Kaiserslautern
Solarenergie, Nahwärme, Fernwärme: Die Stadt nimmt vier Quartiere bei Wärmeplanung ins Visier
Am 11. Mai wird die Kommunale Wärmeplanung auf der Tagesordnung des Stadtrats stehen. Im Umwelt- und im Bauausschuss wurde das Thema bereits diskutiert – und für positiv befunden. Dahinter verbergen sich Überlegungen, wie in Zukunft in Kaiserslautern die Gebäude geheizt und mit welchen Quellen der zu verbrauchende Strom erzeugt werden soll. Die beiden Büros B.A.U.M. Consult und Fichtner haben das Konzeptpapier „Kommunale Wärmeplanung – Strategie 2026-2030“ erstellt und mehrfach bereits in den Gremien präsentiert. „Die Kommunale Wärmeplanung ist dabei immer ein Angebot, keine Verpflichtung“, unterstreicht Kaiserslauterns Beigeordneter Manuel Steinbrenner (Grüne) im Gespräch mit der RHEINPFALZ.
In der Wärmeplanung bereits angedeutet sind Ideen und Überlegungen, wie in einzelnen Quartieren möglicherweise in Zukunft Energie und Strom nachhaltig gewonnen und produziert werden kann. Wie Bettina Dech-Pschorn, die Leiterin des Umweltreferats, im Gespräch mit der RHEINPFALZ berichtet, funktionierten die Quartierskonzepte auch ohne die Kommunale Wärmeplanung, seien aber thematisch gut miteinander verknüpfbar.
Vier Quartiere zunächst im Brennpunkt
In den Fokus gerückt wurden vier Quartiere in der Stadt: Fischerrück, Bahnheim, Siegelbach und der Bereich rund um Goetheschule und Hohenstaufen-Gymnasium, grob gesprochen nördlich vom Pfaffgelände. Der Fischerrück, bereits aufgenommen in ein städtebauliches Förderkonzept, soll vor allem dahingehend untersucht werden, wie die Gebäude dort energetisch saniert werden könnten und mit welcher Energie dort künftig vor allem nachhaltig geheizt werden kann. Im Bahnheim könnte das Thema Abwasserwärme eine Rolle spielen, also Energie, die aus den Abwässern des Quartiers noch einmal wiederverwendet werden könnte. Auch Nahwärme-Lösungen sollen für das Bahnheim untersucht werden, so die Leiterin des Umweltreferats.
Photovoltaik in Siegelbach, Nahwärme in der Stadt
In Siegelbach steht das Thema Freiflächen-Photovoltaik hoch im Kurs und damit die Frage, wie möglichst viel Strom vor Ort produziert werden kann. Langfristig könne dort auch über gemeinsame Lösungen mit Industriebetrieben nachgedacht werden. Eine Rolle spiele dabei die dörfliche Struktur, die sich nicht unbedingt für größere Nahwärme-Projekte eigne. Die könnten dagegen im Bereich rund um die beiden Schulen Hohenstaufen-Gymnasium und Goetheschule eine Rolle spielen. Auch das nahe gelegene Westpfalz-Klinikum könnte in Pläne bei der Energieversorgung in dem städtischen Quartier mit einbezogen werden, so Dech-Pschorn. Dass mit den beiden Schulen zwei größere, städtische Gebäude in dem Quartier zu finden sind, habe auch eine Rolle gespielt. So könnten bei anstehenden Sanierungen gleich mehrere Ideen umgesetzt werden.
In die Konzepte, jeweils rund 30 Seiten stark, mit eingepflegt sind laut Dech-Pschorn nicht nur Überlegungen rund um die Wärmeplanung der Zukunft, sondern auch andere, bereits bestehende Konzepte, wie das zum Hochwasserschutz und das zur Klimaanpassung. Ebenfalls mitgedacht werden müssten bestehende Vorgaben zum Denkmalschutz – was im Bahnheim beispielsweise eine Rolle spiele –, aber auch zur E-Mobilität und zur Fassadenbegrünung.
Mehr als zwei Millionen Euro Fördergeld vom Bund
Die vier Konzepte ausgearbeitet haben nicht nur Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Mit dabei waren auch Vertreter von den Stadtwerken (SWK), der WVE, der Stadtentwässerung und von der Stadtentwicklung Kaiserslautern (SEK). „Wir sind im Stadt-Konzern enger zusammengerückt, und die Zusammenarbeit läuft gut“, sagt Steinbrenner. „Wir haben ein gemeinsames Ziel und ziehen alle an einem Strang.“ Das Umweltreferat rechnet mit einer baldigen Rückmeldung vom Bund mit Blick auf die Genehmigung der Fördermittel, sagt Hannah-Sophie Stabel, die Leiterin der Abteilung Klimaschutz im Umweltreferat. Dann sollen die Konzepte möglichst schnell an den Start gebracht und umgesetzt werden. Auch dabei sollen, so Stabel, wieder Mitarbeiter aus allen Bereichen – Verwaltung und städtische Töchter – zusammenarbeiten.
Rund 2,4 Millionen Euro fließen in die vier Konzepte, 90 Prozent davon stammen aus Fördergeld vom Bund. Ein Jahr lang wird das Konzept vor Ort vorgestellt, die Bürgerinnen und Bürger mit ins Boot geholt, diskutiert. Weitere fünf Jahre sollen dann vor Ort bereits Maßnahmen umgesetzt werden, sozusagen ein Quartiersmanagement sich um die Ideen kümmern. Neben den vier bereits erwähnten Quartieren komme mit Dansenberg wohl mittelfristig noch ein fünftes hinzu. Dort sei ein sogenanntes kaltes Nahwärmenetz im Gespräch, berichtet Dech-Pschorn.
Autarkie und Krisenresilienz
Hinter all den Überlegungen, die in die Kommunale Wärmeplanung fließen, aber auch in die Gedanken rund um die Quartierlösungen stecke das Bestreben, in Sachen Energie und Wärme „autarker und krisenresilienter“ zu werden, sagt Steinbrenner. „Die Energie, die wir hier benutzen, sollte auch hier produziert werden“, sagt der Umweltdezernent.
Derzeit bereits einsehbar ist auf der städtischen Homepage eine erste Übersicht, in welchen Gebieten in der Stadt welche Möglichkeiten in Planung sind, etwa ob Fernwärme überhaupt in Frage kommt. Wie Hannah-Sophie Stabel berichtet, soll in Kürze auf der städtischen Homepage auch eine interaktive Karte zugänglich sein, in der Immobilienbesitzer einsehen können, welche Möglichkeiten für ihr Haus bietet.