Kaiserslautern
Taser-Test: Warum die Bundespolizei die Stromstoß-Pistole in der Pfalz erprobt
Bei der Bundespolizei haben diese Waffe bislang nur die Elitekämpfer der GSG 9, die Terroristen jagen und Geiseln befreien sollen. Doch demnächst wird die Stromstoß-Pistole Taser probeweise auch an Beamte ausgegeben, die Alltagsdienst verrichten und zum Beispiel in Zügen sowie an Bahnhöfen patrouillieren. Als Versuchs-Dienststellen dafür sind zwei Bundespolizei-Inspektionen in den größten deutschen Metropolen ausgewählt, in Berlin und in Frankfurt. Und zu ihnen gesellt sich als dritte ausgerechnet die im vergleichsweise beschaulichen Kaiserslautern.
Noch kein Zeitplan
Wie genau die insgesamt etwa 30 Test-Taser auf diese Standorte verteilt werden, muss nach Angaben des Bundesinnenministeriums erst noch festgelegt werden. Offen ist außerdem bislang, wann genau überhaupt die ersten Bundespolizisten mit den Elektroschock-Waffen losziehen. Ein Sprecher sagt: „Der Zeitplan wird noch festgelegt.“ Schließlich müssen die angehenden Stromstoß-Schützen erst einmal mit den neuen Geräten trainieren. Doch wann, wo und wie ausführlich sie das tun werden, sind Fragen, zu denen das Berliner Ministerium nur wenig verraten will.
Ein Sprecher belässt es mit einer Auskunft, die sich eigentlich von selbst versteht: Die Schulung werde den „erforderlichen Umfang haben, um den örtlichen und persönlichen Anforderungen der vorgesehenen Einsatzkräfte gerecht zu werden“. Immerhin geht es nun um Beamte, die mit anderen Voraussetzungen an die Aufgabe herangehen müssen als die GSG-9-Männer. Die werden intern bisweilen als „Trainingsweltmeister“ bespöttelt – weil sie vergleichsweise selten zu Einsätzen ausrücken, aber dafür viel intensiver als ihre Kollegen den Umgang mit ihren Waffen üben.
Das Winterjacken-Problem
Dazu kommt: Während Beamte im Alltagsdienst eher in Zweier-Teams unterwegs sind, rücken Spezialeinheiten wie die GSG 9 von vornherein als größere Truppe an. Und sie haben ein umfangreiches Waffenarsenal dabei. Also können sie vergleichsweise leicht zu anderen Mitteln greifen, wenn ein Taser-Schuss wirkungslos verpufft sein sollte – weil der Schütze sein Ziel verfehlt hat. Oder weil er jemanden stoppen wollte, der zum Beispiel eine Winterjacke anhat. Denn an dickem Stoff können die kleinen Pfeilspitzen abprallen, die über dünne Drähte mit der Waffe verbunden.
Bohren sie sich hingegen tatsächlich in die Haut des Getroffenen, dann lässt ihn ein lähmender Stromstoß sofort zu Boden stürzen. Befürworter der Waffe sagen: Damit kommt zum Beispiel ein Wüterich im Drogenwahn immer noch deutlich besser weg, als wenn ihn Polizisten mit dem Schlagstock zur Räson bringen oder gar mit der herkömmlichen Pistole auf ihn schießen müssen. Weshalb Rheinland-Pfalz schon seit 2017 tut, was nun auch die Bundespolizei probieren will: Es stellt Elektroschock-Waffen auch für den normalen Polizei-Streifendienst zur Verfügung.
Land in der Vorreiterrolle
Bis Ende nächsten Jahres will das Mainzer Innenministerium nach eigenen Angaben daher etwa so viele Stromstoß-Pistolen angeschafft haben, wie es Streifenwagen gibt: ungefähr 400 Stück. Bis 2022 sollen außerdem alle etwa 3400 rheinland-pfälzischen Streifenpolizisten die zweitägige Taser-Ausbildung durchlaufen haben. Absolvieren können sie das Programm unter anderem im Polizei-Trainingszentrum in Enkenbach-Alsenborn (Kreis Kaiserslautern). Bereits abgeschlossen haben es etwa 1500 Polizisten, allerdings müssen sie weiter zu Auffrischungskursen.
Dass Rheinland-Pfalz damit auch im Kreis der Bundesländer eine Vorreiterrolle eingenommen hat, gilt in Sicherheitskreisen als Grund dafür, dass der Bund die Stromstoß-Pistolen nun nicht nur in den Metropolen Berlin und Frankfurt erproben will – sondern auch in der Inspektion Kaiserslautern, zu der Außenposten zum Beispiel im Südpfälzer Bienwald und in Neustadt gehören. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagt: „Insbesondere die Erfahrungen der Landespolizei Rheinland-Pfalz sind maßgeblich in die fachlichen Überlegungen der Bundespolizei eingeflossen.“