Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel So wenig Wasser wie noch nie im Hochsommer im Gelterswoog

Es ist dramatisch: Der Gelterswoog-Pegel liegt 76 Zentimeter unter dem normalen Niveau.
Es ist dramatisch: Der Gelterswoog-Pegel liegt 76 Zentimeter unter dem normalen Niveau.

Die Situation an dem Hohenecker Badesee spitzt sich zu. Nach einem Pächterwechsel und aufwendigen Sanierungsmaßnahmen ist das Strandbad so attraktiv wie lange nicht. Aber der Wasserpegel sinkt. Und eine Lösung ist nicht im Sicht. Im Gegenteil.

So wenig Wasser wie derzeit hatte der Gelterswoog im Hochsommer noch nie. Im Strandbad ist das nicht zu übersehen. Die Stege ragen weit aus dem Nass heraus, die Absperrung des Nichtschwimmerbereichs schwimmt nicht mehr, sie hängt in der Luft. „Es fehlen 76 Zentimeter“, sagt Bettina Dech-Pschorn, Leiterin des Referats Umwelt bei der Stadtverwaltung. Vor einem Jahr habe der Wasserpegel nur 57 Zentimeter unter dem normalen Niveau gelegen.

Zulauf aus dem Walkmühltal ist ausgetrocknet

Der Zulauf aus dem Walkmühltal existiert gerade nicht mehr. Die Weiher haben zwar noch Wasser, es kommt aber nichts mehr unten im Tal an, die Wiesen sind ausgedörrt. „Bis Minimum ein Meter Tiefe ist der Boden trocken“, so die Fachfrau. Dech-Pschorn macht den Klimawandel für das Dilemma verantwortlich. „Der Gelterswoog ist ein künstlich angelegter Stausee, er lebt von dem, was zufließt. Aber da ist gerade nichts. Zudem haben wir viel zu wenig Niederschlag, seit Wochen keinen Regen. Außerdem ist es heiß, so dass viel Wasser verdunstet.“

Umweltdezernent Peter Kiefer, der immer wieder betont, dass ihm der Gelterswoog am Herzen liegt, sagt: „Das Problem haben andere auch. Selbst der Rhein führt viel zu wenig Wasser.“ Einen niedrigen Wasserstand habe der Gelterswoog schon öfter gehabt, „aber das war sonst vier bis sechs Wochen später im Jahr der Fall.“ Er hätte es deshalb gut gefunden, wenn Wasser aus der Schäckersdell hätte zugeführt werden können. „Es ging um 50.000 Kubikmeter im Jahr, also 50 Millionen Liter“, so Kiefer.

Zuleitung von 50.000 Kubikmeter Wasser würde helfen

Er hatte in der Sache noch einmal an die Stadtwerke Kaiserslautern appelliert, ob nicht durch Zufuhr von Wasser zumindest „ein Mindestwasserstand“ im Gelterswoog gewährleistet werden könne. Kiefer argumentierte, dafür gebe es ein sehr starkes öffentliches Interesse, Bürger könnten nicht nachvollziehen, dass es keine Lösungsmöglichkeit geben soll.

Ein Schreiben der Stadtwerke an den Beigeordneten von Ende Juli, aus dem er zitiert, ist allerdings eindeutig. Nach den Worten des Dezernenten sehen die Stadtwerke null komma null Spielraum, um Wasser aus der Quelle Schäckersdell, so wie das früher Usus war, in den See einzuleiten. Die SWK betonen laut Kiefer, dass die Wasserversorgung vor großen Herausforderungen stehe, weil die Ressourcen knapper werden. Vor diesem Hintergrund eine einstmals geschaffene Freizeiteinrichtung mit einem immer rarer werdenden Lebensmittel, nämlich Trinkwasser, zu beliefern, gehe nicht mehr. Es müsse akzeptiert werden, dass sich die Natur verändere. Deshalb könne nicht an lieb gewonnenen Gewohnheiten wie der künstlichen Befüllung des Gelterswoogs festgehalten werden.

„Der Badebetrieb ist nicht in Gefahr“

Und jetzt? Wird damit der See aufgegeben? Dech-Pschorn verneint. „Es wird in Zukunft nur nicht mehr möglich sein, zu jeder Jahreszeit den See für alles zu nutzen.“ So könne es passieren, je nach Witterung, dass die Herbstregatta wegen eines niedrigen Wasserstandes auch einmal ausfallen muss. Regne es heftig, sehe es anders aus. Wobei sich tendenziell der Klimawandel mehr und mehr bemerkbar mache. Die Wasserqualität werde permanent überwacht, sie sei gut, da gebe es keine Beanstandungen. Kiefer beteuert: „Der Badebetrieb ist nicht in Gefahr.“

Auf die Frage, wieso die Freibäder mit Trinkwasser befüllt werden dürfen, erklärte er, da seien andere Voraussetzungen gegeben. Beim Gelterswoog handele es sich um ein natürliches Gewässer. In die Waschmühle fließen jährlich rund 17.000 Kubikmeter Wasser, ins Warmfreibad 12.000 Kubikmeter, so Kiefer auf Nachfrage. Er kündigte an, mit den Pächtern des Strandbades demnächst das Gespräch suchen zu wollen. Auch um den Walzweiher habe er sich gekümmert, mit den Eigentümern gesprochen. Von dort Wasser zuzuführen, würde aber sehr teuer werden.

„Schwimmen und Wassersport, alles ist noch möglich“

Boris Zeller, einer der beiden Pächter des Strandbads, sieht die Sache noch relativ gelassen, erwartet aber schon, „dass die Stadt mit uns gemeinsam nach Lösungen sucht“. Zeller und Peter Wirrer hatten mit Beginn der Saison den Gelterswoog übernommen und viel Geld investiert. „Schwimmen und Wassersport, alles ist noch möglich“, sagt Zeller. Man müsse lediglich etwas weiter reinlaufen. Aber weniger Wasser dürfe es nicht werden. Im Moment fänden vor allem Familien gut, dass der Strand ein bisschen breiter sei. „Auch die Vereine sind auf den See angewiesen“, betont Zeller.

Einbetonierte Eisenstangen mögliche Gefahrenquelle

Der niedrige Pegel macht den Wassersport-Vereinen zu schaffen. Zumal er Gefahren bergen kann. Die Paddlergilde appelliert in einem Flugblatt, das am See an mehreren Stellen ausgehängt ist, an die Sportler, vorsichtig zu sein und verweist darauf, dass die Nutzung des Gelterswoogs auf eigene Gefahr erfolge. Ein Problem sind nach Angaben der Paddlergilde Eisenstangen, die vor vielen Jahren in den Boden des Sees einbetoniert wurden, um Bojen und Markierungen daran zu befestigen. Diese seien jetzt nur noch knapp 40 Zentimeter unter der Wasseroberfläche. Es bestehe Verletzungsgefahr, beim Schwimmen, aber auch beim Sturz oder Springen von einem Stand-Up-Paddle-Board (Sup). Kiefer ist über die Stangen informiert. Im Bereich des Strandbades bestehe keine Gefahr, außerdem seien die Stangen „erkennbar“. Der Verein werde das Problem angehen.

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