Kaiserslautern
Die Betreiber des Bremerhofs haben das Hotel Zollamt übernommen
Mit der Schlüsselübergabe an Tobias und Nina Maurer, die Betreiber des Bremerhofs, endet für Herbert und Doris Folz nach 41 Jahren ein Leben für die Hotellerie. Nicht erst seit gestern denkt Tobias Maurer (38) darüber nach, wie er die Kunden seines Restaurantbetriebs über die eigene Kapazität hinaus beherbergen kann. Zehn Zimmer stehen ihm im Obergeschoss des Haupthauses Bremerhof zur Verfügung. Doch die waren in der Vergangenheit oftmals schnell belegt. „Ich habe meinen Gästen zur Übernachtung umliegende Hotels empfehlen müssen.“
Als Tobias Maurer im August einen Hinweis erhielt, dass die Betreiber des Hotels Zollamt in der Buchenlochstraße 1 altersbedingt beabsichtigen, den Betrieb aufzugeben, haben die Maurers aufgehorcht. Für das junge Ehepaar, das sein Metier nach der Ausbildung in der internationalen Gastronomie, dem Besuch der Hotelfachschule in Heidelberg und Auslandsaufenthalten in Österreich und England von der Pike auf gelernt hat, war das so etwas wie ein „Wink des Himmels“. Nicht, dass es direkt nach einem Hotel in der näheren Umgebung gesucht hätte. Doch ein Vier-Sterne-Haus, das fünf Minuten vom Bremerhof entfernt liegt – das hat Tobias und Nina (39) Maurer schon interessiert. Auf dem Bremerhof dinieren und nur ein paar Minuten weiter in einem renommierten Hotel die Nacht verbringen: Das wäre mit der Übernahme gut möglich.
Während Corona Betriebsablauf umgestellt
Dass die Übernachtungsmöglichkeiten im Bremerhof mal nicht ausreichen, hätte Maurer vor Corona nicht gedacht. Die Pandemie sei es gewesen, die ihn im Betriebsablauf vieles zugunsten des Restaurantbetriebs im Haupthaus und im Biergarten hat umstellen lassen. Mittlerweile kann er sich neben einem gewachsenen Mitarbeiterstamm auf einen Restaurantleiter und eine Assistenz der Geschäftsführung verlassen. „Wir sind ein Top-Team“, sagt er. Größere private und betriebliche Veranstaltungen, die in den Wintermonaten zusätzlich in der für 150 Personen ausgelegten Almhütte stattfinden, haben eine verstärkte Nachfrage nach Übernachtungsmöglichkeiten aufkommen lassen.
Dass Folz und Maurer zufällig denselben Steuerberater kontaktierten und sich über die Mitgliedschaft im Kreisverband des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) näher gekommen sind, hat deren Miteinander begünstigt. Folz spricht von einem wunderbaren Zufall: „Ich wollte verkaufen und Maurer hat sofort Interesse gezeigt. Das hat gepasst.“ Natürlich habe er mehrere Interessenten für das Vier-Sterne-Hotel mit 33 Zimmern gehabt. Doch an eine Hotelkette habe er nicht veräußern wollen. „Unser Hotel ist ein Individualbetrieb und der Tradition verpflichtet“, betont Doris Folz. Es gebe nichts Besseres, als den Betrieb in junge und fleißige Hände übergeben zu können.
Drei Häuser im Gebäudekomplex
41 Jahre lang hat die Familie Folz das Hotel geführt. Nach und nach wurde es erweitert. „Haus eins war mein Elternhaus“, verrät Herbert Folz. 1985 wurde es mit zwölf Zimmern und einer Pilsstube im Erdgeschoss eröffnet – 1997 mit Haus zwei (acht Zimmer) und 2003 mit Haus drei (13 Zimmer) vergrößert. „Hotelgäste haben über die Jahre nicht nur gute Gespräche und gute Getränke zu schätzen gewusst“, berichtet Folz. Als gelernter Koch wusste er seine Gäste zu besonderen Anlässen stets frisch zu bekochen. „Wir haben ständig mitgearbeitet“, betont Doris Folz ihre Verbundenheit mit dem Hotelbetrieb: „Es war unser Lebenswerk. Wir haben es mit Liebe und Leidenschaft geführt.“ Für die Familie ein Grund mehr, das von ihr über vier Jahrzehnte aufgebaute Haus „Nachfolgern mit Herz und aus der Region zu übergeben“.
Zwischen Hauptbahnhof und Universität sowie den ihr angeschlossenen wissenschaftlichen Instituten gelegen, profitiere das Hotel von einer Eins-a-Lage. Folz: „Wissenschaftler, die beruflich an der Uni zu tun haben, sind dankbar für die kurzen Wege zwischen Hauptbahnhof, Hotel und ihrer Anlaufstelle auf dem Campus.“
Vier Mitarbeiter übernommen
Für Maurer passt das Zollamt als Hotel bestens zum Bremerhof. Gedanklich hat er bereits einen Shuttleservice eingerichtet. „Warum sollen die Gäste nicht die Schönheit der Natur kennenlernen, einen Spaziergang durch den Stadtwald unternehmen, sich im Bremerhof kulinarisch verwöhnen und sich anschließend von einem Shuttle ins Hotel chauffieren lassen“, äußert Maurer eine Idee für die Zukunft.
In diesen Tagen hat sich im Hotel Zollamt ein stiller Wechsel mit Schlüsselübergabe vollzogen. „Noch kenne ich nicht jeden Lichtschalter und jede Sicherung“, räumt Maurer ein. Doch dabei wird ihm Melissa Kerth, eine langjährige leitende Angestellte des Hotels, zur Seite stehen. Eine Vollzeitkraft, zwei Teilzeitmitarbeiter und eine Minijobberin will er weiterbeschäftigen. Am Montag öffneten Tobias und Nina Maurer erstmals für sechs Anreisende die Tür ihrer Nobelherberge.
Die bisherigen Hotelbetreiber werden ihren Ruhestand in Neustadt verbringen. Dort steht ihnen das Elternhaus von Doris Folz zur Verfügung. „Wir werden unsere netten Hotelgäste und die Gespräche mit ihnen vermissen“, sagt sie mit Wehmut in der Stimme und ergänzt: „Die Arbeit im Hotel hat uns stets Freude gemacht.“