Leiningerland / Kerzenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Stall, Hygiene, Kürbisse: So schützen Bauern ihre Tiere vor H5N1

Richard Danner, Chef des Kleinsägmühlerhofs in Altleiningen, hat seine Hühner sicher im Wintergarten untergebracht.
Richard Danner, Chef des Kleinsägmühlerhofs in Altleiningen, hat seine Hühner sicher im Wintergarten untergebracht.

Tödliche Seuche: H5N1 ist im Leiningerland und dem Donnersbergkreis angekommen. Dort gibt es Betriebe mit teils tausenden von Tieren. Wie die Halter reagieren.

Die hochansteckende Vogelgrippe (H5N1) ist mittlerweile auch im Kreis Bad Dürkheim und im Donnersbergkreis angekommen. In beiden Kreisen gilt eine Stallpflicht für Geflügel, damit dieses nicht mit infizierten Wildvögeln in Berührung kommen. Denn vor allem Zugvögel wie Kraniche übertragen die Krankheit, die in fast allen Fällen tödlich für die Vögel endet. In seltenen Fällen kann die Vogelgrippe auch auf den Menschen übergehen. Dazu sind jedoch intensiver Kontakt zu einem erkrankten Tier und eine hohe Viruslast nötig. Allein in der Verbandsgemeinde Leiningerland gibt es sieben größere Geflügelbetriebe.

Den knapp 2400 Legehennen von Markus Vorbeck vom Arleshof in Kerzenheim (Donnersbergkreis) ist die Stallpflicht egal. Sie müssen sich nicht umgewöhnen, denn sie leben seit jeher im Stall und kennen es nicht anders. „Mein Vater und mein Großvater haben die Hühner früher noch in Käfigen gehalten“, erzählt der Landwirt, der die Eier vor allem auf Wochenmärkten verkauft. Markus Vorbeck schaffte die Käfighaltung ab: Anfang der 2000er-Jahre fing er an, seine Ställe auf Bodenhaltung umzustellen und baute einen Wintergarten, damit die Hühner Tageslicht sehen.

Außergewöhnlicher Ausbruch

An sich ja die Vogelgrippe ja nichts Neues, sagt Vorbeck. Sie tauche jedes Jahr auf. Mal seien es weniger krankmachende Viren, die kaum oder nur leichte Symptome auslösen, mal stärker krankmachende Viren. Doch der aktuelle Ausbruch sei schon außergewöhnlich. Er könne sich nicht erinnern, dass schon einmal so viele tote Wildvögel auf einmal gefunden wurden wie derzeit. Die Lage bereite ihm Bauchschmerzen. Denn wie habe es der Präsident des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft, Hans-Peter Goldnick, im Hinblick auf die Infektionsgefahr in einem ZDF-Beitrag formuliert: „Ein Vogelschiss genügt.“

Um seine Hühner zu schützen, hat Vorbeck Hygieneschleusen eingerichtet. Vor jedem Stall hat er Desinfektionswannen aufgestellt und für jeden Stall tragen der Landwirt und seine Mitarbeiter separate Schuhe. Bevor sie die Ställe betreten, wechseln sie außerdem ihre Straßenkleidung gegen Arbeitskleidung. Er tue alles, was in seiner Macht stehe, betont Vorbeck, aber ein gewisses Restrisiko bleibe. Über den Worst Case, einen Vogelgrippeausbruch in seinen Herden, wolle er gar nicht nachdenken, sagt er. Wenigstens sei er über die Tierseuchenkasse versichert. Doch bis der Bestand wieder aufgebaut sei, vergehe mindestens ein halbes, vielleicht sogar eher ein Dreivierteljahr, sagt Vorbeck. Denn Hühner legen erst ab der 35. Lebenswoche Eier, die so groß sind, dass sie sich für den Verkauf eignen.

Kürbisse zur Ablenkung

Auch auf dem Kleinsägmühlerhof der Lebenshilfe in Altleiningen macht die Vogelgrippe Sorgen. Hofchef Richard Danner hat seine 1000 Hühner, die normalerweise in Freilandhaltung leben, in den Stall gebracht. Wie auf dem Arleshof von Markus Vorbeck gibt es auch dort einen Wintergarten. Weil der Stall nicht randvoll belegt sei, hätten die Tiere auf jeden Fall genügend Platz zum Herumlaufen und zeigten daher keine Stresssymptome, sagt der Landwirt. In den Stall dürfen nur die Mitarbeiter des Kleinsägmühlerhofs. Danner geht davon aus, dass seine Hühner sicher sind, undichte Stellen hat er gesichert: „Da kommt kein Spatz mehr rein“, sagt er.

Julia Hirstein hält im Altleininger Ortsteil Höningen 2500 Legehennen in einem Hühnermobil. Schon vor Anordnung der Stallpflicht hat sie ihre Tiere nach drinnen gebracht. „Wir haben Kraniche gesichtet“, sagt sie. „Das war uns einfach zu heiß.“ Damit die Tiere besser damit klarkommen, hat Hirstein sie langsam an den Aufenthalt im Stall gewöhnt. Dennoch merke sie, dass die Tiere gestresst seien. Sie seien lauter als sonst, pickten sich gegenseitig die Federn aus. Doch sie habe keine andere Wahl: „Man muss sich entscheiden, ob man gestresste oder tote Tiere haben will.“ Um sie abzulenken, hat Hirstein den Hühnern Heu, Stroh, Karotten, Kürbisse und Picksteine besorgt. Die würden auch ganz gut angenommen. Hirstein hat nun einen Folientunnel besorgt, eine Art kleinen Wintergarten, der die Lage noch mehr entspannen soll. All das sei für das Hofteam zwar etwas mehr Aufwand, denn all diese Dinge müssen zum Stall transportiert werden. Doch es sei die Mühe wert, sagt Hirstein.

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