Interview RHEINPFALZ Plus Artikel „Grüner Wasserstoff ist aus meiner Sicht einfach ein großer Irrtum“

Für Kaiserslautern wird nach Lösungen gesucht, wie künftig die Häuser energieeffizient beheizt werden können.
Für Kaiserslautern wird nach Lösungen gesucht, wie künftig die Häuser energieeffizient beheizt werden können.

Was macht eine Wärmepumpe so effizient? Wo kann Energie insgesamt gespart werden? Diesen Fragen geht Carsten Herbert alias der Energiesparkommissar nach. Ein Interview.

Er ist gelernter Bauingenieur, ausgemachter Energieexperte und seit anderthalb Jahren ausschließlich im Wissenstransfer aktiv. Carsten Herbert ist bekannt als Energiesparkommissar und wird in Kaiserslautern das Thema Gebäude-Energie allgemein und das Thema Heizungswärmepumpe im Speziellen beleuchten. Andreas Sebald hat sich mit dem 58-Jährigen aus Südhessen über Effizienz, Narrative und Optimismus unterhalten.

Herr Herbert: Woher kommt Ihre Begeisterung für Energie und Energiesparen?
In den 1990er Jahren habe ich Bauingenieurwesen studiert, was mich aber, ehrlich gesagt, nicht so fasziniert hat. Durch einen Zufall bin ich dann auf die Themen Energie und Energieeffizienz gestoßen – und tief eingestiegen. Ich habe dann mein Studium darauf ausgerichtet, damals habe ich in Darmstadt studiert, das war für mich das Mekka in Deutschland in Sachen Energie in Gebäuden. Nach dem Studium war ich zunächst am Institut Wohnen und Umwelt beschäftigt. Als meine Projektstelle 2004 zu Ende ging, habe ich überlegt, ob ich vielleicht nach Hamburg oder Berlin zu einer der großen Energieberatungsagenturen wechseln sollte. Ich habe mich dagegen entschieden und mich als Energieberater selbstständig gemacht.

Und die Agentur haben Sie immer noch?
Ich führte das Büro über 20 Jahre bis zum 31. Dezember 2024. Dann habe ich es an einige meiner Mitstreiter übergeben und kümmere mich seither ausschließlich um Wissenstransfer, also ich vermittle Wissen laientauglich rund um Energie- und Energieeffizienz in Gebäuden.

Wie kam es dazu?
Während der Corona-Pandemie hatte ich Zeit, konnte zwei Tage die Woche nichts machen, es war ja vieles zu im Lockdown. Diese Gelegenheit habe ich genutzt und mal geschaut, was denn so in den Sozialen Medien läuft mit Blick auf Energie-Effizienz.

Und?
Es gab nichts! Hier und da war es schon mal Thema, aber es gab beispielsweise rund um erneuerbare Energien und Gebäude niemanden, der das Thema besetzte. Also entschloss ich mich, das selbst zu tun und schrieb ein Konzept für einen Youtube-Kanal und nannte ihn Energiesparkommissar. Mittlerweile bin ich bundesweit unterwegs, quasi von Lübeck bis München, ein paar Mal auch im Osten und auch viel im Westen der Bundesrepublik ...

... und am Montag auch in Kaiserslautern.
Da habe ich den Vortrag „Wärmepumpen im Alltag“ im Gepäck. Viele Städte und Gemeinden entwickeln gerade eine Kommunale Wärmeplanung, so auch Kaiserslautern. Dabei geht es ja um den Ausbau von zentralen Wärmenetzen, also zentrale Lösungen. Aber für den Großteil der Gebäude sind dezentrale Lösungen gefragt und da bietet die Heizungswärmepumpe die aussichtsreichste und mit Abstand beste Lösung. Mir geht es darum, zu erklären, was eine Wärmepumpe ist und wie sie in Wechselwirkung mit den Gebäuden funktioniert und welche Rolle auch Effizienz und Dämmung beispielsweise spielen.

Nun ist es ja so, dass die Wärmepumpe, Stichworte Gebäudeenergiegesetz und Robert Habeck, ein schlechtes Image hat.
Wenn ich vor zwei, drei Jahren bei meinen Vorträgen gefragt habe, wer denn jemanden kennt, der oder die eine Wärmepumpe hat, dann gingen vielleicht 20 Prozent der Hände nach oben. Mittlerweile hat sich das gedreht. Wenn ich heute frage, sind es 80 Prozent der Menschen, deren Nachbarn, Vereinskollegen oder Verwandte eine Wärmepumpe nutzen. Denn mittlerweile hat sich herumgesprochen, dass die Dinger warm machen und das auch noch relativ günstig. Es ist so: Zwar wollte keiner der erste sein, der so ein Ding einbaut, aber jetzt will man noch weniger bei den letzten sein, die eine Wärmepumpe nutzen oder sich zumindest informieren. In meinen Vorträgen spreche ich die überwiegend „konservative Mitte“ an, also Menschen ab 60, 65 Jahren, die ihre Infos nicht komplett aus dem Internet ziehen. Das sind meine Fanboys and -girls (lacht). Die wollen informiert sein, um dann mit Blick auf die Heizung eine gute Entscheidung treffen zu können.

Sie sprechen sicherlich auch über Alternativen zur Wärmepumpe.
Ja, klar. Ich zähle einige der Alternativen auf, etwa die Sache mit dem Wasserstoff. Der soll ja mit Strom erzeugt werden und dazu noch mit Grünem Strom. Die Effizienz liegt dann bei mageren 60 Prozent. Ich habe bei meinen Vorträgen dafür immer einen alten Heizstrahler dabei, der auch Strom in Wärme umwandelt. Der macht das aber im Verhältnis von eins zu eins und mit einer Effizienz von 100 Prozent. Und das mit einer Technik, die 100 Jahre alt ist. Die Sache mit dem Grünen Wasserstoff ist aus meiner Sicht einfach ein großer Irrtum. Noch ein Satz zum Gebäudeenergiegesetz, das Sie vorhin angesprochen haben.

Ja, bitte.
Ich denke, dass die Änderungen, die gerade beschlossen wurden, keine nennenswerten Auswirkungen haben werden. Viele Menschen sehen, dass jetzt noch einmal auf Öl oder Gas bei der Heizung zu setzen, einfach keine gute Idee ist. Auch der Irankrieg mit seinen spürbaren Auswirkungen auf die Ölpreise hat gezeigt, dass das fossile Zeitalter nun offensichtlich zu Ende geht.

Sie sind gelernter Ingenieur. Wie haben Sie gemerkt, dass Sie auch auf einer Bühne bestehen können?
Eine kreativ-künstlerische Ader hatte ich schon immer. Das ging schon in der Schule los, da habe ich beispielsweise den Schweizer Kabarettisten Emil Steinberger imitiert, später habe ich lange in einer Rockband gespielt. Als Energieberater habe ich dann versucht, Wissen und die Performer-Seite in mir zu verbinden. In meinen ersten Jahren habe ich gemerkt, Expertenwissen mit Unterhaltung zu verknüpfen ist eine gute Idee. Energiesparen zu vermitteln ist nicht per se unterhaltsam. Wenn man aber unterhaltende Elemente mit der Wissensvermittlung kombiniert, dann kommt es den Menschen zugute. Es geht ja am Ende auch darum, ein wenig Freude und Optimismus zu verbreiten

Stichwort Optimismus: Ist die Energiewende zu schaffen? Was glauben Sie?
Gute Frage. Noch vor ein paar Jahren dachte ich, das wird nichts. Seit ein, zwei Jahren sehe ich das wieder anders. Und das liegt daran, dass ich die Macht des expotenziellen Wachstums unterschätzt habe. Es ist extrem beeindruckend, was da global im Moment mit Blick auf die erneuerbaren Energien passiert. Ich wage zu behaupten, dass Solarenergie in zehn Jahren die wichtigste Art der Stromerzeugung sein wird. Und das weltweit. In 20 Jahren wird es die wichtigste Art Energie überhaupt sein. Die Zuwächse gehen im Moment speziell bei Photovoltaik durch die Decke. Was glauben Sie: Wie hoch war der Anteil an Investitionen in erneuerbare Energien im Jahr 2024 in Prozent weltweit?

Kann ich nicht genau sagen, ein Freund von mir hat mir mal erzählt, dass die Zahl sehr hoch sei. Ich sage mal: 70 Prozent?
Ich sage es Ihnen: Es waren 92,5 Prozent. Und das passiert weltweit, nicht in Deutschland. Das Narrativ, dass wir was falsch machen, weil alle Welt auf Atomenergie setzt, nur Deutschland ausgestiegen ist, ist nicht haltbar. Am Ende werden wir lachen: Weil wir frühzeitig in die richtigen Energieformen investiert haben, die uns unabhängiger machen und zu unserem Wohlstand beitragen.

Info

Am Montag, 8. Juni, veranstaltet die Stadt Kaiserslautern einen Wärmegipfel. Von 14 bis 20 Uhr steht in der Alten Eintracht in der Unionstraße das Thema Wärmewende auf der Agenda. An Infoständen können sich Interessierte über Energie-Sparmöglichkeiten informieren, ab 17 Uhr sind Vorträge geplant, ab etwa 18 Uhr spricht Carsten Herbert, alias der Energiesparkommissar, rund 75 Minuten zum Thema Wärmepumpen im Alltag. Der Eintritt ist frei, die Stadt bittet um eine Anmeldung über die Homepage der Stadt.

Als Energiesparkommissar verbindet der gelernte Ingenieur Carsten Herbert aus Südhessen Unterhaltung und Wissensvermittlung rund
Als Energiesparkommissar verbindet der gelernte Ingenieur Carsten Herbert aus Südhessen Unterhaltung und Wissensvermittlung rund ums Thema Energie.
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