Kaiserslautern
Kaiserslautern: Situation am Gelterswoog ist dramatisch
Der alarmierend niedrige Wasserstand am Gelterswoog hat doch etwas mit den klimatischen Veränderungen zu tun. Dies machte Michael Rochmes, Diplom-Geologe und Sprecher des Arbeitskreises Grundwasserbewirtschaftung, am Montagabend im städtischen Umweltausschuss deutlich.
Der geschäftsführende Gesellschafter des Ingenieurbüros Peschla + Rochmes erklärte, dass die Wasserstände in der Region seit 2003 im Vergleich zu früher weit unterdurchschnittlich sind, Quellen viel weniger schütten. Die Zahlen, die Rochmes vortrug, sind alarmierend. Allein die Lufttemperatur sei in den vergangenen 16 Jahren um ein Grad gestiegen, die Niederschlagsmenge habe um acht Prozent abgenommen, die Verdunstung habe um ein Prozent zugenommen. Der Erwärmungstrend werde sich fortsetzen, sagte Rochmes. Das führe zu rückläufigen Grundwasserneubildungsraten, zuletzt seien sie um 25 Prozent zurückgegangen.
Auch Lauterspring leidet
Die Auswirkungen der „dramatischen Klimaveränderung“ machte Rochmes am Beispiel der Lauterspring deutlich, der größten Quelle im Pfälzerwald. Sie ist maßgeblich für die Trinkwasserversorgung in Kaiserslautern verantwortlich. In guten Jahren, beispielsweise 2001, schüttete die Lauterspring im Osten der Stadt 140 Liter pro Sekunde, zuletzt waren es nur noch 35 Liter, so wenig wie schon einmal im Jahr 2017.
Derzeit gebe es einen absoluten Tiefstand beim Grundwasser, sagte Rochmes. Obwohl es im Oktober und November überdurchschnittlich viel geregnet habe, spiegele sich das noch lange nicht beim Grundwasserstand wider. Die Böden seien jetzt feucht, aber bis sich neues Grundwasser bilden könne, müsse es weiter heftig regnen. „Der Boden muss erstmal gesättigt werden“, so Rochmes. Erst danach könne man beispielsweise bei den Bächen einen Effekt sehen.
Es verdunstet zu viel
Um den Wasserstand des Gelterswoogs bei den hohen Temperaturen konstant zu halten, hätten im Sommer 15 Liter Wasser pro Sekunde zulaufen müssen. Tatsächlich aber war es nur ein Liter. Der Hauptzufluss komme derzeit aus dem Walkmühltal, führte Rochmes aus. Die Zuflüsse aus dem Kolben- und Erlental seien quasi trockengelegt. Im Walkmühltal gebe es große Quellen, die schütteten eigentlich immer. Das Problem in heißen Sommern sei aber das, dass das meiste Wasser, nach Angaben von Rochmes zwei Drittel, auf dem Weg zum See verdunste. „Auch die Pflanzen ziehen viel Wasser raus“, betonte er. Das hatte zuletzt zur Folge, dass der Hohenecker Mühlbach, der früher 60 Liter Wasser pro Sekunde aus dem Walkmühltal in den Gelterswoog fließen ließ, in den Jahren 2018 und 2019 nur noch einen Liter Wasser pro Sekunde zuführte. „Das ist so gut wie nichts“, so Rochmes.
Jeden Tag einen Zentimer verloren
Es war drastisch, was der Fachmann schilderte: Der zwölf Hektar große Gelterswoog habe in diesem Sommer jeden Tag einen Zentimeter an Wasserhöhe verloren. „Pro Tag waren das 1200 Kubikmeter Wasser weniger, auf die Badesaison mit 84 Tagen umgerechnet eine Milliarde Liter Wasser weniger.“ Das sei so viel Wasser wie benötigt würde, um elf Mal das Freibad Waschmühle zu befüllen. „Wenn das Klima so bleibt, wird der Gelterswoog immer öfter nicht voll sein“, so Rochmes. Die Wasserentnahme im Kolbental sei dafür nicht verantwortlich, führte er weiter aus. Zumal die seit dem Jahr 2015 um 15 Prozent reduziert worden sei, auf im Schnitt 0,85 Millionen Kubikmeter Wasser im Jahr.
In den Gelterswoog künstlich Wasser einzuleiten, wie das früher passierte, ist für Rochmes kein Thema. Früher wurde der See im Winter abgelassen, im Frühjahr seien dann aus dem Schäckersdell-Brunnen 100.000 Kubikmeter Wasser zugeleitet worden. „Das ist heute ein No-Go“, so Rochmes. Tabu sei das deshalb, weil der Brunnen für die Trinkwasserversorgung im Zweckverband Wasserversorgung Westpfalz benötigt werde. „Es gibt dafür keine Genehmigung, das wäre derzeit auch technisch nicht möglich“, so Rochmes. Rochmes machte deutlich, dass es am Gelterswoog Zielkonflikte gibt. „Wir brauchen das Rohwasser für die Trinkwasserversorgung, wir haben ein Naturschutzgebiet und wir haben den Gelterswoog.“
Brunnenwasser ist tabu
Auf Wege aus der Misere angesprochen, betonte Rochmes, es sei nicht seine Aufgabe, hier Lösungen aufzuzeigen. Theoretisch machbar sei aus seiner Sicht, eine Leitung zu legen, durch die Wasser aus den Weihern im Walkmühltal in den Gelterswoog geführt wird. „Das wäre aber ein Eingriff in das Ökosystem.“
Eine Prognose, ob im nächsten Jahr Wassersport und Badebetrieb möglich sein werden, wollte Rochmes nicht abgeben. Seit Oktober sei der Wasserstand um 13 Zentimeter gestiegen. Wenn es weiterhin regne, sei er „guter Hoffnung“, dass der See sich wieder fülle.
Der Umweltausschuss beschloss am Montagabend, dass der Schieber am Ablauf des Gelterswoogs und die Abflussleitung saniert werden. Rochmes prophezeite, dass das auf den Wasserstand keinen großen Einfluss haben wird.