Grünstadt / Eisenberg
Rauchstopp: Diese Methoden helfen wirklich
Die letzte Zigarette überrascht mich selbst: Samstagabend, auf dem Heimweg von einer Verabredung. Ich hatte mir selbstbewusst vorgenommen, nur noch dieses eine Päckchen fertig zu rauchen. Zwar dürfte ich laut Rauchfrei-Kurs noch zwei Wochen meinem ungesunden Hobby frönen, aber die Entscheidung ist gefallen, nicht länger zu warten. Der Ekel ist inzwischen zu groß, weil mir der Kurs die Mechanismen hinter dem Rauchen noch einmal deutlicher gemacht hat. Also, ran an die letzte Zigarette des Päckchens, im Dunklen an der Straße vor meiner Wohnung. Ich zünde sie mir an in dem Wissen, dass es gleich vorbei ist. Ein Teil von mir freut sich regelrecht darüber, dass dieses Gift bald nicht mehr in den Körper strömt. Der andere Teil hingegen leidet jetzt schon still ob der bald fehlenden Gewohnheit. Doch der Kurs hat mir schon vorab Methoden an die Hand gegeben, um damit klar zu kommen.
Unterschiede bei den Entzugserscheinungen
Was hilft also? Erst einmal muss differenziert werden: Geht es um den körperlichen Entzug oder den psychischen? Oder geht es konkret um das starke Verlangen, doch wieder rauchen und sich mit Nikotin versorgen zu wollen? Für all das existieren Tipps und Tricks. Am wichtigsten, und das tue ich direkt: Aschenbecher leeren und Feuerzeuge sammeln. In keiner meiner Jacken befindet sich mehr eins, genauso wenig zu Hause oder im Schreibtisch. Nur die Stabfeuerzeuge für das Anzünden von Kerzen habe ich liegen gelassen. Die Aschenbecher habe ich sogar gleich gespült. Da sollen bald Pflanzen wachsen, sofern die Kontamination mit Asche sie nicht direkt tötet.
Der nächste Schritt, der mir helfen soll, ist die Mahnung. In meiner Wohnung hängt jetzt ein großer Zettel, auf dem die drei wichtigsten Gründe gegen Zigaretten stehen. Sie schmücken jetzt auch auf Post-its geschrieben meinen Schreibtisch in der Redaktion. Wenn das Verlangen steigt, halte ich mir die Gründe vor Augen, die mich überhaupt zum Aufhören bewegt haben. Das motiviert.
Antidepressivum soll helfen
Es ändert bloß nichts an meiner fürchterlichen Laune, die mich an Tag zwei nach dem Rauchstopp plagt. Denn obwohl ich angeblich keine körperliche Abhängigkeit habe, merke ich den Entzug eben doch. Ständig fallen mir Gelegenheiten ein, in denen ich üblicherweise rauchen würde. Vor der Arbeit an der Redaktion beispielsweise oder nach dem Essen in der Pause. Ich zucke innerlich regelrecht zusammen, wenn ich daran denke, weil ich mir bewusst machen muss: Das ist vorbei. Montags bin ich so gereizt, dass ich meine Kollegen vorwarnen muss – und die Bürotür schließen, damit ich mit keinem konfrontiert bin. Geschlafen habe ich auch schlecht, was mir normal nie passiert.
Was dagegen helfen soll, ist das Medikament Bupropion. Darauf verweist auch Kursleiter Sawitzki. Der Pharmaindex Gelbe Liste erklärt, dass Bupropion ähnlich wirkt wie Amphetamine: Es hemmt die Wiederaufnahme von Noradrenalin und Dopamin in die Neuronen, weshalb es eigentlich ein zugelassenes Antidepressivum ist. Es wird aber auch beim Rauchstopp verschrieben, weil es das Verlangen nach Zigaretten mindern soll, wobei der Wirkmechanismus laut Gelber Liste unbekannt ist. Das heißt für mich: Finger weg davon, zu riskant.
Ersatztherapie lindert Verlangen nach Zigaretten
Stattdessen setze ich aber auf Nikotinpflaster. Die führen dem Körper Nikotin zu, ohne weitere Zusatzstoffe zu enthalten. Wer die Pflaster nutzt, die es in drei Stärken gibt, verwendet sie erst täglich über 16 Stunden hinweg, lässt sie dann aber nach einer gewissen Zeit ausschleichen. Alternativ können auch Nikotinkaugummis oder -bonbons dafür verwendet werden. Aber: Das ist nicht ganz günstig. Zwischen 20 und 30 Euro kostet eine Packung Pflaster, in der sieben Stück enthalten sind. Kaugummis und Bonbons sind vergleichbar teuer, haben aber mehr Inhalt.
Ich habe mich für die Pflaster entschieden, um die Entzugserscheinungen zu mindern und nicht permanent gereizt zu sein. Erstaunlich ist: Die niedrigste Dosis wirkt bei mir hervorragend. Nicht nur, dass die Laune wieder stabil wird, auch der Wunsch nach den Zigaretten ist schlagartig weg, und zwar über Stunden. Ich bin wieder erträglich. Allerdings habe ich beschlossen, die teuren Pflaster maximal in den ersten drei Tagen zu verwenden und dann schon ausschleichen zu lassen, wenn das Gröbste überwunden ist. Denn der körperliche Entzug dauert offenbar nur maximal 72 Stunden. Das sollte machbar sein.
Starke Reize lenken ab
Parallel geht es nun darum, alternative Verhaltensweisen zu entwickeln, um der Gewohnheit zu begegnen. Ich lasse die Kollegen allein rauchen gehen und wage mich nicht ans Passivrauchen. Wenn ich doch eine Zigarette möchte, nutze ich Kräuterbonbons oder japanisches Minzöl unter der Nase, ein starker Geruchsreiz verbunden mit einem Brennen auf der Haut, was empfohlen wird, um abzulenken. Eine andere Variante ist ein Igelball, der durch die Stacheln pikst und ebenfalls den Fokus verändert. Telefoniere ich, erledige ich währenddessen etwas, um nicht in Versuchung zu geraten. Was noch aussteht, sind Abende in der Kneipe oder auf Partys. Aber ich habe Hoffnung. Forscher haben festgestellt, dass es im Durchschnitt 66 Tage dauert, bis neue Gewohnheiten etabliert sind. Im April sieht die Welt also anders aus.
Die Serie „Rauchfrei“
In einem siebenwöchigen Selbstversuch nimmt Redakteurin Mareike Keiper an einem Rauchfreikurs teil, berichtet von ihren Erfahrungen und gibt regelmäßig Informationen über verschiedene Aspekte des Rauchens und ein Leben ohne Zigaretten.