Dirmstein
Getränkelager zerstört: Brandursache noch unklar
Ein explosionsartiger Knall weckt gegen 4.30 Uhr die Anwohner am Ostrand von Dirmstein, darunter die Senioren im Pflegeheim. Christian Brusius, der Leiter der Römergarten-Residenz, wird später berichten, dass bei etlichen alten Leuten urplötzlich Kriegserinnerungen da sind, die Angst auslösen. Minuten nach dem Knall steht die ehemalige Tennishalle zwischen Gerolsheimer Straße, Floßbach und Eckbach in Flammen und kann nicht mehr gerettet werden. Auf rund 2000 Quadratmetern verbrennen nicht nur Getränkekisten, sondern auch die Transportfahrzeuge, mit denen die Firma Pfau im weiten Umkreis ihre Kunden, darunter Gaststätten, beliefert.
Die um 4.40 Uhr alarmierte Feuerwehr der Verbandsgemeinde Leiningerland rückt zum wohl größten Einsatz in diesem Jahr aus. Auch die Wehrleute der VG Lambsheim-Heßheim helfen sowie Spezialeinheiten aus dem Landkreis Bad Dürkheim. Am Ende werden knapp 180 Kräfte und 46 Fahrzeuge gebraucht, wie Wehrleiter Markus Ittel berichtet.
Eine Dekontaminationsstation wird aufgebaut, denn: Diejenigen, die nahe an der Halle mit dem Löschen beschäftigt sind, müssen Atemschutzgeräte benutzen und später ihre Kleidung, die Ausrüstung und sich selbst reinigen. Markus Ittel ist sicher: „Das Dach bestand aus alten Eternitplatten, die Asbest enthalten.“ Durch einen Brand gelöste Asbestfasern, die durch Einatmen in die Lunge gelangen, können bei Anreicherung dort zu Krebs und Langzeitschäden führen.
Rauchsäule weithin sichtbar
Die Halle, die Getränke Pfau gepachtet hat und die das Abhollager in der Herrengasse ergänzt, steht zwar am äußersten Ortsrand, aber auch nahe am Neubaugebiet Nachtgärten und dem Seniorenheim. Die über viele Kilometer sichtbare Rauchwolke steigt zwar zum Glück erst einmal steil in die Höhe, dann aber zieht sie nach Norden und in Richtung Worms. Die erste Warnung der Dirmsteiner und der benachbarten Orte über die Smartphone-App Katwarn wird deshalb noch mal für einen größeren Radius ausgespielt. So berichtet es Frank Rüttger (CDU), der als Bürgermeister der VG Leiningerland und Dienstherr der Freiwilligen Feuerwehr sehr bald nach dem Alarm vor Ort ist.
Rüttger sagt, eine Gefahr für die Bevölkerung bestehe nicht, aber vorsorglich sollten zunächst einmal Türen und Fenster geschlossen, Lüftungs- und Klimaanlagen abgeschaltet sowie Obst und Gemüse aus Garten oder Feld gewaschen werden. Er geht davon aus, dass die Asbestfasern durch die Luft stark verwirbelt wurden und deshalb im Umkreis nicht in gefährlicher Konzentration auftreten. Der Katastrophenschutz habe in Worms und Offstein gemessen und keine weiteren Schadstoffe in der Luft entdeckt, so Rüttger.
Derweil sorgt sich die Feuerwehr um den Nachschub an Löschwasser. Denn auch wenn sie den Großbrand bis gegen 10 Uhr unter Kontrolle hat, wird vermutlich bis zum frühen Abend nachgelöscht werden, weiß Markus Ittel. Neben dem „Löschzug Wasser“ des Kreises Bad Dürkheim kommt erneut das mit Wasser gefüllte Tankfahrzeug der Grünstadter Firma Dinges zum Einsatz. Außerdem werden Brunnen und das Trinkwassernetz angezapft. Die Schlauchleitungen, die verlegt werden müssen, sind lang. Laut Rüttger haben die VG-Werke die Pumpleistung erhöht, mit den Stadtwerken Grünstadt stehe man in Kontakt. Ob tatsächlich kein Leiningerlandbürger daheim etwas vom gestressten Leitungsnetz spürt, ist fraglich.
Was tun mit Brandschutt?
Mehr Sorgen haben die Leute, die im Umfeld der Lagerhalle wohnen und an dem Morgen schon verbrannte, möglicherweise asbesthaltige Fetzen im Garten und auf der Straße finden. Was soll man mit denen machen? Schnell ist eine Whatsapp-Gruppe gegründet, in der Nachrichten ausgetauscht werden können. Bürgermeister Rüttger besorgt vom Gesundheitsamt einen Leitfaden und verteilt ihn in der Gruppe. Er ist auch auf der Internetseite der VG zu finden. Darin steht unter anderem, dass betroffene Stellen mit Wasser feucht gehalten oder abgewaschen werden sollen. Waschwasser könne in den Schmutzwasserkanal gegeben werden. Die Kläranlage packe das, „da gibt es Möglichkeiten“, sagt Rüttger. Inwiefern die Verwaltung eine Straßenreinigung und das Entsorgen von gesammelten Brandschuttteilen in Auftrag gibt, ist an dem Morgen noch unklar.
Eine große Erleichterung ist, dass bei dem Feuer niemand zu Schaden kam. Das mit acht Kräften anwesende Deutsche Rote Kreuz (DRK) ist laut dem Dirmsteiner Ortsverbandsvorsitzenden in Habachtstellung, weil sich bei dem Großeinsatz ja ein Helfer verletzen könnte. Gegen Mittag landet plötzlich ein gelber Rettungshubschrauber im Feld. Ist doch etwas passiert? Ja, im Seniorenheim, aber das habe nichts mit dem Brand zu tun, versichern Feuerwehr und DRK. Der Hubschrauber habe außerdem bloß den Notarzt hergebracht.
Ursache und Schadenshöhe noch unklar
Was den Brand verursachte und welchen Schaden er angerichtet hat, bleibt an diesem Tag offen. Die Kriminalpolizei Neustadt ermittelt, und deren Pressesprecher glaubt nicht, dass eine Begehung des Brandorts vor Montag stattfinden wird. Ortsbürgermeister Bernd Eberle (FWG), der schon kurz vor 5 Uhr an der Einsatzstelle war, hat bis zum Nachmittag ebenfalls keine Neuigkeiten. Die Bevölkerung sei offenbar ruhig und das Telefon im Rathaus weitgehend still geblieben. Auch mit der lang andauernden Sperrung der Straße nach Gerolsheim sind sie offenbar zurechtgekommen.