Kaiserslautern
Warten in den Vororten: Deutsche Glasfaser zieht sich zurück – wer baut jetzt aus?
Ein Dienstagabend im April, kurz vor 20 Uhr: In der Kölchenstraße klafft noch ein schmales Loch im Bürgersteig. Die herausgehobenen Pflastersteine liegen säuberlich aufgestapelt am Rand, ein dickes rotes ummanteltes Kabel schaut aus dem Loch hervor. Ein ähnliches Bild zeigt sich in der Herzog-von-Weimar-Straße, dieser Tage auch in der Trippstadter Straße – bis spät am Abend wird gearbeitet, große bunte Kabelstränge schauen aus der Erde hervor. Nachdem lange Zeit der Anteil der an das Glasfasernetz angeschlossenen Adressen in der Stadt bei elf bis zwölf Prozent (etwa 2705 Adressen) verharrte, wird nun vielerorts in der Stadt gebuddelt. Mit einem Glasfaseranschluss sind Datenübertragungsraten von bis zu 1000 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) möglich.
Die OXG, aber auch die Telekom sind zurzeit – überwiegend im Osten der Stadt – aktiv. „Die Arbeiten zum Glasfaserausbau werden von den Bürgerinnen und Bürgern sehr stark wahrgenommen“, weiß Nadin Robarge. Denn wer morgens das Haus verlässt und am Nachmittag von der Arbeit nach Hause kommt, findet möglicherweise ein Loch im Gehweg vor, durch das ein Bautrupp gerade Glasfaserkabel zu den Häusern zieht. „Natürlich fordern wir bei allen Baumaßnahmen von den Leitungsträgern, dass die unmittelbar betroffenen Anlieger mittels Posteinwurf eine Information bekommen, was da vor ihrer Haustür passiert, wer baut, wie lange das geht, wer Ansprechpartner bei Problemen ist, wie die Zuwegung zur Immobilie ist“, erklärt die Leiterin des Baustellenmanagements, einer Abteilung im städtischen Tiefbaureferat.
OXG will 12.000 Adressen versorgen
Die OXG will laut Robarge das gesamte Stadtgebiet ohne die Ortsbezirke erschließen. „Wir sprechen hier von einer Fläche zwischen Alex-Müller-Straße, Betzenberg/Lämmchesberg/Uni-Wohnstadt und vom Bahnheim bis zum PRE-Park“, so Robarge. „Im Grunde betrifft das das gesamte Kernstadtgebiet. Es sind etwa 120 Streckenkilometer, davon sind aktuell etwa 30 geschafft“ erläutert sie.
Im Herbst 2025 begannen ein bis zwei Bautrupps damit, im Bahnheim für die OXG Glasfaser zu verlegen. Mittlerweile seien acht Trupps parallel im Stadtgebiet in verschiedenen Straßenzügen von Asternweg/Geranienweg bis hin zur Straße auf dem Sess und auf dem Lämmchesberg sowie in der Feuerbachstraße wie auch im Bereich rund um den Kolpingplatz unterwegs, erklärt Robarge.
Auch rund um das Viadukt in der Trippstadter Straße und in der Spitalstraße habe die OXG bereits Glasfaserkabel verlegt, „damit wir dort mit unseren Arbeiten im Straßenbau beginnen konnten, hatten wir sie gebeten, vorab hineinzugehen“. Weitergehen soll es demnächst auf dem Bännjerrück.
Auch die Telekom ist in der Innenstadt aktiv. Etwa 7500 Anschlüsse will sie bis Ende des Jahres gelegt haben, berichtet Gigabit-Koordinator Daniel Schleicher. Sie hat sich bislang hauptsächlich auf den Osten der Stadt konzentriert ab dem Hilgardring ostwärts.
Neuer Mitarbeiter für Baustellenkontrolle
„Die Baustellenüberwachung ist bei der Vielzahl an Aufbrüchen eine Herausforderung“, sagt Robarge. Die Stadt erteile für jede einzelne Baustelle eine Aufbruchgenehmigung: „Wir geben die Ausbautiefe vor, wie Gehwege wieder zu verschließen sind und kümmern uns auch um die Baustellenüberwachung“, erklärt Robarge. Passe bei der Abnahme etwas nicht – sind Platten schlecht verlegt, der Untergrund nicht verdichtet –, fordere die Stadt Nachbesserungen. „Wir verhängen schon auch mal einen Baustellenstopp“, sagt Robarge. Ein Trupp dürfe dann nicht weitermachen, ehe die Nacharbeiten erledigt sind. Das sei das schärfste Schwert, das die Stadt habe.
Seit wenigen Tagen verstärkt ein Mitarbeiter der Stadtbildpflege für ein bis zwei Jahre das Team. „Er wird den ganzen Tag draußen unterwegs sein und schaut den Bautrupps akribisch auf die Finger“, sagt Robarge.
Denn die Schwierigkeit bei der Bauabnahme entstehe auch dadurch, dass die Trupps fix arbeiten, „sie machen am Tag bis zu 100 Meter auf und wieder zu, wenn wir da mittags zur Kontrolle kommen, kann es sein, dass der Drops schon gelutscht ist“ und das Loch bereits verschlossen wurde, ohne dass noch nachvollziehbar sei, wie die Arbeiten ausgeführt wurden.
Die Gewährleistungszeit ende nach fünf Jahren, danach müsse die Stadt mit der Stadtbildpflege entstandene Schäden selbst beheben. „Dadurch, dass potentiell mehrere Unternehmen nacheinander die Straße aufreißen und ausbauen können, haben wir auch immer die Frage danach, wer am Ende verantwortlich war“, so Robarge. Daher sei es wichtig, direkt vor Ort eingreifen zu können.
Rückzug der Deutschen Glasfaser: Vororte müssen warten
Etwa 19.250 Adressen in Kaiserslautern – oder anders ausgedrückt 85 Prozent – können bereits auf einen Internetanschluss mit bis zu 1000 Mbit/s zugreifen, sind gigabitfähig über das Fernsehkabel. Das betrifft in wesentlichen Teilen auch etliche Vororte wie Dansenberg, Hohenecken oder Morlautern. Und das macht den Glasfaser ausbau schwierig.
Er ist dort ins Stocken geraten. „Die Deutsche Glasfaser wollte in den Vororten ausbauen“, berichtet Schleicher. Doch bereits 2024 scheiterte sie größtenteils in der Vorvermarktung – weniger als die angestrebten 33 Prozent der Menschen hatten einen Vorvertrag abgeschlossen. 2025 der nächste Anlauf der Deutschen Glasfaser – ohne Erfolg. „Da hilft in den betroffenen Stadtteilen aktuell nur warten, im Moment gibt es dort keinen Anbieter, der ausbauen möchte“, sagt Daniel Schleicher. Nur in Siegelbach und Erfenbach hat die Deutsche Glasfaser die Quote erreicht, mit dem Ausbau aber nie begonnen.
„Sie hat sich aus der Stadt zurückgezogen“, berichtet Schleicher. Der Gigabitkoordinator der Stadt hat den Überblick über alle aktuellen Ausbauprojekte, ist Ansprechpartner bei Fragen rund um die Glasfaserversorgung. Auch Bürger wenden sich direkt an ihn. „Viele sind verunsichert“, sagt er. Das betrifft vor allem Siegelbach und Erfenbach. Denn dort sei auch die Mawacon aus Eisenberg auf den Plan getreten, nachdem die Deutsche Glasfaser nicht mit dem Ausbau startete. Die Mawacon wird in Siegelbach noch im April mit dem Ausbau beginnen, erklärt Robarge. „Viele hatten schon einen Vorvertrag mit der Deutschen Glasfaser und wollten wissen, ob sie dann noch einen weiteren mit der Mawacon schließen sollen“, berichtet Schleicher von einigen Anrufen bei ihm. Er könne keine Rechtsberatung anbieten, verweise in solchen Fällen an die Verbraucherzentrale. Schleichers Erfahrung nach sei es aber eher unwahrscheinlich, dass die Deutsche Glasfaser nun doch noch ausbaue, nachdem so lange Zeit verstrichen sei.
Auch in Mölschbach liegen die Ausbaupläne aktuell auf Eis – nachdem die Stadtwerke sich trotz einer Vorvermarktungsquote von etwa 60 Prozent gegen den Ausbau entschieden hatten. „Wir sind für Mölschbach aktuell in Gesprächen, spruchreif ist aber noch nichts“, berichtet Schleicher. Auch wann in Erlenbach und Erzhütten/Wiesenthalerhof ausgebaut wird, ist offen. Auch hier hatten die SWK die Vorvermarktung gestartet und erfolgreich abgeschlossen.