Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Hochschule: Laborgebäude soll im März 2024 fertig sein

Die markante Fassade der früheren Kammgarn-Lagerhalle ist erhalten geblieben, dahinter erstreckt sich der moderne Hochschul-Neub
Die markante Fassade der früheren Kammgarn-Lagerhalle ist erhalten geblieben, dahinter erstreckt sich der moderne Hochschul-Neubau.

Es ist das letzte fehlende Puzzleteil auf dem Hochschul-Campus in der Schoenstraße: das Labor- und Werkstättengebäude. Im Inneren stehen die letzten Arbeiten an. Denn in wenigen Monaten soll es fertig sein – deutlich später und teurer als geplant.

Eigentlich, so sah es der Plan 2020 beim Richtfest vor, hätten Maschinenbauer, Elektro-Ingenieure, angehende Verfahrens- und Anlagentechniker und Chemiker schon längst in Gebäude H einziehen und forschen sollen. Die Fertigstellung war für Herbst 2022 geplant. Doch der Bauzaun steht noch, außen wird gewerkelt und im Inneren wird gehämmert und gestrichen. Ende März 2024, erklärt Norbert Höbel, Leiter der Kaiserslauterer Niederlassung des Landesbetriebs Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB), soll der Bau nun fertig werden.

„Der Bau und auch wir haben wirklich alles mitgemacht, was man mitmachen kann“, sagt er. Erst kam die Corona-Pandemie – ausländische Arbeiter konnten teilweise nicht einreisen –, dann der Krieg in der Ukraine, der Lieferkettenengpässe auslöste. Dringend benötigte Teile fehlten, verschiedene aufeinander angewiesene Gewerke seien zeitweise lahmgelegt gewesen, Handwerksbetriebe seien abgesprungen, weil sie auf einer nächsten Baustelle gebraucht wurden. In der jetzigen, späten Bauphase, sei es extrem schwierig, für die Objektüberwachung und -betreuung Planungsbüros zu finden. „Vieles davon leisten unsere Ingenieure deshalb jetzt selbst“, ergänzt er.

Vandalismus war immer wieder Thema

Das Labor- und Werkstättengebäude der Hochschule verbindet die alte Sandsteinfassade des früheren Kammgarn-Lagers und der Zwirnerei mit einem modernen Bau, an dem viele Glaselemente zur Außengestaltung verwendet wurden. Die denkmalgeschützte Fassade ist bis auf wenige kleine Ausbesserungsarbeiten bereits fertig, erklärt Projektleiter Michael Sprengart. Allein die Restaurierung und der Erhalt hätten etwa 2 Millionen Euro gekostet. Hinter der Fassade erstreckt sich das Treppenhaus. In die großen Durchgänge der Steinwand werden Gittertüren eingebaut. „Was dann passiert, wenn der Bauzaun weg ist, müssen wir abwarten“, sagt Sprengart. Vandalismus sei an den ehemaligen Industriehallen schon früher ein Thema gewesen. Die beiden LBB-Verantwortlichen hoffen, dass dies nicht so bleibt.

Insgesamt, das gelte auch für den Innenausbau, habe das Gebäude „Industriecharakter“, erklärt Höbel. Die Wände sind schlicht belassen, Betonelemente sind sichtbar. Auf der Baustelle ist es staubig, am Boden ziehen sich hier und da dicke Kabelstränge durch die einzelnen Räume, einigen Wänden fehlt noch Farbe, Bodenbeläge müssen hier und da noch verlegt werden. Doch an vielen Stellen sind die Rohre, Schächte und Leitungen schon hinter der Wandverkleidung verborgen, Steckdosen und Steuerungselemente für Geräte bereits eingebaut, ihre Leitungssysteme verlegt. Ende Juli solle mit der Feinreinigung der Räume begonnen werden.

Wie wirkt sich der Hackerangriff auf die Baustelle aus?

Sprengart öffnet eine Tür zu einer großen und viele Meter hohen Halle – das künftige Hochspannungslabor der Hochschule Kaiserslautern. Einige der Großgeräte sind bereits geliefert, darunter das Hochspannungslabor für 1,8 Millionen Euro, der Motoren- und Rollenprüfstand für 2,6 Millionen, ein Shakerfundament, ein reflexionsarmer Raum für verschiedene Schallmessungen. Ein Pumpenprüfstand und ein Windkanal (2 Millionen Euro) werden aktuell noch eingebaut.

In den kommenden Tagen soll laut Sprengart ein Metall-3D-Drucker der Hochschule eingebaut werden, doch wie bei der Gebäudeleittechnik und der -automation gilt: Der Drucker benötigt eine Verbindung zum Hochschulnetzwerk. Das steht aber durch den Hackerangriff aktuell nicht zur Verfügung, erklären die beiden LBB-Mitarbeiter. „Wir müssen abwarten, inwieweit uns das beeinflusst und zurückwirft“, sagt Sprengart.

„Das Hauptthema für die nächsten Wochen sind Kabelzug und Gebäudeautomation“, gibt Sprengart einen Ausblick. Doch bei letzterem sei man aktuell noch nicht so gut vorangekommen wie gewollt, weil auch da die Verbindung zum Netzwerk fehlt. 30 Elektriker arbeiteten zurzeit auf der Baustelle, „wir bräuchten aber mindestens 60“, meint Höbel. Doch man finde keine.

Fast 80 Millionen Gesamtkosten

Das Labor- und Werkstättengebäude erstreckt sich über eine Länge von insgesamt etwa 120 Metern, besteht aus vier miteinander verbundenen Querriegeln. Über 400 Räume schätzt Sprengart gebe es darin, „vom Einmannbüro bis zur mehrstöckigen Halle“, so Höbel. Auf dem Dach, das noch begrünt werden soll, um möglichst viel Regenwasser zu speichern, ist eine Photovoltaik-Anlage installiert. Außerdem sieht das Energiekonzept als Unterstützung zum Heizen und Kühlen eine Betonkernaktivierung vor. Dabei werden Rohrleitungen in Deckenplatten verlegt, „es ist im Grunde wie eine Fußbodenheizung“, sagt Sprengart. Ansonsten wird mit statischen Heizflächen wie Deckenstrahlplatten gearbeitet. Außerdem verfügt das Gebäude über eine Zu- und Abluftanlage mit Wärmerückgewinnung sowie über einen außenliegenden Sonnenschutz mit Tageslichtsteuerung. Eine Wärmepumpe wird zudem installiert. Die Nachtentlüftung ist über mehrere selbstgesteuerte Dachfenster möglich. Die Fenster im zweiten Obergeschoss sind auf der Süd-, Ost- und Westseite mit einer Sonnenschutzverglasung ausgestattet, im Erdgeschoss und dem ersten Stock wurde eine Wärmeschutzverglasung verbaut, genauso wie auf der Nordseite. Darüber kann ein Großteil der Wärmestrahlen wieder in den Raum zurückreflektiert werden.

Durch die verzögerte Fertigstellung haben sich auch die Gesamtkosten erhöht, erläutert Höbel. Wurde 2020 noch mit Kosten in Höhe von etwa 63 Millionen Euro kalkuliert, beliefen sich die Gesamtkosten – also die Baukosten inklusive aller Planungskosten – nun auf 79,5 Millionen Euro.

Der Neubau ist in seiner Gestaltung an die umliegenden Bauten der Hochschule angepasst.
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Das Dach des Laborgebäudes soll noch begrünt werden und ist mit Solarzellen ausgerüstet.
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Das neue Hochspannungslabor der Hochschule.
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