Dirmstein
Kerwekomitee: Keine Lust mehr auf nächsten Jahrmarkt
Mitte September hat Maximilian Gärtner, Vorsitzender des Turn- und Sportvereins (TuS), sein Resümee der Kerwe, die in Dirmstein Jahrmarkt genannt wird, veröffentlicht. Darin schildert er, wie in diesem Jahr die Vorbereitungen liefen und welche Überraschungen er und seine Mitstreiter erlebten. Zu ihnen gehören Wolfram Bartz vom Feuerwehr-Förderverein und Christin Hanewald vom Karnevalverein Gaumekitzler.
Gärtner ist stolz auf alle Helfer und glücklich über die Besucherresonanz, doch manches will er nicht noch einmal erleben. Kurz vor Kerwebeginn fielen Teile des Schornsteins am Sturmfeder’schen Schloss (Rathaus) ab, sodass die Veranstaltung beinahe abgesagt wurde. Dann trübte an den ersten beiden Tagen das Wetter die Freude über das Dorffest. Viel aufreibender aber seien die Unsicherheit und die Diskussionen wegen des plötzlich geforderten Sicherheitskonzepts gewesen, sagt Gärtner.
Veranstalter ist Gemeinde
Ihm zufolge waren es „kritische Stimmen aus der Ortspolitik“, die das Ordnungsamt der Verbandsgemeinde (VG) Leiningerland „mitten in der Planungsphase“ aktivierten. „Offenbar fühlten sich einige der Bürgervertreter nicht genug in die Jahrmarktsplanung eingebunden“, vermutet Gärtner. Das Informationsdefizit habe zur Frage nach dem Sicherheitskonzept geführt, das am Ende die drei Vereine hätten schreiben müssen.
Vertreter der Ortsgemeinde hätten sich mittendrin noch geweigert, sich im Konzept als Veranstalter des Jahrmarkts und des Umzugs eintragen zu lassen. Bürgermeister Bernd Eberle (FWG) sagt, er habe es schließlich doch getan und damit die Diskussion beendet. Denn das Fest sei schließlich schon immer eine Veranstaltung der Gemeinde gewesen.
Auf RHEINPFALZ-Anfrage erläutert die VG-Verwaltung, warum Ordnungsamt und Polizei in diesem Jahr ein Sicherheitskonzept gefordert haben, auch wenn der Jahrmarkt keine Großveranstaltung wie etwa der Wurstmarkt ist. Die Erforderlichkeit könne sich aus einer hohen Personendichte, der Zusammensetzung der Besuchergruppen, dem Veranstaltungsgelände oder Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden ergeben, verdeutlicht die Verwaltung.
Gästezahl nicht absehbar
Im Dirmsteiner Fall seien die eingeschränkte Veranstaltungsfläche und die nicht absehbare Gästeanzahl ausschlaggebend gewesen. Nicht alle Kerweveranstalter benötigen ein Sicherheitskonzept, in der Verbandsgemeinde wurde es in diesem Jahr für den Bauernmarkt Battenberg und das Bockenheimer Winzerfest erstellt.
Nach Ansicht der Ordnungsbehörde ist so ein Konzept zur Erkennung und Minimierung von möglichen Gefahren zwar ein bisschen zeitaufwändig, aber kein Hexenwerk und auch nicht teuer. Das von Maximilian Gärtner erarbeitete könne auch in den kommenden Jahren für den Dirmsteiner Jahrmarkt genutzt werden.
Trotzdem wollen Gärtner und der TuS aus dem Kerwekomitee ausscheiden. Ebenso der Feuerwehrverein und die Gaumekitzler, wie Bartz und Hanewald bestätigen. Sie wollen nicht noch einmal mit viel Geld in Vorleistung treten und dann Gefahr laufen, dass der Jahrmarkt wegen irgendwelcher Fragen und Bedenken abgesagt wird. „Es hat dauernd geheißen, man müsste mal rechtssicher die Regeln für die Kerwe aufstellen und sie in einer Art Satzung fixieren“, sagt Gärtner. „Dann soll die Gemeinde das bitteschön auch mal machen.“
Beigeordneter will Lösung suchen
Den drei Vereinsvertretern hat außerdem nicht gefallen, in welche Gespräche sie sich trotz der vielen Arbeit verwickeln lassen mussten. So sei unter anderem geargwöhnt worden, dass durch die Kerwebeteiligung der drei Klubs andere Vereine benachteiligt würden. „Der Vorwurf der Bereicherung stand im Raum, dabei haben sich doch etliche Vereine schon vor Jahren von der Kerwe verabschiedet“, so Gärtner. Diesmal seien auch noch die zwei Weingüter ausgestiegen.
Zuständig für das Thema Kerwe ist der Erste Beigeordnete Hans Scherer (CDU). Auf Anfrage teilt er mit, dass es „kaum zu verschmerzen wäre, wenn die drei Vereine tatsächlich nicht mehr im Rahmen der Durchführung des Jahrmarktes zur Verfügung stünden“. In Kürze werde mit den Vorsitzenden gesprochen, um für das nächste Jahr eine Lösung zu finden. Ihm sei daran gelegen, „dass die drei Vereine den Jahrmarkt eigenständig, selbstverständlich im Rahmen der ordnungsrechtlichen Vorschriften, ohne wesentliche Einflussnahme seitens der Ortsspitze, organisieren und alle notwendigen Entscheidungen selbstständig treffen können“.