Leiningerland
Planer erklären: So entsteht das Radverkehrskonzept
Dann kriegen die Bauern und Winzer ja noch mehr Radverkehr auf ihre Feldwege! Wie soll man denn auf dieser steilen und schmalen Straße radfahren? Auf dieser Landesstraße besteht doch Lebensgefahr für Radler! So oder ähnlich lauteten in Gremien der 21 Ortsgemeinden Fragen und Kommentare zum vorläufigen Entwurf eines Radwegenetzes, das die Verwaltung für das Verbandsgemeindegebiet von der Mobilitätswerk GmbH Dresden erstellen lässt. Das Konzept ist laut Bürgermeister Frank Rüttger (CDU) eine wichtige Grundlage dafür, dass die Ortsgemeinden später, wenn sie Maßnahmen zur Förderung des Radverkehrs ergreifen wollen, Zuschüsse bekommen.
Bei der Grundlagenarbeit geht es hauptsächlich um die Fragen, welche Verbindungen für Radfahrer im privaten oder beruflichen Alltag auf dem möglichst schnellen, komfortablen und sicheren Weg von A nach B vorhanden, geeignet, wünschenswert sind. Die Zielgruppe wurde von den Planern deshalb ohne die sogenannte Schere im Kopf, aber auf Grundlage einer Karte der Region zuerst angehört. 263 Personen nannten bei der Online-Umfrage 588 Wunschverbindungen und 382 Stellen, die gefährlich seien oder optimiert werden sollten. Am meisten fürchten sich die Befragten offenbar vor hohen Geschwindigkeiten der Autos im Mischverkehr. Das Stimmungsbild bestätigte sich bei einer Online-Veranstaltung mit 30 teilnehmenden Einwohnern.
Strecken wurden überprüft
Danach, so legten es Sophie Recklies und Julia Höhnel vom Mobilitätswerk am Donnerstag vor den Mitgliedern zweier Ausschüsse dar, wurden die Strecken, insgesamt 200 Kilometer, und deren Beschilderung an vier Tagen von jeweils zwei Teams befahren und geprüft. Zahlreiche Daten wurden (und werden noch) erhoben und berücksichtigt. Zum Beispiel zu Ein-, Aus- und Binnenpendlern und deren Fahrtzielen, zu den Distanzen zwischen den Orten, zu Unfallstellen, Topografie und zu Radverkehrsprojekten in den Nachbarregionen beziehungsweise im Landkreis Bad Dürkheim. Eine Feststellung der Expertinnen ist: Das Gebiet der VG eignet sich wegen des weitgehend guten Zustands der Wege und der geringen Distanzen zwischen den Dörfern gut für die Entwicklung eines lückenlosen, alltagstauglichen Radwegenetzes. Viel Radverkehr könne auf vorhandenen asphaltierten Wirtschaftswegen geführt werden, auf Straßen außerhalb von Ortschaften seien die hohen Geschwindigkeiten ein Problem, sagte Diplom-Verkehrsingenieurin Recklies.
Bis das Dresdener Büro dem Verbandsgemeinderat einen finalen Netzentwurf samt Handlungsempfehlungen vorlegt, werden natürlich auch die Ortsgemeinden und die Gremien der VG beteiligt. In der ersten Phase dieser Beteiligung waren Anmerkungen zum aktuellen Entwurf erwünscht. Da äußerten vor allem Vertreter der Landwirte Bedenken. Sinngemäß hieß es, den Bauern und Winzern werde auf den von ihnen finanzierten Feldwegen durch die Zunahme des Radverkehrs die Arbeit erschwert und ein hohes Unfallrisiko aufgebürdet. In Altleiningen gab es Aufregung um das im Netzplan eingezeichnete Amseltal und dessen schmale Kreisstraße 32.
Gebot der Rücksichtnahme
Sophie Recklies stellte am Donnerstag klar: Für manche der eingezeichneten Straßenverbindungen müssten parallele (Um-)Wege gefunden werden, aber das bedeute nicht automatisch den Neubau von Radwegen. Bürgermeister Rüttger war es wichtig zu erläutern, wie die Gesetzeslage hinsichtlich der Nutzung von Wirtschaftswegen ist – auch weil in der Ausschusssitzung Fragen nach Haftung und Verkehrssicherung aufkamen. Demnach haben die Gemeinden in der Regel kein Recht, Fußgängern und Radfahrern die Wege zu verbieten.
„Es gilt allein das Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme“, sagte Rüttger. Soll heißen: Landwirte haben mit ihren Fahrzeugen nicht automatisch Vorrang, aber die anderen sollten im eigenen Interesse und weil sie es leichter machen können, den Landmaschinen ausweichen. „Wenn eine Kommune einen Weg von der Benutzung durch Fußgänger und Radfahrer ausschließen will, kann sie das nur per Satzung tun, nicht aber durch am Weg aufgestellte Schilder.“
Auf Feldwegen seien Radlern „die typischen Gefahren der Wegenutzung bekannt“, meinte Rüttger, deshalb sei die Gemeinde als Wegeigentümer in aller Regel nicht haftbar zu machen. „Anders sieht das bei ausgewiesenen Radwegen oder bei Radschnellwegen aus.“
Dem Lob des Bürgermeisters, das Radverkehrskonzept sei bei dem fleißig arbeitenden Büro Mobilitätswerk „in professionellen Händen“, schlossen sich am Donnerstag der Bau- und Umweltausschuss sowie der Tourismus- und Wirtschaftsausschuss an. Das Konzept muss wegen der Zuschussfrist im September/Oktober fertig sein.
Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld (CDU) ruft derzeit die Bewohner des Kreises Bad Dürkheim dazu auf, den Entwurf für das kreisweite Radverkehrskonzept zu kommentieren. Sie sollen Hinweise zu Mängeln und Gefahrenstellen, aber auch zu Verbindungen geben, die wichtig, aber noch nicht berücksichtigt sind. Der Zugang zur Online-Beteiligung werde ab dem 20. Juni auf der Internetseite www.kreis-bad-duerkheim.de geschaffen.

