Kaiserslautern
Neues Leben in Alten Mauern: Das Volksbank-Gebäude prägt die Innenstadt
Über dem Haupteingang steht der Name Volksbank. Am charakteristischen Turm an der Seite zur Fischerstraße hin prangt noch der Name Vereinsbank in goldenen Lettern: Die heutige Volksbank hat im Laufe ihrer Geschichte einige Veränderungen erlebt. 1864 wurde der Vorschussverein Kaiserslautern gegründet – eine genossenschaftliche Selbsthilfe, um Handwerkern, Kaufleuten und Gewerbetreibenden Kredite zu annehmbaren Konditionen zu ermöglichen. Zunächst waren die Räume bei Mitgliedern des Vereins untergebracht – etwa beim Eisenhändler Böcking in der Marktstraße oder der Thiemeschen Druckerei am Schillerplatz. Doch die gute Entwicklung der Bank machte um die Jahrhundertwende eine Vergrößerung der Geschäftsräume nötig. Der Aufsichtsrat stimmte 1901 einem Neubau zu – vor allem, um den nötigen Raum und die entsprechende Sicherheit für die Aufbewahrung der Wertpapiere zu schaffen. Ein geeignetes Grundstück war bald gefunden: das an der Ecke Kanal-/Fischerstraße gelegene Stadtmüllersche Anwesen, welches im Mittelpunkt der Stadt lag und sich für ein Geschäftshaus eignete. Es wurde für 33.000 Mark gekauft.
Baukosten: rund 150.000 Mark
Bei einem Architekten-Wettbewerb wurde Adam Roos ausgewählt. Roos hat in Kaiserslautern unter anderem den Konzertsaal der Brauerei Marhoffer am St. Martinsplatz, den Festsaal für den Turnverein Auf dem Sess und die Villa Glaeser an der Eselsfürth gebaut. Die Bauarbeiten für das Bankgebäude begannen im Oktober 1901. Probleme gab es mit den Fundamenten wegen des hohen Stands des Grundwassers und der Bodenverhältnisse im oberen Tal der Lauter am Rand des ehemaligen Stadtwoogs. Trotzdem konnten die Arbeiten bis zum Ende des Jahres fertiggestellt werden. Die Grundsteinlegung fand am 22. März 1902 statt. Bereits zum Ende jenes Jahres war das Gebäude weitgehend fertig. Am 14. Januar 1903 konnte es bezogen werden. Unvorstellbar in heutiger Zeit, dass der Bau dieses aufwendigen Bankhauses trotz der schwierigen Gründungsverhältnisse weniger als 20 Monate dauerte. Die Gesamtkosten lagen bei rund 150.000 Mark.
Die einzelnen Gewerke des Sandsteinquaderbaus mit Granitsockel, der in der Gründerzeit unter dem Einfluss des Jugendstils entstand, hatte der Vorschussverein an Handwerker aus Kaiserslautern vergeben, die auch Mitglieder des Vereins waren. Nur Arbeiten, die in Kaiserslautern nicht ausgeführt werden konnten, wurden bei auswärtigen Firmen in Auftrag gegeben. Den reichen Skulpturenschmuck an dem teils mit gelbem Sandstein, teils mit Klinkern verblendeten Obergeschoss hat der Kaiserslauterer Bildhauer Adolf Bernd geschaffen.
Wohnung über der Bank
Übrigens diente anfangs nur das Erdgeschoss als Bank. Das Obergeschoss war als repräsentative Wohnung für ein Vorstandsmitglied ausgebaut. Im Mansardengeschoss gab es weitere Wohnräume – unter anderem für den Vereinsdiener. Im Erdgeschoss befand sich außer dem Kassenbereich und Büroräumen eine feuer- und einbruchsichere, mit den neuesten Errungenschaften der Technik ausgestattete Stahlkammer, in der Bargeld und Wertpapiere aufbewahrt wurden. Boden und Decke bestanden aus 80 Zentimeter dickem Beton, die Wände waren mit Stahlpanzerplatten versehen. Für die wichtigsten Geschäftsunterlagen gab es ein Büchergewölbe. Auch die Registratur war in besonders feuersicheren Räumen untergebracht.
Zwar war der Vorstand der Meinung, dass das neue Bankgebäude auf Jahrzehnte hinaus den Bedürfnissen des Vorschussvereins genügen würde, doch gab es bereits 1921/22 einen ersten Umbau durch die Architekten Adam Roos und Josef Müller – dann 1938 einen durch Architekt Paul Klostermann und 1958/59 eine weitere grundlegende Renovierung durch Architekt Friedrich W. Schmitt.
Äußere Form bleibt erhalten
Seit 1961 firmiert die Bank unter dem Namen Volksbank. Zu Beginn der 1980er-Jahre reichten die Räumlichkeiten in dem historischen Gebäude nicht mehr aus für die gestiegenen Anforderungen. Vor allem mussten die Büroflächen vergrößert und die Kundenhalle erweitert werden. Einige Jahre zuvor war bereits die Zinkblecheindeckung der Kuppel erneuert worden. Außerdem mussten an der Fassade umfangreiche Ausbesserungsarbeiten vorgenommen werden.
Klar war, dass die äußere Form des historischen Gebäudes erhalten und der geplante Erweiterungsbau dessen Form angepasst werden musste – zumal das Gebäude seit 1981 als Kulturdenkmal unter Schutz steht. Architekt Werner Heyl wurde mit der Planung eines Erweiterungsbaus und dem Umbau des Altbaus beauftragt. 1983 begannen die Arbeiten, bei denen sich der Untergrund erneut als wenig tragfähig erwies. Für das Fundament des neuen Gebäudes mussten 41 Betonpfähle errichtet werden, die bis in eine Tiefe von 14 Meter hinabreichen.
Richtfest im Juli 1984
Kennzeichen des Neubaus ist ein freistehender Treppenturm, mit dem der Architekt nicht nur den prägnanten Turm auf der Vorderseite des Altbaus wieder aufgenommen hat. Er wurde auch für einen behindertengerechten Eingang genutzt.
Im Juli 1984 war Richtfest gefeiert worden, im Februar 1985 wurde der Schalterbetrieb im Erweiterungsbau eröffnet, wo auch eine neue Tresoranlage geschaffen wurde. Bei der anschließenden Sanierung und Modernisierung des alten Gebäudes wurde übrigens der Grundstein von 1902 gefunden und ausgestellt. Im September 1986 konnte schließlich die Fertigstellung des erweiterten Bankgebäudes gefeiert werden. Zuvor waren in den Außenanlagen zu den beiden alten Eichen noch neun Platanen gepflanzt worden.
Kuppel als Orientierungspunkt
Heute arbeiten bei der Volksbank in der Kanalstraße 55 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf rund 1800 Quadratmeter Fläche. Während der Corona-Zeit wurden die Räume im zweiten Stockwerk neu gestaltet. Vorstand Alexander Kostal erinnert sich, dass zuvor dort noch 80er-Jahre-Flair geherrscht habe. Um zu zeigen, wie eine moderne Bank heute ausschauen könne, habe man auch eine Innenarchitektin beauftragt. Zum neuen Erscheinungsbild gebe es viele positive Rückmeldungen von Kunden und Geschäftspartnern. Beispielsweise wurde im Turm die Rundung aufgenommen. An einem runden Tisch und unter Designerleuchten finden dort die Aufsichtsratssitzungen statt. Die Wände schmücken Bilder des bekannten Kaiserslauterer Naturfotografen Guerel Sahin, dessen Agentur auch die Kaiserslauterer Kampagne zum 750. Stadtjubiläum gestaltet hat. Auf dem Boden sorgt Tigereiche für besondere Akzente, Moos an der Wand für ein gesundes Raumklima. Alt- und Neubau sind durch Stufen verbunden. Auch die Schalterhalle im Erdgeschoss wurde verschönert.
Dass die Volksbank in solch einem alten Gebäude residiert, sei Segen und Fluch zugleich, sagt Vorstand Kostal. Die Sichtweise auf Kreditinstitute habe sich geändert. Junge Leute würden das Gebäude oft als Museum ansehen und assoziierten es nicht mit einer Bank. Von der Kuppel vorne an der Ecke Kanal- und Fischerstraße aus betrachtet, mute das Gebäude sehr schmal an, dahinter erstrecke sich aber ein großes Gelände. Die Kuppel sei ein Orientierungspunkt in der Innenstadt – besonders wenn sie angestrahlt ist. Beleuchtet ist sie zurzeit nicht, das soll aber wieder geschehen. Auch in dieser Frage sei der Denkmalschutz eine Herausforderung, betont Kostal.
Die Serie
Es gibt sie noch, die schönen alten Häuser in Kaiserslautern. Sie haben nicht nur teils mehrere Kriege überstanden, sondern werden auch heute noch genutzt – sei es als Wohnhäuser oder öffentlich zugängliche Gebäude. Wir haben uns die Türen öffnen lassen und werfen mit der Serie „Neues Leben in alten Mauern“ einen Blick in eine verwunschene, zum Teil geheimnisvolle Welt.