Kaiserslautern
Wegen Niedrigwasser: Wassersport am Gelterswoog ist in Gefahr
Bei der Paddlergilde mit ihren knapp 412 Mitgliedern, davon 105 Kinder und Jugendliche, läuft das komplette Training noch. Wie lange, ist nur eine Frage der Zeit. Vorsitzende Christine Richter berichtet, dass beispielsweise das Kanu-Slalom-Training zum Problem wird.
„Wir fahren durch Tore, wie beim Skitraining. Besonders in Ufernähe wird es langsam schwierig. Weil das Wasser unter den Booten fehlt.“ Der Verein hat ein vielfältiges Angebot, Kanu-Rennsport, Kanu-Slalom, Wildwasser und Freestyle, da werden auf dem Gelterswoog die Grundlagen geübt. Vor allem Stand-Up-Paddling werde immer beliebter, weil es für Anfänger wie Fortgeschrittene gleichermaßen attraktiv sei. „Sinkt der Pegel weiter, ist unser Angebot in Gefahr.“ Die Seen im Walkmühltal seien voll, aber unterwegs versickere das Wasser. Aus Sicht Richters wird bei der Diskussion um eine Wasserzuleitung zu wenig gesehen, was die Vereine leisten, gerade auch an Sozialarbeit.
Nicht jede Familie hat daheim einen Pool
„Nach zwei Jahren Pandemie gibt es jede Menge Kinder und Jugendliche mit psychischen Problemen. Wir haben gelernt, dass Zusammenhalt, das Gemeinschaftserlebnis ganz wichtig ist. Wir machen da ein wichtiges Angebot, auch gerade für Familien, die sich keinen Urlaub leisten können oder keinen Pool zu Hause haben. Während Corona haben die Kaiserslauterer Schwimmvereine bei uns trainiert. Wir haben auch Geflüchtete aufgenommen, aus Syrien, aus der Ukraine, leisten Integrationsarbeit. Wir bieten ein soziales Umfeld, das funktioniert“, klärt Richter auf.
Für die Stadtwerke spiele das keine Rolle. „Sie vertreten wirtschaftliche Interessen. Vielleicht müsste da mal eine Abwägung getroffen werden, andere Städte rühmen sich damit, ein Naherholungsgebiet zu haben. Die Stadt Kaiserslautern wäre von daher gut beraten, auch keine Abstriche zu machen. Zumal wir meines Wissens nicht in einem Grundwassermangelgebiet leben“, argumentiert die Vorsitzende der Paddlergilde. Die Verantwortlichen müssten sich klar machen, dass sie Gefahr laufen, ein Naherholungsgebiet zu verlieren, wenn sie einer Zuleitung von Wasser aus der Schäckersdell nicht zustimmen. Derzeit sei die große Frage, ob ein regenreicher Winter den See überhaupt noch retten kann. „Wir sind wirklich in sehr großer Sorge und hoffen auf Hilfe“, so Richter.
„Uns fehlt fast ein Meter Wasser am Steg“
„Wir haben keine Möglichkeit mehr, unsere Boote ins Wasser zu lassen“, klagt Moritz Liesegang, stellvertretender Vorsitzender des Ski- und Kanuclubs. Trainingsmöglichkeiten seien derzeit quasi nicht mehr gegeben. „Uns fehlt fast ein Meter Wasser am Steg. Wir sind extrem eingeschränkt.“ Zwar gebe es noch über die kleine Bucht am Vereinsgelände Zugang in den See. „Aber da steht man momentan 30 Zentimeter tief im Schlamm.“ Das sei alles sehr unerfreulich.
Liesegang hat Verständnis dafür, dass eine Zuleitung von Trinkwasser aus der Quelle Schäckersdell sorgfältig geprüft werden muss. Aber eine Lösung müsse dennoch gefunden werden. Zuwarten sei keine Option. Er habe Gespräche mit anderen Vereinsmitgliedern geführt. Eine Möglichkeit wäre, im Frühjahr, wenn es regnet und viel Wasser aus dem Walkmühltal den See speisen könnte, vorher den Zulauf anzupassen, damit mehr Wasser am See ankommt. „Wir wissen, dass da naturschutzrechtliche Belange tangiert sind, es wäre aber gut, wenn das noch einmal betrachtet werden könnte. Unsere Vereinsarbeit ist in Gefahr.“ Liesegang berichtet, er lebe erst seit 2016 in Kaiserslautern. Seitdem habe es etliche Sommer gegeben, in denen der Gelterswoog gelitten habe. Aber jetzt sei es extrem. Der Ski- und Kanuclub hat 350 Mitglieder, darunter eine Rennmannschaft und eine Jugend-Wildwassergruppe. „Wir betreiben eine intensive Jugendarbeit, wer Kanu fahren will, hat außer am Gelterswoog weit und breit keine Alternative. Das muss gesehen werden. Ich komme aus dem Ruhrgebiet, da gibt es an jeder Ecke Flüsse, Kanäle und kleinere Seen. Der Gelterswoog ist aber hier weit und breit einmalig. Er ist wunderschön, idyllisch, ein stadtnahes Naherholungsgebiet.“ Auch das Strandbad sei wieder super attraktiv. „Deshalb muss der See erhalten werden.“
Andreas Fey, Vorstandsmitglied beim Segel- und Yachtclub Kaiserslautern, ist frustriert. Segeln sei auf dem Gelterswoog schon nicht mehr möglich. Der Wasserstand sei eine Katastrophe. „Es müssten jetzt sofort Maßnahmen ergriffen werden, damit es mit dem See nicht noch weiter so brachial abwärts geht.“ Einfach zuschauen und nichts tun, so wie die Verantwortlichen im Rathaus das seit Jahren praktizierten, sei keine Lösung. „Die warten auf ein Wunder, die vertrösten uns nur“, so Fey. An dem See hängen viele Vereine dran, so Fey. Dazu das Strandbad mit den neuen Pächtern.
Segeln ist schon nicht mehr möglich
Fey, der eine Jolle hat, war kürzlich am Altmühlsee segeln. Auf dem Gelterswoog geht das nicht mehr. „Wir brauchen mindestens einen Wasserstand von 80 Zentimetern, um Boote vom Hänger ins Wasser zu lassen. Derzeit habe ich aber nur noch 30.“ Auch die Nachwuchsarbeit sei in Gefahr. Um zumindest den Jüngsten noch die Grundausbildung zu ermöglichen, habe der Verein ein Schwimmponton gebaut, damit die Kinder gefahrlos in ihre Optimisten, wie die Lehrboote heißen, einsteigen können. „Ansonsten ist der Höhenunterschied zwischen Steg und Boot einfach zu hoch.“ Eine Zuleitung von Wasser aus der Schäckersdell, die die Stadtwerke kategorisch ablehnen, ist für Fey auch nicht die Lösung. „Natürlich macht sich der Klimawandel bemerkbar, es verdunstet viel Wasser.“ Das sei aber nur ein Aspekt. Ein Hauptproblem, damit habe er sich intensiv befasst, sei die Versickerung. Und die sei am Gelterswoog ausgeprägter als anderswo, weil im Umfeld zu viel Wasser entnommen werde. Werde die Schäckersdell angezapft, verschärfe sich das Problem. „Der Porensandstein lässt das Seewasser schneller versickern, wenn durch mehr Grundwasserentnahme der Grundwasserpegel sinkt.“ Wobei der Zulauf auch so ein Problem sei. Weil der Bachlauf aus dem Walkmühltal völlig zugeschüttet sei, mit Altholz etwa, habe es das bisschen Wasser, was noch zulaufe, immens schwer, überhaupt noch unten anzukommen. Er plädiert dafür, zumindest als Interimslösung abfließendes Wasser aus dem Walzweiher abzuzweigen. „Vielleicht kann man mal so eine Fünf-Tagesaktion machen, mit der Feuerwehr und dem THW, zur Soforthilfe. Passiert nichts, können wir nächstes Jahr Wattwanderungen veranstalten.“
Fey fühlt sich von der Stadtverwaltung verschaukelt. „Vor zwei Jahren gab es eine große Veranstaltung mit den Anrainern, alle wurden gehört, passiert ist nichts.“ Die Stadtwerke müssten die Wasserentnahmen drosseln, die Amerikaner sollten wieder ihre eigenen Brunnen nutzen. „Dann müsste aber das Wasser aufbereitet werden. Und das ist teuer. Lieber machen die SWK Geschäfte, verkaufen unser Wasser teuer.“ Das passiere mit Lieferungen in die Nordpfalz genauso. „Das Wasser, was hier rausgeholt wird, ist für die Region verloren. Weil es auch nicht mehr ins Abwasser gelangt.“