Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Altenhilfeverein völlig überrascht, dass Stadt ohne Absprache an sie wegen Fahrkarten verweisen will

Senioren mit kleiner Rente können sich oft kein Busticket leisten.
Senioren mit kleiner Rente können sich oft kein Busticket leisten.

„Mehr als überrascht und befremdet“ ist der Vereinsvorstand von „alt-arm-allein“ über die Entscheidung des Sozialausschusses, mangels eigener Mittel auf den Altenhilfeverein zu verweisen statt ein Seniorenticket einzuführen.

Nach einer Anfrage des Seniorenbeirats im Stadtrat Ende September, ob die Stadt ein kostenloses City-Ticket für Menschen ab 70 Jahren mit geringer Rente auflegen könne, wurde dieses Thema am Donnerstag schließlich im Sozialausschuss behandelt. Das Gremium stimmte dem Vorschlag der Stadtverwaltung zu, kein Seniorenticket einzuführen, da die Stadt weder Geld noch Personal dafür habe, aber statt dessen Menschen an „alt-arm-allein“ zu verweisen. Seit 1997 gibt es den Verein, der von Marienkirche, Apostelkirche und der RHEINPFALZ getragen wird und dessen Ziel es ist, Bedürftigen direkt und unbürokratisch zu helfen.

Vorgehen der Stadt „höchst befremdlich“

Von dem Vorhaben der Stadt, Bedürftige an sie zu verweisen, erfuhr Werner Stumpf, Vorsitzender des Vereins, erst durch die Berichterstattung der RHEINPFALZ, bestätigt er. „Wir sind mehr als überrascht über die Entscheidung der Politik, mit der Vergabe vergünstigter Seniorenfahrkarten für den ÖPNV ,alt-arm-allein’ zu betrauen“, meint Stumpf. „Dies ist ohne vorherige Absprache erfolgt“, unterstreicht er. „Wir finden es höchst befremdlich, dass niemand im Vorfeld auf uns zugekommen ist. Hier macht es sich die Politik einfach zu leicht.“ Nachdem er von dem Beschluss am Samstag aus der Zeitung erfahren habe, habe er keinen Kontakt zur Stadt oder der Sozialdezernentin Anja Pfeiffer aufgenommen. „Das erwarte ich von der anderen Seite,“ sagt er bestimmt.

Der Altenhilfeverein „alt-arm-allein“ möchte selbst über seine Hilfen entscheiden und ist völlig überrascht ob des Vorstoßes der
Der Altenhilfeverein »alt-arm-allein« möchte selbst über seine Hilfen entscheiden und ist völlig überrascht ob des Vorstoßes der Stadt.

„Es ehrt uns zwar sehr, dass die Politik das Vertrauen dafür in uns hat. Aber wir können nicht Seniorenkarten für die ganze Stadt bezuschussen und ausgeben“, erläutert der Vorsitzende. Der Altenhilfeverein habe knapp zwei Kräfte, die die gesamte Verwaltung des Vereins stemmen, darunter Veranstaltungen organisieren, und sich unter anderem auch um die Bezuschussung des Deutschlandtickets kümmern. Der Verein übernimmt für bedürftige Senioren rund die Hälfte der Kosten des Deutschlandtickets, indem er ihnen einen 25-Euro-Lebensmittelgutschein gibt.

„Das machen wir aber nur situativ, und zwar für von uns betreute bedürftige, alte Menschen aus Stadt und Landkreis“, erklärt Stumpf. „Zum Beispiel, wenn jemand nicht mehr gut laufen kann, viele Arzttermine hat oder in ähnlichen Situationen. Die Person muss das Deutschlandticket selbst beantragen und die regelmäßigen Kosten aushalten, wir geben nach Nachweis dann den Gutschein.“ In solch situativer Hilfe sehe „alt-arm-allein“ auch seine Funktion. „Mehr geht aber nicht, dafür haben wir weder das Personal noch die Mittel“, macht Stumpf klar.

„Das funktioniert nicht!“

Wie viele Menschen auf sie zukommen, wenn die Stadt an den Verein verweist, könne er nicht abschätzen, „aber einen gewissen Run wird es wohl geben“, meint er. Und schließt: „Das funktioniert nicht!“

Entscheidungen, wen und wie „alt-arm-allein“ unterstützt, will der Vorstand weiterhin „autark und nur in der Verantwortung gegenüber den uns finanzierenden Spendern“ treffen, unterstreicht Stumpf. Privat hält er es für fragwürdig, dass die Stadtpolitik zunehmend geneigt scheine, zur Finanzierung über den Haushalt nicht genehmigungsfähiger Ausgaben auf die Mittelausstattung der Stiftung Bürgerhospital zurückzugreifen.

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