Leiningerland
H5N1: Kann die heimische Küche zum Vogelgrippe-Hotspot werden?
Ist es möglich, sich beim Zubereiten von Geflügel oder beim Hantieren mit rohen Eiern über Schleimhäute und kleine Wunden mit dem Vogelgrippevirus H5N1 zu infizieren?
Bislang hat sich in Deutschland noch kein Mensch mit dem Vogelgrippevirus infiziert, teilt Laura Estelmann, Sprecherin der Kreisverwaltung Bad Dürkheim, der RHEINPFALZ auf Anfrage mit. Sebastian Kevekordes, Leiter der Krankenhaushygiene am Klinikum Ludwigshafen, sagt: „Nein, da kann nichts passieren.“ Es sei äußerst unwahrscheinlich, dass infiziertes Geflügel in den Handel komme. Außerdem benötigt das Vogelgrippevirus bestimmte Rezeptoren, um anzudocken. Die findet es eben in Vögeln sowie in den Eutern von Milchkühen. Für eine Infektion von Geflügel auf Säugetiere braucht es eine extrem hohe Viruslast, ergänzt Kevekordes.
Was passiert, wenn infizierte rohe Eier gegessen werden? Lauert die Gefahr im Tiramisu?
Der Verzehr unzureichend erhitzter oder gar roher Eier ist schon allein wegen der Salmonellengefahr keine gute Idee, heißt es vonseiten der Kreisverwaltung. Eine Übertragung von H5N1 über rohe Eier ist bisher aber nicht bekannt.
Sind Eier aus Bodenhaltung derzeit die klügere Wahl, weil die Stallhühner kein Risiko haben, mit Wildvögeln in Kontakt zu kommen?
Sowohl Betriebe mit Boden- als auch mit Freilandhaltung legen ein verstärktes Augenmerk auf die Biosicherheit, also den Schutz vor Infektionskrankheiten, heißt es vonseiten der Kreisverwaltung. Da der Schwerpunkt des Infektionsgeschehens in Rheinland-Pfalz aktuell bei den Wildvögeln liegt, spielt die Haltungsform laut Kreis derzeit keine Rolle.
Kann ich mich infizieren, wenn mein Hund oder meine Katze tote Vögel frisst oder nach Hause bringt?
Davon ist nicht auszugehen, sagt Krankenhaushygieniker Kevekordes. Auch hier ist eine extrem hohe Viruslast notwendig, sprich: Hund oder Katze müssten komplette infizierte Vögel verspeisen, um sich anzustecken. Und selbst wenn ein paar Viren durchrutschen, werden die normalerweise von der Magensäure eliminiert, kann der Experte beruhigen. Für eine Übertragung auf den Menschen müsste das Virus zudem noch eine weitere Hürde überwinden: den Sprung vom infizierten Tier auf seinen Halter. Das ist derzeit unwahrscheinlich, und auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch gab es bisher nicht.
Welche Symptome löst die Vogelgrippe aus?
Anders als humane Influenzaviren, die vor allem die oberen Atemwege befallen, besiedelt H5N1 die unteren Atemwege, also Bronchien und Lunge. Begleitet wird das Ganze von einer Überreaktion des Immunsystems, sagt Kevekordes. Der Körper schüttet große Mengen an Zytokinen aus, was schwere Entzündungen an gesunden Organen wie Leber, Herz oder Lunge hervorruft. Dann kommt Kortison zum Einsatz.
Droht uns jetzt die nächste Pandemie?
Gegenwärtig sind wir von einer Pandemie noch sehr weit entfernt. Wenn das Vogelgrippevirus jedoch mutiert oder sich mit dem menschlichen Influenzavirus paart und ein neues Virus entsteht, ist eine Pandemie gut möglich, sagt Kevekordes. Erschwerend kommt hinzu, dass das Vogelgrippevirus mittlerweile weltweit vorkommt. Deshalb gilt es, Doppelinfektionen zu vermeiden. Denn infiziert sich ein Grippekranker zusätzlich mit dem Vogelgrippevirus, kann es brenzlig werden. Eine Grippeschutzimpfung sei daher sinnvoll.
Gibt es schon Impfstoffe?
Ja, gibt es. In Asien wird das Geflügel bereits fleißig geimpft, sagt Kevekordes. Es gibt auch Impfstoffe für den Menschen, den bekommen aber nur Menschen, die einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt sind, etwa weil sie in Laboren am Vogelgrippevirus forschen. Für den Fall, dass sich H5N1 mit der menschlichen Influenza paart, gibt es auch bereits sogenannte prä-pandemische Impfstoffe für den Menschen. Das sind Impfstoffe, die bereits vor Ausbruch einer Pandemie entwickelt werden. Im Fall der Fälle lassen diese sich schnell anpassen, sodass eine zügige Massenproduktion möglich ist.
