Dirmstein
Kurz, knackig, stimmungsvoll: der Kerwe-Umzug
Am Sonntag war in Dirmstein Ausnahmezustand: Gefühlt tausend Besucher bevölkerten den Schlossplatz mit seinen Catering-Ständen und Jahrmarktsbuden. Wann kommt er denn endlich, fragten sich viele, die den Zug in der Hauptstraße und auf Höhe der Weinrast erwarteten. Statt der ersten Zugnummer bekamen sie vorab eine Kolonne beidseitig parkender Autos zu sehen. Und nicht nur das: Aufgrund lückenhafter Absperrungen schlichen eine Reihe auswärtiger Autos und gegen 14.20 Uhr schließlich die Buslinie 460 (Grünstadt über Kirchheim) bis kurz vor knapp durch den Ort.
Doch gegen 14.35 Uhr markierte der Signalton der Freiwilligen Feuerwehr Leiningerland das Herannahen des bunten Lindwurms. „Es ist wichtig, dass es endlich weitergeht“, betonte Kommentator Bernhard Kehl im Hinblick auf die zweijährige Corona-Zwangspause, der auch die Dirmsteiner Kerwe samt Umzug zum Opfer gefallen war. Zwar gab es beim Umzug keinen Musikzug oder andere Livemusik, dafür aber etliche Fußgruppen, die sich originell in Szene setzten: Mit Rollatoren und Infusionswägen unterwegs war die örtliche DRK-Jugend, und einige Bewohner der Seniorenresidenz nutzten die Parade für eine Rundfahrt durch den Ort im Planwagen.
Viele Jugendgruppen
Dass in Dirmstein auch für die Jugend einiges geboten wird, bewiesen etliche Jugendgruppen, allen voran die Feuerwehr-Jugend mit einem historischen Spritzenwagen, die mitgliederstarken „Fußballsterne“ des TuS, die KMK-Kids (ehemalige katholische Musikkapelle) und die Garden des Dirmsteiner Karnevalvereins „Die Gaumekitzler“ in ihren schmucken Uniformen. Die FWG mit Ortsvorsteher Bernd Eberle war mit einem Sonnenschirm-geschmückten Karren dabei.
Von der Schlossgasse aus schlängelte sich der Festzug durch Hauptstraße, Mitteltor und Affenstein bis in die Laumersheimer Straße. Dramaturgische Höhepunkte gab es einige: Da waren die Dirmsteiner Hexen, die mit tollen Kostümen, Masken und einem mitgeführten Skelett ordentlich Wirbel machten und die Besucher mit Bergen von Papierschnitzeln aus dem Aktenvernichter – vielleicht ehemalige Coronaverordnungen? – tüchtig einseiften. Für Glamour sorgte Weingräfin Mara I. aus Asselheim, die in weinroter Prinzessinnenrobe huldvoll von einem Cabrio grüßte. Den Warennotstand während der Lockdowns thematisierte die Klopapier- und Speiseöl-Pyramide auf dem Zugwagen des örtlichen Edeka. Passend dazu verteilte die Belegschaft großzügig Haushaltswaren und Lebensmittel. Schon von weitem zu hören war der Männerverein VZP: Die „Vollzeitpälzer“ versorgten von einem umgebauten Rasenmäher-Grill aus die Zaungäste mobil mit Grillwürstchen und schenkten Wein aus. Ihre Feuerstühle gegen einen historischen Traktor eingetauscht und fetzige Rockmusik im Gepäck hatten die Motorradfreunde Dirmstein. Gegen Zugende wurde es nochmal politisch: Die „Vorderpfälzer Originale“ der Landjugend bekannten sich auf ihrem Zugwagen zu Arten-, Umwelt- und Gewässerschutz und sagten „nein zur Ideologie“.
Viel los auf dem Schlossplatz
Regelrecht überrannt wurde nach Zugende der Schlossplatz. Dort bildeten sich vor den Cateringständen und den Fahrgeschäften teilweise lange Warteschlangen. Der Feuerwehr-Förderverein punktete mit „Pälzer Döner“ und Brutzelfleisch mit Krautsalat und Tsatsiki, während Uwe Meister seine Knobibaguettes um die Variante Camembert mit Preiselbeeren erweitert hatte. Am Crêpe-Stand von Andrea Fischer kamen Süßschnäbel auf ihre Kosten, während Spielernaturen beim Entenangeln, am Dosenwurf- und Schießstand ihr Glück versuchten. Fahrgeschäfte wie das Kinderkarussell und der Autoscooter liefen Sonntagnachmittag unter Vollbesetzung. Schon vor dem Konzert der Band Two-4-You und bis zu später Stunde erwies sich die Kerwe auf dem Schlossplatz als Besuchermagnet. Kerweausklang ist dort heute ab 16 Uhr mit einem Unterhaltungsprogramm für die ganze Familie und Kaffee und Kuchen.