenheimer Straße geplant

Nördliche Ortseinfahrt von Lingenfeld: Vor dem Blumenladen (links) und vor dem ersten Haus auf der rechten Seite sollen Fahrbahn
Nördliche Ortseinfahrt von Lingenfeld: Vor dem Blumenladen (links) und vor dem ersten Haus auf der rechten Seite sollen Fahrbahnverengungen aufgebaut werden. Die Standorte wurden laut den LBM-Vertretern mit Rücksicht auf die Zufahrten zu den Grundstücken gewählt. Foto: Lenz

In der Schwegenheimer Straße im Norden von Lingenfeld wird durchschnittlich 63 Kilometer pro Stunde gefahren und nicht die erlaubten 50. Grund ist, dass die Kreisstraße 31 schnurgerade in den Ort hineinverläuft. Anwohner haben sich bereits mehrfach über Raser beschwert. Am Dienstagabend stellten zwei Vertreter des Landesbetriebs Mobilität in der Ortsgemeinderatssitzung eine Lösung vor, um die Geschwindigkeit der Fahrzeuge an der Ortseinfahrt zu verringern.

Dieter Hutzel vom Landesbetrieb Mobilität (LBM) in Speyer sprach von rund 5000 Fahrzeugen am Tag, die an der Ortsein- beziehungsweise ausfahrt gezählt worden seien. Etwa die Hälfte dieser Fahrzeuge fahre in den Ort hinein, etwa die Hälfte hinaus, sagte Hutzel. In Spitzenstunden seien es 500 Fahrzeuge. Die Spitzengeschwindigkeiten werden allerdings nicht im Berufsverkehr, sondern zwischen 20 und 6 Uhr gefahren, machte der LBM-Vertreter den Ratsmitgliedern und den rund 20 Besuchern – darunter viele Anwohner der Schwegenheimer Straße – deutlich. Nachts zwischen 22 und 6 Uhr sind nach Hutzels Angaben rund 700 Fahrzeuge an diesem Ortseingang von einem Gerät in einem kleinen schwarzen Kasten, der an der Stange des Ortsschilds befestigt war, gezählt worden.

Um die Fahrer daran zu hindern, schneller als erlaubt in den Ort hineinzufahren, sollen versuchsweise zwei 7,60 Meter lange und 3,85 Meter breite Fahrbahnverengungen in der Schwegenheimer Straße aufgebaut werden. Eine soll vor dem ersten Haus auf der Fahrbahnseite in den Ort hinein aufgestellt werden, die andere 30 Meter entfernt auf der aus dem Ort hinausführenden Fahrbahnseite vor dem Blumengeschäft. Vor den beiden Elementen soll jeweils ein Parkplatz entstehen. Zwischen den beiden Elementen darf nicht mehr geparkt werden. Die Größe der Elemente und deren Abstand zueinander seien so gewählt worden, dass jedes Fahrzeug, das die als überörtlich klassifizierte Straße nutzen darf, auch an den Fahrbahnverengungen vorbei passe. Die 30 Meter zwischen den Elementen seien notwendig, damit sich ein Lastwagen und ein Auto dort begegnen können, erklärte der zweite in der Sitzung anwesende LBM-Vertreter Thomas Delb. Er betonte auch, dass die beiden Elemente so weit in die Fahrbahn hineinragen, dass ein Fahrzeug immer warten müsse, wenn ein anderes ihm entgegenkomme.

„Vor Sommerferien installiert“

Wann die beiden Fahrbahnverengungen installiert werden, konnten die LBM-Vertreter noch nicht genau sagen. Notwendig sei noch das Okay der Verbandsgemeindeverwaltung. Außerdem sei die Straßenmeisterei, die die Elemente aufstellt, noch mit dem Winterdienst beschäftigt. Auf Nachfrage von Ratsmitglied Thomas Wurm (Grüne), der kritisierte, dass sich das Vorhaben bereits drei Jahre hinziehe, versprach Hutzel, dass die Elemente vor den Sommerferien installiert seien. Der LBM-Vertreter mahnte, dass Pessimismus nicht angebracht sei und begründete die Verzögerungen mit den Kommunalwahlen und damit, dass im Winter keine Folien auf die Straßen geklebt werden könnten.

Das ganze Vorhaben läuft erst einmal versuchsweise. Währenddessen werden weitere Geschwindigkeitsmessungen stattfinden, zudem könne der Versuch immer modifiziert werden. Hutzel sagte zum Beispiel auf Nachfrage von Peter Beyer (CDU), der dafür plädierte, dass die Vorfahrt vor den Fahrbahnverengungen mit Schildern geregelt werde, dass dies auch nachträglich gemacht werden könne. Denn die Autofahrer sollten sich erst einmal gegenseitig in die Augen schauen und abstimmen, wer zuerst an dem Element vorbeifahre. Gäbe man einem Fahrer gleich die Vorfahrt, würde dieser wieder schneller in den Ort hineinfahren, lautete die Erklärung des LBM-Vertreters. Hutzel sagte auch, dass nachträglich Stangen auf dem Gehweg gegenüber der Fahrbahnverengungen aufgestellt werden könnten, damit Autofahrer bei Gegenverkehr nicht auf den Bürgersteig ausweichen, um nicht am Element halten zu müssen.

Auf Nachfrage von Peter Beyer bestätigte LBM-Vertreter Delb, dass mit dieser Lösung der mal angedachte, kostenintensivere Minikreisel an der Kreuzung Schwegenheimer Straße/Im Strängel/Im Schlittweg vom Tisch sei. Ein dafür notwendiges baurechtliches Verfahren ziehe sich zeitlich viel länger hin, auch weil für den Kreisel noch Grundstücke gekauft werden müssten. Lingenfeld Ortsbürgermeister Markus Kropfreiter (SPD) machte ebenfalls deutlich, dass ein Minikreisel eine Lösung zur Geschwindigkeitsreduzierung nur verzögern würde. „Wichtig ist es, eine schnelle Lösung zu finden und umzusetzen“, sagte der Ortsbürgermeister. Letztendlich sprach sich der Rat einstimmig bei einer Enthaltung von Dagmar Schmitt (FWL) für die Fahrbahnverengungen aus. LBM-Vertreter Hutzel, der laut eigener Aussage Optimismus versprühen wollte, versprach, dass sich das Verhalten der Verkehrsteilnehmer verändern werde, sobald die Elemente installiert seien. „Es wird keiner mehr beschleunigen, weil er nicht weiß, ob er nicht bremsen muss“, sagte er.

Kommentar: Alle Teil des Problems

Das Thema Verkehr beschäftigt die Menschen und vor allem die Anwohner von Hauptstraßen. Das und dass man es nicht allen recht machen kann, wurde in der Ratssitzung in Lingenfeld mehr als deutlich. Die Bürger, die vor den geplanten Fahrbahnverengungen zur Geschwindigkeitsreduzierung in der Schwegenheimer Straße wohnen, befürchten noch mehr Lärm wegen der dann abbremsenden und wieder anfahrenden Fahrzeuge. Zudem ist es vielen Bürgern schwer zu vermitteln, dass nicht auf allen Straßen im Ort Tempo 30 eingeführt werden darf. Das sehen die Gesetze, die Ortsbürgermeister Markus Kropfreiter (SPD) als schlecht bezeichnete, nicht vor. Im Grunde ist aber jeder, der Auto fährt, Teil des Problems. Ratsmitglied Denise Remm (CDU) und Ortsbürgermeister Kropfreiter brachten es auf den Punkt: „Jeder muss bei sich selbst anfangen.“

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