Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Insolvenzverfahren eröffnet: Drohen dem St. Martin und Simpel das Aus?

Die Gaststätte St. Martin und die Kneipe Simpel um die Ecke sind beliebte Ziele nicht nur der Lauterer.
Die Gaststätte St. Martin und die Kneipe Simpel um die Ecke sind beliebte Ziele nicht nur der Lauterer.

Die Lokale St. Martin und Simpel haben finanzielle Probleme. Ein Insolvenzverwalter versucht, den Betrieb zu sanieren und räumt Gerüchte aus dem Weg. Der Betrieb geht weiter.

Nicht nur im Sommer sind die Plätze vor dem Springbrunnen auf dem Martinsplatz in Kaiserslautern gut besucht. In der Kult-Kneipe um die Ecke ist auch immer etwas los. Hier – so scheint es – läuft es. Umso überraschender kommt die Nachricht, dass der Gaststätte St. Martin und dem Simpel die Insolvenz drohen. Nun geht es darum, beide so umzustrukturieren, dass der Betrieb wieder wirtschaftlich wird.

Geführt werden die Lokale von der Algaka Gaststättenbetriebs-GmbH. Deren Gesellschafter sind Reinhold Mäder zu 80 Prozent, der die Geschäfte führt, sowie der mit 20 Prozent beteiligte Markus Schäffner, der Mann an der Front.

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Insolvenzverfahren, aber mit „Sanierungsauftrag“

„Zum 1. September haben sie Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt“, bestätigt Paul Wieschemann, der als Insolvenzverwalter eingesetzt ist. Allerdings nicht, um die Betriebe abzuwickeln, sondern „mit Sanierungsauftrag“. Deshalb „wird die Gastronomie fortgeführt“, sagt Wieschemann. Die Gäste merken also vorerst nichts von dem Prozess, der im Hintergrund läuft.

Der Betrieb geht weiter, ungeachtet des Insolvenzverfahrens.
Der Betrieb geht weiter, ungeachtet des Insolvenzverfahrens.

Gespräche mit den Hauptgläubigern und dem Vermieter habe er bereits geführt, „und das Bestreben aller ist, dass die Lokale weiterbetrieben werden“. Von wem, ist noch unklar. Möglich sei, dass die Algaka GmbH bestehen bleibt und die Geschäfte weiterführt. Wahrscheinlicher sei jedoch eine Übernahme, lautet Wieschemanns Einschätzung.

Die Löhne sind vorerst gesichert

„Die Löhne der Angestellten sind für August, September und Oktober bereits gesichert, über das Insolvenzgeld“, beruhigt Wieschemann. 60 Personen seien insgesamt in den beiden Lokalen tätig, „hauptsächlich Aushilfen, aber auch 16 Festangestellte“. Das St. Martin verfügt laut eigenen Angaben über 70 Plätze innen und bis zu 240 in der Außenbestuhlung.

Zu den Gründen der finanziellen Schieflage könne Wieschemann noch nichts sagen, „die liegen wohl in der Struktur; denn die Auslastung ist eigentlich in Ordnung“. Auf den ersten Blick fällt auf, dass das St. Martin eine sehr große Karte und sehr lange Öffnungszeiten mit durchgehend warmer Küche hat. Die Gaststätte ist von 11 Uhr bis Mitternacht, am Wochenende bis 2 Uhr geöffnet, Küche gibt es von 11.30 bis 22 beziehungsweise 23 Uhr.

Betrieb läuft erstmal normal weiter

Aufgabe des Insolvenzverwalters ist es, sich die Strukturen genau anzuschauen und zu überlegen, wie sie „effizienter gestaltet werden können“. Fragen wie, „stimmt der Einkauf? Stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis?“, müssten beantwortet werden. An der Qualität des Essens sieht er nichts auszusetzen. „Die soll so bleiben oder noch verbessert werden“, lautet sein Anspruch.

Im Sommer sind die Tische auf dem Martinsplatz heiß begehrt.
Im Sommer sind die Tische auf dem Martinsplatz heiß begehrt.

Auf jeden Fall laufe der Betrieb trotz des vorläufigen Insolvenzverfahrens weiter, betont er. In welcher Form und von wem er letztlich fortgeführt werde, könne er derzeit jedoch noch nicht sagen, „dazu ist es viel zu früh!“. Da die Lokale eine Top-Lage haben und gut besucht sind, „gibt es bereits Interessenten, die an mich herangetreten sind“, verrät er. Dass eine Versteigerung geplant sei, stimme jedoch nicht, wischt er Gerüchte beiseite, die bereits aufgekommen sind.

Die Betreiber wollen momentan nichts sagen

Vermieter des gesamten Gebäudes mit beiden Lokalen ist die Erbengemeinschaft Goebel. „Die Betreiber hatten schon länger Probleme mit der Mietzahlung“, sagt Fritz Goebel. Seit 2022 werde „daran gestottert, wir haben immer wieder nachgegeben“, schildert er die Situation. „Andere Gastronomen bezeichnen die Miete als moderat. Wir haben sie 20 Jahre lang nicht erhöht. Erst vor fünf, sechs Jahren haben wir dann eine Anhebung wegen der Inflation vorgenommen.“ An den Mietkosten jedenfalls liege es aus seiner Perspektive nicht, dass die Algaka GmbH in solche finanziellen Schwierigkeiten geraten ist, meint er.

Bei der Lage fürchtet Goebel einen Leerstand nicht, „aber auszuschließen ist er auch nicht“. Auf jeden Fall habe auch die Erbengemeinschaft das Ziel, dass das St. Martin und das Simpel weiterbestehen, versichert er.

Markus Schäffner, der am Donnerstagabend im St. Martin hinter der Theke steht, wolle „vorerst nichts sagen“, erwidert er auf RHEINPFALZ-Frage. Vor einer öffentlichen Äußerung wollen sein Kompagnon und er sich mit Wieschemann abstimmen, bittet er um Verständnis. Zu einem späteren Zeitpunkt schließe er eine Stellungnahme jedoch nicht aus.

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