Leiningerland
Starkregen: Wie Winzer und Landwirte vorbeugen sollen
Vollgelaufene Keller und weggespülte Ackerflächen gehören zu den großen Problemen bei Starkregen, insbesondere wegen der Willkür. Denn wo die heftigen Wassermengen herunterkommen, ist nicht vorhersehbar. Entsprechend unterschiedlich ist auch die Betroffenheit. Doch es gibt Faktoren, die auch bei Starkregen hemmend wirken und damit volllaufende Keller verhindern können. Darum ging es bei einer Versammlung in Kleinkarlbach, zu der die Stadt Ingelheim mit dem Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) und dem Ingenieurbüro IPR-Consult eingeladen hatten. Letzteres ist für das Hochwasser- und Starkregenvorsorgekonzept der Verbandsgemeinde Leiningerland verantwortlich, das derzeit erstellt wird. Dabei sollten auch Winzer und Landwirte – Hauptadressaten der Veranstaltung – über Möglichkeiten informiert werden, wie sie zur Vorsorge beitragen können.
Bodenerosion als Problem
Im Fokus standen bei dem Treffen der Eckbach und die umliegenden Ortsgemeinden. In jeder von ihnen gibt es Lagen, die bei Starkregen zum Problem werden können, einerseits für die Infrastruktur, andererseits auch für die Landwirte und Winzer. Denn nicht nur, dass aufgrund der großen Flächen im Wingert oder auf dem Acker Wasser schnell abfließt, es folgen bei Starkregen auch die Bodenerosionen. Das bedeutet, es wird wertvoller Boden weggespült.
Wie betroffen eine Fläche ist, zeigt laut Präsentation des Ingenieurbüros die Bodenabtragsgleichung. Faktoren dabei sind Wassermenge, aber auch Hangneigung und -länge. Demnach sind beispielsweise die Nordhänge Bissersheims und Großkarlbachs gefährdet, aber auch die Oberen Taläcker bei Neuleiningen oder ein Wingert oberhalb Battenbergs.
Tipps für das Bestellen der Flächen
Jan Schiller, Wasserschutzberater vom DLR, erläuterte daraufhin, was die Winzer und Landwirte tun können, um die Gefahr zu mindern. Ein Faktor beispielsweise sei die Bodenbearbeitung: Findet sie spät im Jahr statt, erhöhe sie die Erosionsanfälligkeit, weil der Boden feinkrümelig wird. Anfang August sei dieser Schritt sinnvoller. Genauso problematisch ist laut Schiller die frühe Bepflanzung bei feuchtem Boden. Dadurch entstünden Fahrrinnen und folglich eine Verdichtung des Grundes durchs schwere Gerät, sodass Wasser schlechter versickert beziehungsweise schneller abfließt.
Hilfreich sei eine Unterstockbegrünung, denn die Pflanzen schützen den Boden. Schiller nannte unter anderem Sand-Thymian oder verschiedene Klee-Arten. Der Vorteil dabei sei vor allem, dass durch die Pflanzen die Temperatur im Boden gesenkt und mehr Wasser darin gehalten wird. Für Äcker empfiehlt sich laut Schillers Kollege Hermann Heidweiler beispielsweise die Direktsaat, die gegen den Abfluss des Wassers helfe und damit der Erosion vorbeuge.
Perspektive der Winzer beachten
Vonseiten der anwesenden Ortsbürgermeister und Winzer kam dazu allerdings auch Kritik. Johannes Nippgen, Bürgermeister Neuleiningens und selbst Winzer, stimmte zwar zu, die Böden erhalten zu wollen, aber er sprach sich auch für die Perspektive der Winzer aus. Wenn beispielsweise Grünstreifen mit Hecken gepflanzt werden sollen, um bei Starkregen den Wasserfluss zu hemmen, verursache das einen Wertverlust der Pachtfläche und damit Schaden für die Landwirte.
Kritik gab es auch wegen eines Entwässerungsgrabens zwischen Gerolsheim und Dirmstein. Den gebe es schon lange, allerdings stehe er jedes Mal bei Starkregen trocken, so ein Bürger. Deshalb sollten die Kommunen überlegen, wie sie den Entwässerungsgraben wieder benutzbar machen können.
Grundsätzlich, so Heidweiler, gehe es erst einmal darum, den Dialog zu suchen – denn nachdem am Abend lediglich etwa 15 Interessierte da waren, darunter überwiegend Ortsbürgermeister, müsse das Wissen ohnehin an die betroffenen Winzer und Landwirte getragen werden. Um die Möglichkeiten genauer zu beleuchten, bot der Vertreter des Ingenieurbüros an, die Flächen auch vor Ort anzuschauen, um gezielter nachsteuern zu können.