Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Kaiserslautern zeigt historische Stadtszenen: XXL-Fotowände zum Jubiläum

Immer wieder bleiben Passanten stehen und betrachten die Fotowände ganz genau - hier die auf dem Schillerplatz.
Immer wieder bleiben Passanten stehen und betrachten die Fotowände ganz genau - hier die auf dem Schillerplatz.

Sie drei Meter breit und laden zum Sinnieren ein: historische Stadtszenen, die zum 750. Stadtgeburtstag in der Innenstadt von Kaiserslautern aufgestellt wurden.

Die Aktion „Kaiserslautern – gestern und heute“ wurde vom Stadtmuseum, dessen Förderkreis und der Volkshochschule Kaiserslautern initiiert und von der Firma Götz Werbung aus Erfenbach umgesetzt. Die Idee stammt von Michael Staudt, dem Vorsitzenden des Förderkreises. Der Direktor der Volkshochschule berichtet, er habe an früheren Stationen in St. Ingbert und Zweibrücken ähnliche Projekte gestartet. Für das Stadtjubiläum habe er schnell Mitstreiter gefunden: Stadtarchivleiter Bernd Klesmann und sein Mitarbeiter Martin Klemenz wählten typische und aussagekräftige Fotografien von vor mehr als 100 Jahren aus.

Die historischen Aufnahmen wurden von Götz auf drei mal zwei Meter große Alubond-Platten aufgezogen. Die Schwarz-Weiß-Fotos sind so bearbeitet, dass jedes Detail gestochen scharf erkennbar ist. Verankert sind die Tafeln in massiven Halterungen wie bei Straßenschildern, verkleidet im roten Design des Stadtjubiläums.

Jeder Kohlkopf ist erkennbar

Drei Fotowände stehen bereits: auf dem Stiftsplatz, dem Schillerplatz und in der Burgstraße. Sie wurden so platziert, dass der Blickwinkel dem der ursprünglichen Aufnahme entspricht. Auf dem Stiftsplatz zeigt eine Aufnahme von 1903 eine Marktszene: Fuhrwerke im Hintergrund, jeder Kohlkopf erkennbar, Kleidung und Frisuren im Detail. Marktstände bestanden damals teils aus einem Tuch auf dem Boden. Links ist die Martinskirche zu sehen, rechts die Kuppel der Vereinsbank, die erst ein Jahr zuvor fertig war und heute die Volksbank beherbergt.

„Die Marktszene hängt normalerweise im Stadtmuseum. Dass sie nun auf dem Stiftsplatz zu sehen ist, kommt sehr gut an“, sagt Michael Staudt. Auch während unseres Besuchs bleiben immer wieder Passanten stehen – nicht nur ältere. Auf der Rückseite jeder Tafel informiert ein QR-Code über Foto und Projekt.

Zeigt den Auftritt eines Seiltänzers auf dem Schillerplatz im Jahr 1908: die Fotowand, die dort aufgestellt wurde.
Zeigt den Auftritt eines Seiltänzers auf dem Schillerplatz im Jahr 1908: die Fotowand, die dort aufgestellt wurde.

Auf dem Schillerplatz trat Ende Juni 1908 der Seiltänzer Jean Inauen auf. Das Foto stammt von Johann Friedrich Hartmann, seines Zeichens „königlich bayerischer Hofphotograph“, offenbar von erhöhter Position aufgenommen. Hartmann dokumentierte zahlreiche Stadtszenen und übernahm später das Union-Theater. Viele Bürgerinnen und Bürger verfolgten den Auftritt, der Seilkünstler ist in der Bildmitte über der Bühne zu erkennen. Der Blick schweift zur Fruchthalle; aus Fenstern im Obergeschoss verfolgten Neugierige das Geschehen. Nicht mehr vorhanden ist die hinter der Fruchthalle liegende Kunsthandlung von Julius Steinmann. Im Eckhaus zur Fruchthallstraße befand sich damals der „Kinematograph“ von Josef Hatzmann. Zahlreiche Damen hatten sich herausgeputzt, einige schützten sich mit Sonnenschirmen. Auch hier bleibt kaum jemand, ohne Blick auf das Bild vorbeizugehen.

Weitere Tafeln sollen noch folgen

Die dritte Tafel zeigt ein vielen älteren Lauterern vertrautes Gebäude: das neue Bezirksamt, seit 1916 an der Ecke Burgstraße/Maxstraße. Es ist besonders wegen des Unglücks vom 14. November 1956 im Gedächtnis: Ein amerikanischer Düsenjäger stürzte in das Gebäude, der Pilot und drei weitere Menschen starben. Ein Jahr später wurden die Reste abgerissen.

Auf dem Stiftsplatz steht eine Fotowand mit einer Marktszene aus dem Jahr 1903.
Auf dem Stiftsplatz steht eine Fotowand mit einer Marktszene aus dem Jahr 1903.

Auf der historischen Aufnahme von 1916 erscheint das stattliche Haus – ein Vorgänger der Kreisverwaltung – brandneu. Dahinter steht die „Höhere Weibliche Bildungsanstalt“ mit kleinem Uhrtürmchen. Die Schule wurde im Zweiten Weltkrieg teilweise zerstört, wieder aufgebaut und heißt seit dem Jahr 2000 Burggymnasium.

Weitere Tafeln folgen. Eine zeigt die Brauerei Jaenisch, die dort stand, wo sich heute das St.-Franziskus-Gymnasium und die Realschule befinden. Vom früheren Gebäude ist nichts geblieben; Orientierung bietet der freie Blick auf die Apostelkirche im Hintergrund. Eine besondere Preziose ist die Fotografie einer neunköpfigen Radlergruppe samt Kleinkind im Körbchen: die Familie Pfaff auf Ausflug mit ihren Fahrrädern. Diese Tafel soll auf dem Martinsplatz stehen. Geplant ist, einzelne Köpfe freizustellen, damit Passanten ihre Köpfe hindurchstecken und originelle Fotos machen können, erläutert Staudt.

Zusätzlich zu den zunächst fünf geplanten Tafeln entsteht eine weitere mit einer historischen Kerwe-Szene. Angeregt hat sie Alexander Heß, Koordinator der städtischen Jubiläumsveranstaltungen. Sie soll während der Mai- und Oktoberkerwe auf dem Messeplatz aufgestellt werden.

Mit der mindestens 12.000 Euro teuren Aktion wollen Stadtmuseum und Förderkreis zeigen, wie wichtig Erinnerungen sind und dass sie in Museen bewahrt werden. Zudem möchte der Förderkreis die nächste Generation gewinnen, betont Staudt. Der Verein wurde vor 50 Jahren gegründet und zählt derzeit 120 Mitglieder. Was sich mit einem Jahresbeitrag von 30 Euro bewegen lässt, zeigt nicht nur die aktuelle Jubiläumsaktion: 2023 wurde mit Hilfe von Sponsoren eine umfangreiche Privatsammlung zur Firma Pfaff erworben, die nun im Wadgasserhof zu sehen ist. „Wenn uns das nicht gelungen wäre, wären die Exponate in alle Welt verstreut worden“, sagt Staudt.

Info

Die Fotowände der Aktion „Kaiserslautern – gestern und heute“ bleiben bis Oktober an ihren Standorten in der Stadt. Danach erhalten sie einen dauerhaften Platz im Stadtmuseum in der Steinstraße.

Die Serie

Seit 750 Jahren darf sich Kaiserslautern ganz offiziell Stadt nennen. Das wird das ganze Jahr über groß gefeiert. Wir berichten über die Geschichte, Hintergründe und Veranstaltungen, aber auch über die Menschen, die Kaiserslautern und das Jubiläumsjahr prägen.

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