Rauchfrei
Selbstversuch: Per Rauchentwöhnung weg von den Zigaretten
Für viele ist die erste Zigarette mit unangenehmen Erinnerungen verbunden. So etwas schmeckt den meisten ja nicht. Wenn ich an meine erste Begegnung mit dem Nikotin zurückdenke, werde ich allerdings nostalgisch: 15 Jahre war ich alt und gestresst. Ich war gerade bei einem Jugendfestival in meiner Heimatstadt, war Mitorganisatorin und kümmerte mich fleißig, während mich etliche Ältere in ihrer Feierwut hängen ließen.
Weil am selben Abend die Kirmes startete und das Eröffnungsfeuerwerk anstand, zog ich mich pünktlich aus dem Trubel, um in den Himmel starrend durchzuatmen. Das tat ich am Ende sogar buchstäblich, nur anders als gedacht, denn neben mir stand eine Frau, offenbar mit demselben Plan wie ich, und rauchte an ihr Fahrrad gelehnt. Kurzerhand fragte ich sie, ob sie mir eine Zigarette geben würde – ich hatte gehört, dass Rauchen Stress mindert. Das tat sie, ich sah damals älter aus. Also rauchten wir beide still und starrten in den bunt leuchtenden Nachthimmel. Es war wirklich so schön, wie es klingt.
Rauchen für mehr Kontakte
Damit war der Grundstein gelegt, auch wenn die Sucht erst mit dem Einstieg ins Berufsleben begann. Um mit meinen blutjungen 19 Jahren ein wenig Kontakt mit den wesentlich Älteren im Verlag zu knüpfen, ging ich eben mit ihnen rauchen. Das erschien mir praktisch – und aus heutiger Sicht dumm, obwohl es funktionierte und ich dadurch Anschluss fand.
Seitdem gehören fünf bis zehn Zigaretten fest zu meinem Alltag, wenn auch nur in bestimmten Situationen: bei der Arbeit, beim Telefonieren mit Freunden, in geselligen Runden oder auf Partys. Auch wenn es womöglich ein Placebo-Effekt sein sollte, senken das Nikotin und all seine übrigen krebserregenden Stoffe mein Stress-Level, während der Glimmstängel soziale Momente schafft. Darüber hinaus ist die Kippe zur lästigen Gewohnheit geworden, das rede ich mir zumindest ein: Wenn ich meinen Alltag durchbreche, zum Beispiel im Urlaub, rauche ich wenig bis gar nicht. Dann fehlt mir die Zigarette auch nicht.
Die ersten gesundheitlichen Folgen
Gleichzeitig brauche ich beim Rauchen jeden Tag von Neuem erst einmal einen Anlauf, bis ich die vielen ungesunden Stoffe verkrafte. Die erste Zigarette des Tages ist immer verbunden mit Kreislaufproblemen: Mir wird schwummrig und übel. Spaßig ist anders. Unabhängig von den vielen gesundheitlichen Themen, die mir bewusst sind, die ich aber bisher noch nicht verspüre – die quälende Lungenkrankheit COPD hängt beispielsweise stark mit dem Zigarettenkonsum zusammen, genauso bekanntermaßen Lungenkrebs – merke ich jetzt schon kleinere negative Effekte.
Ich huste häufiger oder habe morgens Frösche im Hals stecken, bekomme mehr Pickel und meine Kondition könnte ebenfalls besser sein, was mir bei jeder Art Sport auffällt. Wenn ich viel geraucht habe, schnarche ich peinlicherweise sogar. Paradox dabei: Es schmeckt mir nicht mal. Nach jeder Zigarette brauche ich einen Kaugummi, um mich selbst zu ertragen. Auch den Geruch in den Klamotten nach geselligen Runden in Raucherkneipen finde ich grässlich. Trotzdem schwöre ich auf die guten alten Glimmstängel. Ein Umsteigen auf E-Zigaretten kommt nicht infrage, obwohl sie besser schmecken. Da bin ich altmodisch.
Stresslevel erhöht Rückfallgefahr
Kurzum: Ich bin mir durchaus bewusst, dass mein Laster ein solches ist, und manchmal frage ich mich sogar, warum ich mir das antue. Es bringt nichts, außer Kosten. Jeden Monat knappe 60 Euro, die sich hervorragend für Schöneres sparen ließen. Der Effekt ist mir schon bekannt. Während der Corona-Pandemie habe ich es bereits versucht und drei Monate durchgehalten. Bis der Stresslevel wieder so hoch war, dass ich rückfällig wurde. Zwei kürzere Rauchfrei-Etappen sollten folgen, doch auch hier gewann die Inkonsequenz. Und das ist es, was mich nervt: In bestimmten Situationen ist die Sehnsucht nach der Kippe doch wieder so groß, dass ich zugreife, in der Annahme, dass es bei einem Ausreißer bleibt. Blöd nur, dass das nicht funktioniert. Meistens habe ich Tage später doch wieder das Päckchen in der Tasche und den Frust über meine Schwäche im Kopf.
Verschiedene Schwerpunktthemen im Kurs
Deshalb kam der Aufruf gelegen: ein Rauchfrei-Kurs in Eisenberg. Aufhören mit Begleitung – und mehr sozialem Druck. Deshalb habe ich mich angemeldet und nun eine ganze Reihe vor mir: Nach einer Informationsveranstaltung folgen sechs Kurstermine mit jeweils anderem Schwerpunkt, wie mir die Unterlagen verraten. Geht es erst darum, den (positiven wie negativen) Effekt durch das Rauchen zu verstehen, folgen dann der Rauchstopp und das Bilden neuer Rituale.
Und genau darum geht es mir: Ich möchte Informationen, möchte wissen, was in meinem Körper passiert, wenn ich rauche und wenn ich es lasse, möchte den Suchtmechanismus verstehen und bestenfalls Hilfsmittel an die Hand bekommen, falls der Wunsch nach dem Rauchen doch wieder auftaucht. Reduziert habe ich meinen Zigarettenkonsum schon, vielleicht in weiser Voraussicht, vielleicht aus Sorge vor dem harten Bruch – und dem Entzug. Wie es wird, bleibt abzuwarten. Fest steht: Ich wage das Experiment mit ernsten Absichten und in der Hoffnung, in sieben Wochen rauchfrei zu sein.
Kontakt
Wer bei dem Kurs mitmachen möchte, kann sich noch bis Mittwochmittag bei Axel Sawitzki melden unter rauchfrei@sawitzki-wild.de
Die Serie „Rauchfrei“
In einem siebenwöchigen Selbstversuch nimmt Redakteurin Mareike Keiper an einem Rauchfreikurs teil, berichtet von ihren Erfahrungen und gibt regelmäßig Informationen über verschiedene Aspekte des Rauchens und ein Leben ohne Zigaretten.