Kaiserslautern
Wann die übrigen Parteien ihren Bundestagskandidaten küren
Christlich Demokratische Union (CDU): Es ist das Mysterium dieser Kampagne, zumindest im Wahlkreis 208. Nirgendwo sonst wird die Antwort auf die Nominierungsfrage so mit Spannung erwartet wie bei den Christdemokraten. Versucht es Xaver Jung (Kusel) noch einmal, der Ex-Bundestagsabgeordnete, der vor drei Jahren an Matthias Mieves (SPD) gescheitert war? Wirft der einstige Lautrer Fraktionschef Michael Littig seinen Hut wieder in den Ring? Oder vielleicht sogar der Winnweilerer VG-Bürgermeister Rudi Jacob, wie schon 2021? Den parteiinternen Dreikampf damals hatte Jung für sich entschieden. Wer diesen Winter allerdings um die Direktkandidatur buhlt, das bleibt vorerst ein großes Geheimnis. „Mehrere Bewerber aus dem kompletten Wahlkreis“ hätten zwar ihre Ambitionen bekundet, sagt Ursula Düll, die Vorsitzende der Kaiserslauterer CDU – über die Personalien aber schweigt sie. Am Abend des 4. Dezember will die Partei ihr Zugpferd wählen, zuvor steht an diesem Donnerstag noch die Kreismitgliederversammlung an. „Es ist nicht ganz einfach“, spricht Düll von einem straffen Zeitplan. „Als Bewerber muss man da erst prüfen, ob so ein vorgezogener Termin überhaupt in den eigenen Lebenslauf passt.“ Ursprünglich hatte die CDU ihren Kandidaten erst im März nominieren wollen. 2021 übrigens kam Xaver Jung auf 21,5 Prozent. Sein mit Abstand schwächstes Ergebnis bei vier Bundestagswahlen.
Freie Demokratische Partei (FDP): Christian Kopp steht zur Wahl für den Posten des Direktkandidaten – am Mittwochabend aber wird er nicht ohne Konkurrenz sein. Wenn die Freien Demokraten im Pfälzerhof in Rockenhausen ihren Favoriten krönen, dann steht neben dem Lautrer FDP-Chef auch Maja Pfister auf dem Zettel. Zurzeit lebt die Juristin in Berlin, dort kämpfte sie für ihre Partei gerade erst um einen Sitz im Europäischen Parlament. „In der Planung war jetzt alles ein bisschen anders“, blickt Kopp auf bewegte Wochen in der Bundespolitik. „Mit mehr Geschwindigkeit, extrem komprimiert.“ Als bisher einzige Liberale haben sich er und Pfister bislang für den Platz beworben – ob ihnen bis zum 4. Dezember weitere folgen werden? Unklar, sagt Kopp. Was er schon heute preisgeben könne: Der Kuseler Kreisverband wird wohl niemanden ins Rennen schicken. Für die vergangene Bundestagswahl hatten die Freien Demokraten Jana Braun Lambur nominiert. 7,1 Prozent der Erststimmen erreichte die Lautrer Gymnasiallehrerin – drei Prozent weniger, als die Partei insgesamt im Wahlkreis abräumte. Kopp hatte als FDP-Kandidat bereits 2013 die Plakate geziert.
Freie Wähler (FW): Wer tritt in die Fußstapfen von Thomas Lebkücher? Im September 2021 war es der heutige Ortsbürgermeister von Bubenheim (Donnersbergkreis), der für die Freien Wähler in den Bundestag wollte – mit 7,3 Prozent der Erststimmen einen Sitz unter der Berliner Glaskuppel aber deutlich verpasste. Unmittelbar vor dem Landessonderparteitag in Weilerbach am Samstag wollen die FW morgens ihren Anwärter aufs Direktmandat bestimmen. Bisher steht noch nicht fest, auf wen die Partei im Wahlkampf hoffen wird. Zwar habe der vorgezogene Termin „uns unter Druck gesetzt“, sagt Dominik Stihler, der FW-Vorsitzende im Kreis Kaiserslautern. „Doch wir haben einige ungeschliffene Diamanten, die wir schnell ins Licht rücken können.“ Aktuell liegen zwei Bewerbungen vor, so Stihler – Namen will er am Dienstag allerdings noch keine verraten. Nur so viel: ein Interessent stamme aus der Region Lautern, der andere aus dem Kuseler Umland. Thomas Lebkücher, Kandidat der Freien Wähler im Jahr 2021, gehört also nicht dazu.
Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW): Am 1. Dezember plant die Partei, im rheinhessischen Alzey ihre Landesliste für die Bundestagswahl aufzustellen. Alexander Ulrich, der 53-jährige Berufspolitiker aus Reichenbach-Steegen, will dort für Platz eins kandidieren, wie er im Gespräch mit der RHEINPFALZ ankündigt. „Da ist es sinnvoll, dass ich auch im Wahlkreis antreten werde“, schiebt der Co-Landeschef nach, der seit 2005 dem Bundestag angehört – und all die Jahre zunächst für die Linke im Parlament saß. In der laufenden Legislatur hat er gemeinsam mit neun anderen Abgeordneten, darunter Sahra Wagenknecht selbst, die Fraktion jedoch verlassen. Seitdem gehört er dem als Gruppe im Bundestag organisierten BSW an. Nach der vergangenen Wahl hatte Ulrich eigentlich verlauten lassen, dass seine fünfte zugleich seine letzte Periode im Hohen Haus sein werde. „Für die Linke wäre ich auch nicht mehr angetreten“, erklärt er, zu groß seien die Spannungen in der Partei bereits 2021 gewesen. Nun sei die Situation jedoch eine andere. „Außerdem hat mich Sahra Wagenknecht gebeten, weiterzumachen“, berichtet Ulrich. Ein genauer Termin für die offizielle Wahlkreis-Nominierung stehe noch nicht – sie soll aber vor Weihnachten über die Bühne gehen.
Die Linke: „Winterwahlkampf, das ist nicht immer angenehm“, sagt Stefan Glander, der Chef der Linken-Fraktion im Kaiserslauterer Stadtrat. Auch seine Partei stellt die Weichen für Ende Februar, wenn die Deutschen ihre Kreuzchen setzen – wer im Wahlkreis 208 allerdings für die Linke ins Rennen um das Direktmandat gehen wird, ist laut Glander noch offen. Ein Tag für die Kandidatenkür sei dabei inzwischen festgelegt worden: der 19. Dezember. Zwei Tage, bevor die Landesliste der Linkspartei erstellt wird. „Es war alles sehr kurzfristig, aber die Planungen stehen“, so Glander. Bis Ende Oktober übte der Finanzbuchhalter das Amt des rheinland-pfälzischen Landesvorsitzenden aus, bei den jüngsten Wahlen trat er nicht mehr an, wie er der RHEINPFALZ berichtet. 2021 war es übrigens noch BSW-Mann Alexander Ulrich, der für die Linke den Direktsitz erringen wollte – er kam damals auf vier Prozent der Erststimmen.