Wörth / Karlsruhe
A 65: Neue Millionen-Blitzer vor der Rheinbrücke geplant
Wer von der Südpfalz nach Karlsruhe fährt, passiert im Bereich des Wörther Kreuzes zwei Radaranlagen: die erste steht vor dem Wörther Trog, die nächste auf der badischen Seite der Rheinbrücke. In der Gegenrichtung findet sich nur eine ständige Radarfalle: ebenfalls auf der badischen Seite der Rheinbrücke. Allerdings wird im weiteren Verlauf häufig nach der Abfahrt Maximiliansau mobil kontrolliert.
Finanziell sind die Anlagen eine lohnende Anlage: Der Stadt Karlsruhe bringen die Kontrollen auf der Rheinbrücke jährlich Millionenbeträge. Aber was noch wichtiger ist: Sie erfüllen auch ihre Aufgabe, den Verkehr auf und nach der Rheinbrücke zu bremsen.
In Richtung Südpfalz gilt es vor allem, die Belastung der Brücke durch Lastwagen zu minimieren. Denn die Wucht der Stöße, die auf die Brücke wirken, wächst mit der Geschwindigkeit – deshalb Tempo 60 für Lkw. Und weil der Verkehr sicherer fließt, wenn die Geschwindigkeitsunterschiede nicht zu hoch sind, dürfen Pkw nur 100 Stundenkilometer schnell sein.
In Richtung Karlsruhe fällt gleich nach der Rheinbrücke eine Fahrspur weg. Damit das Einfädeln möglichst ohne Unfälle gelingt, ist für Pkw nur Tempo 80 erlaubt.
Die Vermeidung von Unfällen war auch der Grund, vor der Einfahrt in den sogenannten „Wörther Trog“ im Jahr 2017 Radaranlagen zu errichten. Und zwar gleich zwei: Eine für die Autos, die aus Richtung Kandel/Landau kommend auf der A 65 Richtung Karlsruhe unterwegs sind. Die zweite Anlage kontrolliert die Fahrer, die von der B9 aus Wörth/Jockgrim kommend auf die A 65 Richtung Karlsruhe wollen. Sie steht fast am Ende der entsprechenden Auffahrt.
Anlass: Steigende Unfallzahlen
Anlass waren die steigenden Unfallzahlen im Wörther Trog. Der Grund dafür: Eigentlich sollten Autofahrer, die von der B9 aus Richtung Jockgrim kommen, nur mit Tempo 60 in den Wörther Trog fahren. Machen sie oft aber nicht und überholen deshalb rechts die Lastwagen, die auf der A65/B10 in Richtung Karlsruhe fahren. Dabei geraten sie in den toten Winkel der Lasterfahrer. Wenn die auf die rechte Spur wechseln müssen, sehen sie die Rechtsüberholer nicht immer. Deshalb kommt es häufig zu Kollisionen, bei denen Autos zwischen einem Lastwagen und der Betonwand des Wörther Trogs eingekeilt werden.
Die meisten Unfälle gehen relativ glimpflich aus. Die Autos sind zwar meist wirtschaftliche Totalschäden, die Insassen bleiben aber oft unverletzt. Die Polizei hoffte, dass die Blitzer im Wörther Trog helfen, Unfälle zu vermeiden. Der zweite Blitzer soll nämlich dafür sorgen, dass die Autos aus Richtung Landau nicht mit deutlich höheren Geschwindigkeiten als die erlaubten 80 Stundenkilometer in den Wörther Trog fahren.
Ob das funktioniert hat? Die Zahlen ergeben ein widersprüchliches Bild. 36 Unfälle wurden im Jahr 2014 gezählt, überwiegend die oben angesprochenen Kollisionen zwischen Spurwechslern und Rechtsüberholern. 2015 gab es schon 48 Unfälle, die Tendenz war weiter steigend. 2017 waren es dann 57 Unfälle, obwohl die Radaranlagen im Februar in Betrieb benommen wurden.
Es ging weiter so: 2019 – also zwei Jahre nach Aufbau der Radaranlagen – wurden im Wörther Trog 109 Unfälle gezählt. 2020/21 halbieren sich die Zahlen dann (51, 44), um nach dem Ende der Corona-Pandemie 2022 wieder auf 95 zu steigen. Danach – 2023/24 – sinken dann die Unfallzahlen auf das Niveau vor den Aufbau der Blitzer (34, 48). Ein Zusammenhang zu den Baustellen (Rheinbrückensanierung, neue Mittelleitplanken) lässt sich auch nicht sinnvoll herstellen.
Seit März 2022 nicht in Betrieb
Der Rückgang der Unfälle im Wörther Trog 2023/24 ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil die Radaranlagen seit Mitte März 2022 nicht mehr in Betrieb sind. Anlass für die Abschaltung war ein mutmaßlicher Messfehler eines anderswo platzierten Apparats, der die gleiche Technik verwendete: Er stand an der Ramstein-Ausfahrt der A6 im Kreis Kaiserslautern. Den damaligen Angaben des Innenministeriums zufolge hatten sie ein Software-Problem, weshalb sie durch modernere Apparate ersetzt werden sollen. „Derzeit erfolgen vorbereitende Maßnahmen zur Neubeschaffung“, so die aktuelle Auskunft aus Mainz.
Lohnen dürfte sich die neuen Anlagen schnell: In der Vergangenheit tappten im Durchschnitt monatlich rund 5200 Fahrer in die Radarfallen. Bei einem Bußgeld von mindestens 40 Euro wären jährliche Einnahmen von über 2,5 Millionen Euro zu erwarten.
