Lingenfeld
Bürgerinitiative animiert Verkehrsteilnehmer zum „Uffbasse“
Lingenfeld ist verkehrsgeplagt – seit Jahren. Bürger, die an Durchgangsstraßen wohnen, aber auch solche, die oft im Dorf unterwegs sind oder Kinder haben, leiden besonders darunter. Bertram Steinbacher ist ein „Direktbetroffener“: Er wohnt in der Schwegenheimer Straße und hat schon vor zwei Jahren „Eingaben bei Orts- und Verbandsgemeinde sowie der Kreisverwaltung gemacht“ und auch mit dem Landesbetrieb Mobilität (LBM) Speyer gesprochen. Die Kontakte beschreibt er als kooperativ. Auch Familienvater Steffen Deubig wünscht sich Veränderungen, will, dass Kinder sicher zur Schule und unversehrt nach Hause kommen.
Verkehrsgestresste Anwohner und um Kinder besorgte Eltern waren sich bereits im November einig, ihre Interessen zu bündeln – und haben im März die Bürgerinitiative (BI) „Lebenswertes Lingenfeld“ gegründet. Seitdem sind Deubig und Steinbacher gleichberechtigte Gruppensprecher. Sie sind sich bewusst, „dass man nicht alles regeln kann und darf“, zumal die Ortsdurchfahrt bei einer Sperrung der B9 als Ausweichstrecke dient. Verbesserungen erzielen, wollen sie dennoch. „Es geht uns nicht darum, Bürger zu bevormunden“, stellt Steinbacher klar. Ziel sei, sie davon zu überzeugen, weniger und langsamer im Ort zu fahren. Besser noch: „das Auto stehen zu lassen und innerorts zu laufen oder das Fahrrad zu nehmen, um umwelt- und bürgerfreundlich unterwegs zu sein und so die Lebensqualität in Lingenfeld zu steigern“.
Deubig kündigt an, den Ort für Radfahrer attraktiver und sicherer machen zu wollen – mit Radfahrstreifen. Er bekräftigt: „Wir wollen nicht als rebellische Gruppe verstanden werden, sondern im Schulterschluss mit Behörden arbeiten, sie unterstützen.“
Ein Lärmgutachten hat bestätigt, dass es nachts in drei Straßen zu laut ist. Die Folge: Zwischen 22 und 6 Uhr ist nach Angabe der Gruppensprecher in der Germersheimer-, Haupt- und Neustadter Straße schon bald nur noch Tempo 30 erlaubt. Aber: Die BI will „in allen Straßen freiwillig Tempo 30“ – und auch tagsüber.
Figuren individuell angefertigt
Noch vor der Corona-Pandemie haben deren Mitglieder (damals waren es 15, aktuell sind es 20) selbst Hand angelegt, 20 Figuren individuell hergestellt und mit einem einheitlichen Logo versehen. Steinbacher spricht von einer „Mischung aus Design und Handwerk“. Seit Samstag stehen die Figuren „wahrnehmbar an strategischen Punkten im Ort“ und sollen Verkehrsteilnehmer zum „Uffbasse“ und Langsamer-Fahren animieren. Um diese Ziele zu erreichen, hat die BI auch 120 Plakate und 1000 Autoaufkleber drucken lassen. Die Schilder wurden „ergänzend an Straßenlampen aufgehängt“, die Aufkleber erhalten Bürger in fünf örtlichen Geschäften. Deubig kündigt an, mit Speditionen und Unternehmen in Kontakt treten zu wollen. Ziel: diese zu überzeugen, auf nicht nötige Lkw-Fahrten durch den Ort zu verzichten, stattdessen einen kleinen Umweg in Kauf zu nehmen.
Steinbacher weist darauf hin, dass die BI „für alle Ideen, die zur Lebensqualität beitragen, offen“ sei. Diesbezüglich sieht er Schnittmengen mit dem bestehenden „Greenteam“. Die BI, die einen kleinen Teil der Ausgaben „privat finanziert“ hat, aber auch finanziell von der Kommune unterstützt wird, will sich demnächst mit einem Info-Blatt Bürgern vorstellen. Jetzt ist sie aber erst einmal gespannt, wie Bürger und andere Verkehrsteilnehmer auf die erste Aktion reagieren – „wie es ankommt, ob viele es registrieren oder es einen Gewöhnungseffekt gibt“.