Kaiserslautern
So soll es mit dem Bewohnerparken bei FCK-Spielen weitergehen
Zugeparkte Straßen, kein Durchkommen für Anwohner – bei Heimspielen des 1. FC Kaiserslautern herrschten in den Straßen rund um das Fritz-Walter-Stadion zuweilen chaotische Zustände. Nach deutlicher Kritik von Anwohnern und der Bürgerinitiative Betzenberg (BI) hat die Stadtverwaltung zu Beginn der aktuellen Spielzeit bei Heimspielen des FCK testweise eine Bewohnerparkregel auf dem Betzenberg eingeführt. Im Straßenraum darf demnach nur noch parken, wer als Bewohner eine Ausnahmegenehmigung besitzt. 3100 Menschen über 18 Jahren waren im Oktober laut Stadt auf dem Betzenberg gemeldet. Für etwa 630 Fahrzeuge seien Parkgenehmigungen beantragt worden. Die Einführung dieser Regelung habe einige Verbesserungen gebracht, wie Reinhard Schüler, Sprecher der BI, gegenüber der RHEINPFALZ erklärte. Es parkten deutlich weniger Zuschauer in den Straßen rund um das Stadion. Nach seiner Beobachtung funktioniere dadurch auch der Park-and-Ride-Verkehr besser. Der FCK habe seinen Beitrag geleistet, indem der Verein die neue Regelung über all seine Kanäle verbreitet habe, so Schüler, der davon spricht, dass die aktuelle Regelung auf jeden Fall besser sei als die Situation in der vergangenen Saison.
Parkregel führt zu Verdrängungseffekt
Anfang Januar zogen Vertreter der Verwaltung, von Polizei, BI und aus der Politik eine Zwischenbilanz. Das Ergebnis: Die Anwohnerparkregel gilt bis auf Weiteres weiter, wie die Verwaltung mitteilt. Auch wenn das Fazit nicht durchweg positiv ausfällt. Laut Stadtverwaltung hat die Regel für den Betzenberg „den befürchteten Verdrängungseffekt“ verursacht. „Nun ist auch in den umliegenden Wohngebieten, insbesondere im Bereich Lämmchesberg, Adolph-Kolping-Platz, im westlichen Stadtgebiet und der übrigen Innenstadt sowie rund um die Bremer Straße ein verstärktes Parkaufkommen zu verzeichnen“, resümierte Polizeidirektor Ralf Klein vom Polizeipräsidium Westpfalz.
Die BI kritisierte bei dem Treffen laut Schüler gleich mehrere Punkte. Nach wie vor sei es Bewohnern beispielsweise nach Spielschluss zeitweilig nicht möglich, die eigene Wohnung zu erreichen, da die drei Zufahrten des Betzenbergs wegen des Abreiseverkehrs gesperrt werden. „Da könnte man doch wenigstens eine Zufahrt für Anwohner öffnen“, findet Schüler. So könnten auch Rettungskräfte ins Wohngebiet gelangen, ergänzt der BI-Sprecher.
Kein Verständnis hat die BI dafür, dass Anwohner mit eigener Garage oder privater Stellfläche keine Ausnahmegenehmigung erhalten, um während FCK-Spielen an der Straße zu parken. Der Parkdruck habe nachgelassen, es gebe also keinen Grund, warum die Bewohner nicht wie an jedem anderen Tag in der Straße parken sollten, argumentiert Schüler. Die Stadt sieht das anders: Für Bewohner mit Stellplatz oder Garage werde es weiterhin keine Parkberechtigung geben, um den öffentlichen Verkehrsraum zu entlasten. „Diese können ihre privaten Parkmöglichkeiten während der Heimspiele nutzen“, meint Bürgermeister Manfred Schulz. Die Stadt sieht sich in dieser Auffassung durch ein Urteil des Verwaltungsgerichts Neustadt bestätigt, das laut Stadt zum Schluss kommt, es sei rechtens, dort Ausnahmegenehmigungen nur für Bewohner ohne private Parkmöglichkeiten auszustellen.
Besucherregel für kommende Saison geplant
Für Besucher der Bewohner soll es dagegen Lösungen geben. Schüler kritisiert, dass es aktuell unmöglich sei, ein Familienfest oder eine Feier zu planen. Erst wenn die FCK-Spiele Tag genau angesetzt seien, sei klar, wann Besucher im Wohngebiet nicht parken dürfen. Aktuell sehe er bei bis zu 100 erwarteten Parkanträgen pro Spiel und den eingeschränkten Personalkapazitäten der Straßenverkehrsbehörde keinen Spielraum zur Umsetzung einer Lösung, sagte Bürgermeister Schulz: „Hier werden wir nun intern verschiedene, vor allem digitale Möglichkeiten ausloten und nach Lösungsansätzen suchen“, meinte der Bürgermeister, der eine Besucherregelung gerne bis zu Beginn der nächsten Saison umgesetzt sähe.
Der Forderung der BI, den Betzenberg bei FCK-Spielen komplett zu sperren und Durchlasskontrollen für Bewohner einzuführen, erteilt Polizeidirektor Klein eine Absage. „Dies würde durch die Rückstaus zu einem völligen Erliegen des Verkehrs einschließlich des Park-and-Ride-Systems führen“, prognostizierte Klein, der auf die bundesweit einzigartige Lage des Stadions inmitten eines Wohngebiets verweist, „wodurch es nie eine problemlose Verkehrssituation rund um die Heimspiele geben wird“, so der Polizeidirektor.
Flankiert hat die Stadt die Einführung des Bewohnerparkens mit verstärkten Kontrollen. Laut Stadt wurden zu Beginn der Saison zwischen 180 und 200 Verwarnungen pro Spiel ausgesprochen, am Ende der Hinrunde waren es zwischen 120 und 140, so die Verwaltung. Ab November galt das Bewohnerparken je nach Begegnung bereits vier bis fünf Stunden vor den Spielen. Damit konnten die Kontrollen wiederholt und erteilte Verwarngelder von 20 auf 40 Euro erhöht werden, so die Stadt. Diese Ausdehnung wird bei der BI durchaus kritisch gesehen. da Anwohner Autos, für die sie keine Ausnahmegenehmigung erhalten, bereits Stunden vor dem Spiel vom Betzenberg fahren müssten, um keine Verwarnung zu erhalten.
Wie hoch die Einnahmen durch Verwarngelder sind, konnte die Verwaltung ad hoc nicht beziffern, sie reichten aber aus, um die kostenlose Ausstellung der Ausnahmegenehmigungen beibehalten zu können, heißt es. Die Verwaltung habe zwar ausreichend Personal, um den Betzenberg zu kontrollieren, bestätigte sie auf Nachfrage, nicht aber für angrenzende Gebiete, wo der Parkdruck durch den Verdrängungseffekt steigt.
BI wünscht sich mehr Park-and-Ride-Flächen
Wie Christian Ruhland, stellvertretender Direktor des Referates Stadtentwicklung, erläutert, soll ein Verkehrsgutachten vor allem den Park-and-Ride-Verkehr und die Auswirkungen des Verkehrs auf die angrenzenden Wohngebiete rund um die Heimspiele untersuchen. Nach Aufhebung der Haushaltssperre soll es nun beauftragt werden. Stadtwerke Kaiserslautern und FCK haben laut Stadt eine finanzielle Unterstützung in Aussicht gestellt. Mit einfließen sollen auch die Beobachtungen und Erfahrungen der BI.
Die wünscht sich außerdem eine Verbesserung des Park-and-Ride-Verkehrs. „Insbesondere im Westen fehlen Parkplätze“, sagt Schüler. Die BI schlägt daher vor, eine Brachfläche unter einer Stromtrasse entlang der B270 ab der Ausfahrt Siegelbach in Fahrtrichtung Weilerbach zu nutzen. Die Stadt kündigte an, „an der Optimierung des Park-and-Ride-Verkehrs“ zu arbeiten und nach weiteren Parkflächen zu suchen. Die Fläche an der B270 werde aktuell im Detail geprüft.