Fragen und Antworten
Asbestgefahr nach Hallenbrand: Was bisher in Dirmstein unternommen wurde
Ein Feuer hat die von einem Getränkehändler gepachtete Lagerhalle am 6. Oktober vollständig zerstört. Stehen mittlerweile die Brandursache und die Schadenshöhe fest?
Nein. Nach Angaben der Polizeidirektion Neustadt haben sich Kriminalbeamte und ein Brandsachverständiger die Dirmsteiner Brandstelle erst am Mittwoch angeschaut. Ein Ergebnis der Begutachtung konnte die Pressestelle an dem Tag nicht mitteilen.
Ist beim Brand wirklich Asbest freigesetzt worden?
Der von der Verbandsgemeinde Leiningerland hinzugezogene Sachverständige hat jetzt bestätigt, dass das Hallendach einen Baustoff mit Chrysotil-Asbest (Weißasbest) enthielt, und zwar mit einem Masseanteil von fünf bis 20 Prozent. Deshalb geht er davon aus, dass die weißen und hellgrauen Partikel, die im Wohngebiet Nachtgärten niedergegangen sind, Asbest enthalten. Asbestfasern sind in einer bestimmten Größe lungengängig und gesundheitsschädlich. Sie werden frei, wenn der Asbestzement aufgebrochen wird, etwa durch mechanische Bearbeitung oder ein Feuer.
Wie viele Anwesen sind von den Verunreinigungen betroffen?
Etwa 50, sagt VG-Bürgermeister Frank Rüttger (CDU), der mit seinem Verwaltungsteam versucht, die Betroffenen über Erkenntnisse und weitere Schritte mit Infoschreiben und in Treffen vor Ort auf dem Laufenden zu halten. Die Grundstücke seien unterschiedlich stark betroffen, und ein Anlieger übernachte vorsorglich nicht mehr in seinem Haus. Der Sachverständige habe sich am Montag und Dienstag in dem Gebiet östlich der Gerolsheimer Straße einen Überblick verschafft und in Gesprächen mit den Bürgern Bedenken ausgeräumt, so Rüttger. Ihm zufolge sei es nicht nötig, die Häuser zu verlassen.
Unter den Anwohnern soll Kritik an den Abläufen laut geworden sein, was gibt es zu bemängeln?
Rüttger zufolge kritisieren sie in erster Linie, dass es für Fälle wie diesen keine standardisierten Ablaufpläne gibt, dass keine einheitliche Vorgehensweisen vorab festgelegt sind. „Alle Betroffenen wünschen sich eine zeitnahe Hilfe und die Beseitigung bestehender Verunreinigungen und Belastungen“, berichtet der VG-Chef. Deshalb hätten seine Mitarbeiter „alle Schritte in die Wege geleitet, um Fachbehörden, Gutachter und Fachfirmen zeitnah einzubinden“. Rüttger verdeutlicht die unterschiedlichen Aspekte und Zuständigkeiten von Behörden: Brandschutz, Feuerwehr, Öffentliche Sicherheit und Ordnung sind Sache der VG, während der Landkreis für Abfall, Immissions- und Bodenschutz, überörtlichen Brand- und Katastrophenschutz und das Gesundheitsamt zuständig ist. Die Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd als Obere Landesbehörde berät den Landkreis, und bei ihr ist das Gewerbeaufsichtsamt angesiedelt, das möglicherweise auch eingebunden wird.
Die ehemalige Tennishalle und das Grundstück gehören einem Dirmsteiner Geschäftsmann, dessen Brandversicherung alle Schäden regulieren muss. Inwiefern kann die Verbandsgemeinde da überhaupt mitwirken?
Die Verwaltung kann bis zu einem gewissen Grad Abläufe koordinieren und darüber informieren. Sie ist außerdem in Vorleistung getreten und hat die Firma CB-Dienstleistungen aus Ketsch mit der Reinigung der betroffenen Wohnstraßen – hauptsächlich Silvaner-, Riesling-, Burgunder- und Moriostraße – beauftragt. Diese hat am Mittwoch mit der Arbeit begonnen.
Wie darf man sich die Reinigung vorstellen?
Adrian Knobloch von der Firma für unter anderem Asbestsanierung erläutert: Der Boden werde bis zu den Gebäudeeingängen abgesaugt und die so gesammelten Partikel würden in speziellen Behältern zu einer dafür zugelassenen Deponie gebracht. Das Straßenpflaster mit Wasser zu spülen sei problematisch, weil die Feststoffe dann in den Regenwasserkanal gelangten und Gewässer verunreinigten. Laut Rüttger gibt es dafür jetzt eine Lösung: „Die zwei Ausläufe in den Floßbach werden verschlossen, sodass sich das Schmutzwasser im Regenkanal staut und dann abgepumpt und entsorgt werden kann.“
Was ist mit den Grünflächen und dem unbefestigten Feldweg östlich der Siedlung?
Auch da wurden Partikel gefunden, deshalb sollte der Weg vorerst nicht betreten werden, Kinder sollten dort am Floßbach nicht spielen. Die Fachfirma wird laut Rüttger vorsichtig mähen und das Gras entsorgen.
Manche Anwohner haben schon selbst mit der Reinigung ihrer Grundstücke und Häuser begonnen. Ist das empfehlenswert?
Bürgermeister Rüttger rät davon ab. Hauseigentümer sollten sich von einem Sachverständigen beraten lassen und unbedingt die eigene Versicherung einschalten, nur dort könnten Ansprüche angemeldet werden. Wenn mit Wasser gereinigt werde, das zwangsläufig, etwa über die Dachrinne, im Kanal lande, müsse vorher die Verwaltung kontaktiert werden. „Oder aber das Wasser wird gesammelt und entsorgt“, warnt Rüttger. Er empfiehlt, Reinigungsarbeiten von einer Fachfirma erledigen zu lassen, um eine erneute Gefährdung auszuschließen, und dies mit den umliegenden Eigentümern zu koordinieren.
Das führt zu der Frage, ob sich die Brandversicherung des Eigentümers schon um den Unglücksort gekümmert hat. Denn was nützt die Reinigung des Wohngebiets, wenn ein Wind wieder asbesthaltige Partikel hinüberwehen kann?
Am Mittwoch hat ein Gutachter der Versicherung die Überreste der Halle besichtigt. Er muss die erforderlichen Maßnahmen zum Schutz der Anwohner festlegen und ein Sanierungskonzept erstellen. Sobald die Verwaltung dazu nähere Informationen erhält, will sie diese an die Betroffenen weitergeben. Adrian Knobloch von CB-Dienstleistungen vermutet, dass die öffentlichen Flächen im Dirmsteiner Neubaugebiet im Anschluss an die Sanierung der Brandstelle ein zweites Mal gesäubert werden müssen.
Kurz nach dem Brand hieß es, herumliegende Teile sollten am besten feucht gehalten werden. Wieso wurde dann die verkohlte Brandstätte nicht von der Feuerwehr weiter mit Wasser berieselt?
Weil das Areal am Freitagabend samt Aufforderung zur Sicherung und Sanierung in die Zuständigkeit des Eigentümers übergeben wurde, sagt Rüttger, und weil die Polizei erst jetzt die Brandstelle für eine Berieselung freigegeben habe. Die Freiwillige Feuerwehr der Verbandsgemeinde habe mit der Brandbekämpfung das Maximum geleistet, die Entsorgung von Gebäudeteilen oder die Reinigung von Flächen falle nicht ins Aufgabengebiet der Feuerwehr, so Rüttger. Dennoch werde die Wehr jetzt unter sachkundiger Anleitung beim Feuchthalten des Areals helfen.
Wie geht es eigentlich dem Getränkegroßhandel, der bei dem Brand Waren, Material, Geräte und Fahrzeuge verloren hat?
Die Firma hat Verständnis für die Anfrage der RHEINPFALZ, möchte aber zum Brand und seinen Folgen für den Betrieb nichts sagen.