Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Stadtgespräch über das Ticket, das die Deutschen bewegt

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Die Fahrpreise für Busse in Kaiserslautern sind zum Jahreswechsel gestiegen. Ebenso wie der Preis fürs Deutschlandticket. Dieses hat schon oft für Diskussionen und das ein oder andere Kuriosum gesorgt. Und viele fragen sich nun: Lohnt es sich noch? Ja. Nicht nur aus einem Grund.

Ach, wie hat das Deutschlandticket die Menschen schon bewegt! Nein, nicht nur physisch die rund 15 Millionen Fahrgäste, die laut Statista zuletzt, also im Dezember 2024, das Ticket bundesweit genutzt haben. Sondern auch geistig. Bei Politikern wie auch Zug- und Autofahrern ist das seit Mai 2023 gültige Ticket immer wieder in der Diskussion.

Ende vergangenen Jahres wurde es (mal wieder) vorm Tod bewahrt, doch die Rettung hat ihren Preis: Das 49-Euro-Ticket kostet nun 58 Euro. Gleichzeitig sind die Preise im Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) und damit in den SWK-Bussen gestiegen. Und auch die Deutsche Bahn verlangt für ihre Zugtickets seit Dezember mehr. Also: Überall mehr zahlen für weniger Leistung? Denn von besserem Service – also pünktlichen oder zumindest fahrenden Zügen – können die ÖPNV-Nutzer nur träumen.

Die Preiserhöhung des Deutschlandtickets löste erneut Debatten aus. Ist es zu teuer? Fragen nach dem Sich-Leisten-Können und Sich-Lohnen kamen auch in Kaiserslautern schon öfter auf. Da die Stadt sich ein vom Seniorenbeirat gefordertes City-Ticket für Senioren mit schmalem Geldbeutel nicht leisten kann, verwies sie im Herbst 2023 an den Altenhilfeverein alt - arm - allein, der Deutschlandtickets bezuschusste. Der fand das jedoch gar nicht lustig. Denn eine große Menge an Unterstützung könne er sich nicht leisten.

Doch dieses Thema erledigte sich für alt - arm - allein eh kurz darauf: Weil die Deutschlandtickets nicht mehr durch ein Foto personalisiert waren, konnte der Verein Missbrauch nicht verhindern – und stellte deren Bezuschussung bedauernd ein.

Studis ziehen jetzt mit Berufstätigen gleich

Auf andere Art benachteiligt sahen sich die Jungen. Durch ein Kuriosum lokaler Art: Studierende in Kaiserslautern konnten zwar ein Deutschland-Upgrade auf ihr Semesterticket kaufen – doch zahlten damit letztlich mehr als 49 Euro, weil ihr Ursprungsticket über das VRN-Gebiet hinaus im Saarland galt. Damit ist nun Schluss: Die Studi-Lücke beim Deutschlandticket wurde im vergangenen Jahr bundesweit geschlossen, und seit Oktober beziehungsweise ab März kommen Lauterer RPTU- beziehungsweise Hochschulstudierende in den Genuss eines vergünstigten Deutschlandtickets. Das wurde auch Zeit: Denn für Berufstätige gibt es das deutschlandweit gültige Jobticket schon seit Beginn.

Weitere Vergünstigungen als Job- und Studiticket gibt es beim Deutschlandticket jedoch nicht. Nur Baden-Württemberg und Bayern bieten Jugendtickets an. Wo bleibt also der soziale Aspekt? Doch genau hier beginnt der Spagat: Der Erfolg des Deutschlandtickets beruht vor allem auf der Einheitlichkeit. Ein Preis für alle für ganz Deutschland. Fertig. „Die Politik will oft zu viele Varianten, nach sozialen Kriterien beispielsweise, oder die Mitnahme weiterer Personen, Fahrräder ermöglichen, oder Übertragbarkeit ...“, meint der Vize-Chef der SWK-Verkehrsbetriebe. „Aber zu viel Schnickschnack macht es kompliziert. Die Leute wollen nicht am Automaten über das beste Ticket rätseln.“

Exakt. Je einfacher das Ticket zu erwerben und zu nutzen ist, desto mehr Leute tun es. So sinkt die Schwelle zum ÖPNV. Sogar eine Preiserhöhung um neun Euro wiegt bei den meisten Nutzern vermutlich weniger stark als es ein unübersichtliches Ticketsystem täte.

Zählt einzig der finanzielle Aspekt?

Aber natürlich steht nun der neue Preis in der Kritik. Es gibt Berechnungen, für wen sich das 58-Euro-Ticket im Vergleich zum 49-Euro-Ticket nicht mehr lohnt. Greenpeace hat beispielsweise errechnet, dass es vor allem für Familien gegenüber einem Auto schlechter abschneidet. Aber der finanzielle Aspekt ist sicher nicht der einzig ausschlaggebende. Auch der Umweltgedanke dürfte bei etlichen eine Rolle spielen.

Sicher, ein 29-Euro-Ticket – wie es nicht nur Greenpeace fordert – wäre schön. Doch: Das muss jemand bezahlen. Und auch die Bundeskasse ist alles andere als prall gefüllt. Vorstellbar wäre eine günstigere Variante für wirtschaftlich schwächer Gestellte, die solidarisch mitfinanziert würde.

Das Argument, dass das Deutschlandticket gar nicht zu weniger Autoverkehr geführt habe, scheint auch widerlegt. Eine Studie des Ariadne-Wissenschaftsverbunds zur Klimaforschung hat sich nicht nur auf Umfragen verlassen, sondern mittels Tracking von Handys das Bewegungsverhalten der Deutschen analysiert. Und kommt zu dem Ergebnis, dass sich durchs Deutschlandticket tatsächlich Verkehr vom Auto auf die Schiene verlagert hat. Bei 7,6 Prozent weniger Autokilometern ist laut der Studie die CO2-Emission um etwa 6,7 Millionen Tonnen und damit rund 4,7 Prozent der gesamten Verkehrsemissionen gesunken. Der Preisanstieg auf 58 Euro würde zu einer Halbierung der bislang durchs Deutschlandticket erzielten Emissionseinsparung führen, lautet deren Prognose. Zwar schade, aber das Deutschlandticket lohnt sich noch immer. Und letztlich für alle.

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