Kaiserslautern
Kaiserslauterer Lokal St. Martin und Kultkneipe Simpel öffnen wieder (mit Bildergalerie)
Er hat die Ruhe weg. Pappkartons stehen auf den Bänken, Kabel von Arbeitsgeräten ziehen sich über den Boden, eine Abdeckplane verhüllt gestapelte Tische. Mehmet Dalgali, der Herr über die Noch-Baustelle, steht mittendrin. Noch vier Stunden, dann kommen die geladenen Gäste ins St. Martin. „Wir haben hier gerade Staub gewischt“, sagt er am Donnerstagmittag fast entschuldigend und zeigt auf die Glasregale hinterm Tresen. Noch ist nichts eingeräumt. Noch sind ja vier Stunden Zeit.
In den vergangenen Tagen, Wochen, Monaten herrschte geschäftiges Treiben auf dem Martinsplatz und im Gebäude dahinter. Die Gaststätte St. Martin und die Kultkneipe Simpel, die Ende November 2025 nach dem Betreiberwechsel geschlossen wurden, sollten gründlich auf Vordermann gebracht werden, hatte sich Dalgali vorgenommen. „Wenn schon, dann richtig“, lautete seine Devise.
Er hat die beiden Lokale Ende letzten Jahres übernommen, nachdem die Vorgänger-Pächter zum 1. September Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt hatten. Aus den fünf Bewerbern ging Dalgali beim Insolvenzverwalter Paul Wieschemann und den Hauseigentümern, der Erbengemeinschaft Goebel, als Sieger hervor.
Der erfahrene Gastronom Dalgali hat sich einen Kompagnon dazu geholt
Doch der erfahrene Gastronom, der mehrere Lokale in Kaiserslautern betreibt – den Pflaumen-Baum, jetzt Puls, den Luther Musik-Club, The Harp und das Schiller Café Wein –, führt die Geschäfte am Martinsplatz nicht alleine. Er hat sich Raif Skrijelj als Kompagnon mit ins Boot geholt. „Wir haben zusammen eine Firma gegründet, sind beide Geschäftsführer“, erzählt Skrijelj. Seinen Job als angestellter Finanzdienstleister will er in Teilzeit weiterführen, vorerst. „Wir kennen uns seit 20 Jahren und wollten seit längerem was zusammen aufmachen. Hier hat sich jetzt die Chance ergeben.“
Während Skrijelj dies am Montag erzählt, springt ein Handwerker zur Tür herein. „Boah, was macht ihr für einen Lärm!“, kommentiert er scherzend die Kakophonie aus Hämmern, Bohren, Sägen im Schankraum. Wie Ameisen flitzen die Arbeiter aneinander vorbei, jeder hat in dem Durcheinander seinen Platz. „Mehmet!“, schallt es von der Theke herüber. „Die Kaffeemaschine hier oder etwas weiter nach vorn?“
Eigentlich wollten die beiden im März, April öffnen. Doch dafür fehlte ihnen die nötige Energie: „Die Kilowattleistung für die Küche hat nicht ausgereicht“, erklärt Dalgali. „Deswegen mussten die Stadtwerke vom Verteiler mehr Leistung ins Haus legen.“ Und bevor die Elektroarbeiten im Gebäude fertig waren, konnten viele der Arbeiten nicht vorangehen. Die Vorgänger hatten noch Gas, die jetzigen Betreiber haben ganz auf Strom umgestellt. „Und wir haben mehr vor: Wir werden viel grillen, braten, Flammkuchen machen …“, zählt Dalgali auf.
Fünf Firmen und die SWK waren am Martinsplatz beschäftigt
Die Stadtwerke und die Elektrofirma hätten gut zusammengearbeitet, lobt er. Insgesamt fünf Firmen – neben den SWK – haben Dalgali und Skrijelj fürs Flottmachen der beiden Lokale beauftragt: „Eine Elektrofirma, einen Schreiner, einen für Küchenbau, zwei Malerfirmen.“
Der Gastraum des St. Martin wurde mit einem Kachelofen, neuen Holzplatten auf Tresen und Tischen sowie edleren Polsterungen der Sitzbänke aufgehübscht. „Die Bierleitungen sind neu“, deutet Dalgali hinter den Tresen. „Ebenso haben wir die Elektro- und Wasserinstallation komplett neu gemacht. Es gab keine Pläne, welche Leitung was versorgt.“
Auch die Küche blitzt in frischem Edelstahl. Statt mit Kacheln sind die Wände „mit einer fettabweisenden Hygieneoberfläche ausgestattet, so kann sich nichts in Fugen absetzen“, erläutert Skrijelj. In vier Kühlhäusern, davon ein Tiefkühlhaus, werden Lebensmittel in unterschiedlichen Temperaturen gelagert.
Das Simpel behält das Urige, aber es gibt auch eine Neuerung
Im Simpel strahlt nichts in sterilem Stahl, „der urige Charakter soll bleiben“. Die rote Wand, in der sich Generationen von Studentengenerationen verewigt haben, wurde bewusst als „Erinnerung an alte Simpel-Zeiten gelassen“. Den Retro-Look komplettieren alte LPs an den Wänden, von Billie Holliday über David Bowie bis Michael Jackson, den Gang zu den Toiletten verfolgen Oasis, Nirvana und Star Wars von den Wänden aus.
Aber es gibt auch eine Neuerung: Der Zwischenraum zum Simpel, der früher Raucherraum des St. Martin war, wurde dem Simpel zugeordnet. „Zum Tischkicker und Dart gesellt sich eine Sitzcouch“, freut sich Skrijelj.
Die Investitionen in Höhe einer „größeren sechsstelligen Summe“, wie Dalgali verrät, gehen aber nicht allein aufs Konto der Pächter. „Die Hauseigentümer zahlen alles, was das Gebäude und die Konzession betrifft, wie die erneuerte Elektro- und Wasser-Installation.“ Für alles Zusätzliche sind die Pächter verantwortlich.
Das Mitarbeiterteam – rund 15 fürs St. Martin und zehn fürs Simpel inklusive Aushilfen, überschlägt Dalgali – „ist ganz neu“, von den vorherigen sei niemand mehr dabei. „Die Köchin hat sich ihr Team selbst zusammengestellt.“ Sie bietet „pfälzische Küche von hoher Qualität, wie Schnitzel, Rumpsteak, Bratkartoffeln und auch Vegetarisches“, kündigt der Betreiber an. Nach dem Mittagstisch wird eine kleine Nachmittagskarte die Pause bis zur regulären Abendkarte füllen, „zum Beispiel mit Kaiserschmarrn“, und wer spät am Abend Hunger hat, bekommt noch einige Snacks.
Ab Freitag, 12. Juni, ist regulär geöffnet. „Am Montag haben wir Ruhetag, an den anderen Tagen werden wir um 11 Uhr öffnen“ – bis wie viel Uhr, müsse sich noch einspielen. Bei gutem Wetter wird die Außengastronomie bis 24 Uhr bereit stehen, kündigt Dalgali an. Und am Samstag, 13. Juni, ist das St. Martin von 11 bis 17 Uhr Ort des wöchentlichen Apéro-Treffs zum Stadtjubiläum, freut er sich schon darauf.