Kandel RHEINPFALZ Plus Artikel 875 Jahre Kandel: Auch Innenminister muss Eintritt zahlen

Für das Buffet wurde wieder die Lebenshilfe Minderslachen als Caterer engagiert.
Für das Buffet wurde wieder die Lebenshilfe Minderslachen als Caterer engagiert.

Die Stadt Kandel schreibt tiefrote Zahlen. Dennoch kann 11 Tage lang kräftig gefeiert werden, inklusive Festakt. Die Stadtspitze verrät, wie das geht.

Nicht feiern war für Bürgermeister Michael Gaudier und seine Beigeordneten keine Option. Auch wenn der Kandeler Haushalt noch nicht genehmigt ist und wieder tiefrote Zahlen schreiben wird: Das 875-jährige Bestehen der Stadt sollte kräftig gefeiert werden. „Solche Veranstaltungen sind doch der Kitt der Gesellschaft“, heißt es dazu von der Stadtspitze. Um auch einen – ausgesprochen gelungenen – Festakt möglich zu machen, griff man schließlich zu einem ungewöhnlichen Mittel: Für den Auftakt der Jubiläumstage musste Eintritt bezahlt werden.

„Es geht um die finanzielle Situation der Stadt Kandel“, erklärt Volker Merkel den Hintergrund. Der CDU-Mann ist seit der Kommunalwahl 2024 nicht nur Beigeordneter mit Schwerpunkt Finanzen, sondern auch beruflich ganz nah am Thema dran: Noch bis zu seiner Pensionierung im Herbst 2025 ist Merkel beim Landesrechnungshof beschäftigt und hat entsprechend im Ehrenamt einen strengen Blick auf den Kandeler Haushalt. Die Festivitäten rund um das Jubiläum kosten die Stadt „einen sechsstelligen Betrag“, dieser konnte größtenteils über Sponsoren finanziert werden.

Alle 280 Gäste haben bezahlt

Der Gang zum Buffet in der Nachbarhalle war der erste Programmpunkt des Festakts.
Der Gang zum Buffet in der Nachbarhalle war der erste Programmpunkt des Festakts.
Zufrieden mit der Veranstaltung: Volker Merkel, Bürgermeister Michael Gaudier (Mitte), Jürgen Bauer und Hans Hruschka (vorne).
Zufrieden mit der Veranstaltung: Volker Merkel, Bürgermeister Michael Gaudier (Mitte), Jürgen Bauer und Hans Hruschka (vorne).
Dampfnudeln durften nicht fehlen.
Dampfnudeln durften nicht fehlen.
Nachtisch gab es natürlich auch.
Nachtisch gab es natürlich auch.

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Gleichzeitig hatte sich die Stadtspitze entschieden, dass der Eintritt zum Festakt nicht kostenfrei ist – auch nicht für die hohe Zahl an geladenen Gästen. Vorab waren 25 Euro für das Buffet zu entrichten. Alle 280 Gäste haben bezahlt, berichtet Organisator Markus Eisel. Ausnahmslos alle, also Innenminister Michael Ebling ebenso wie Landrat Martin Brandl oder eben Kandeler Bürger. Es gehe um einen verantwortungsvollen Umgang mit Steuergeldern, sagt Merkel.

Für den Festakt gab es zunächst eine Liste mit geladenen Gästen. Dazu kamen noch Plätze, für die sich die Kandeler nach einem Aufruf im Amtsblatt bewerben konnten. Der Abend war schließlich ausverkauft und man hätte sogar noch mehr Plätze vergeben können. Die Nachfrage war da. Und wenn man erst einmal Eintritt bezahlt hatte, schaffe das auch eine Verbindlichkeit, so Merkel.

Auf diese Weise sind schon zirka 8000 Euro ins Stadtsäckel zurückgeflossen und ein Großteil der Kosten für das „Kandeler Buffet, Perle im Bienwald“, ausgerichtet von der Lebenshilfe Minderslachen als Caterer, gedeckt. „25 Euro fand ich mehr als angemessen“, sagt Merkel. „Wenn man mit Partner kommt, dann ist das ein ’Fuffi’.“

Keine Freikarten, für niemanden

Offensichtlich läuft auch der Verkauf für das Jubiläumsprogramm gut. Hier gibt es kostenfreie Angebote, aber auch Veranstaltungen, die ihren Preis haben. Das Programm ist hochkarätig, von der Coldplay-Coverband Everglow über Kabarett mit Florian Schroeder bis zum Pfälzer Owend mit den Anonymen Gitarristen und einem Auftritt der Münchner Freiheit. „Es gibt auch keine Freikarten, für niemanden“, merkt Hans Hruschka, Beigeordneter mit Fachbereich Kultur, an. Das bedeutet: Auch die Stadtspitze hat jeden Eintritt selbst bezahlt und sich keine Freikarten geben lassen. „Wir wollen bewusst zeigen, dass wir nicht auf Kosten der Steuerzahler schmarotzen“, betont der dritte Beigeordnete Jürgen Bauer. Für seine Frau und sich habe er, um bei fast allen Auftritten dabei sein zu können, zirka 300 Euro für die Karten ausgegeben, rechnet Merkel vor. „Das ist für zwei Personen doch fast geschenkt“ , sagt er mit Blick auf die Kosten für seinen jüngsten Besuch in der Elbphilharmonie Hamburg.

Bis Freitagabend waren schon 3600 Karten für diverse Veranstaltungen verkauft. Im Haushalt habe man einen Verlust von 45.000 Euro für das Stadtjubiläum eingeplant, sagt Merkel. Doch dank der Eintrittsgelder und dem Einsatz von Sponsoren werde man das wohl „nach unten“ korrigieren können.

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