Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Rauchfrei-Kurs: Experte gibt Tipps, wie’s am besten klappt

Er hat selbst vor 25 Jahren aufgehört: Kursleiter Axel Sawitzki.
Er hat selbst vor 25 Jahren aufgehört: Kursleiter Axel Sawitzki.

Redakteurin Mareike Keiper will über einen Rauchentwöhnungskurs ihr Laster beenden. Kursleiter Sawitzki erklärt, wie das funktioniert und was beim Aufhören hilfreich ist.

Herr Sawitzki, Sie haben doch bestimmt selbst mal geraucht, oder?
Ich habe lange geraucht, genau, und ich habe mich schwer gequält mit dem Aufhören. Aber ich hab’s geschafft, lange, bevor ich den Kurs gestartet habe.

Wie haben Sie’s geschafft?
Ich hatte zum Schluss noch eine Stange Zigaretten und mir gesagt: Die rauche ich jetzt nach und nach und fertig. Ich konnte mich also darauf vorbereiten.

Sie sind Mitte 50 und in Ihrer Generation haben ja viele früher geraucht. Heute ist das viel teurer geworden und hat einen ganz anderen Ruf. Ist Rauchen noch ein Trend?
Es kommt auf die Gesellschaftsschicht an. Wenn man unter vielen Rauchern ist, ist es ganz normal, dass man es auch tut. Wenn aber im Umfeld viele aufhören und man der letzte ist, der noch zur Zigarette greift, wird es einsam. Ich habe in meinen Kursen viele, die sagen: Jetzt, wo alle um mich herum aufgehört haben, warum rauche ich eigentlich noch?

Also geht der Trend eher Richtung Aufhören?
Ja, das liegt aber auch an der Veränderung in der Gesellschaft. Beim Essen in Restaurants und an vielen öffentlichen Orten darf man nicht mehr rauchen. Dann muss man rausgehen und die Gruppe verlassen, wird zum Einzelgänger.

Was ist denn der Grund, aus dem sich Leute bei Ihren Kursen anmelden?
Viele haben ohnehin die Idee, irgendwann mal aufhören zu wollen. Dann lesen sie davon und nutzen das als Möglichkeit. Oft sind es Leute in meinem Alter, die feststellen, dass Rauchen langsam auf die Gesundheit schlägt, sie schlechter Luft bekommen oder die Kondition nachlässt. Aber meine Erfahrung zeigt: Wenn die Grundhaltung passt, ziehen die Teilnehmer es auch eher durch.

Was macht den Kurs denn so erfolgversprechend?
Man bekommt Methoden, die helfen, wenn einen das Verlangen nach der Zigarette packt. Das ist der Unterschied zu Hypnose oder Akkupunktur: Da ist das Verlangen zwar nicht mehr da, aber wenn es wiederkommt, hat man nichts an der Hand.

Wie läuft das in der Praxis ab, was erwartet mich?
Es sind sechs Termine und davor eine Informationsveranstaltung. Bei den ersten Terminen geht’s darum, zu erklären, was Rauchen bei einem bewirkt, was Denkfallen sind und was alternativ gemacht werden kann. Dann kommt der Rauchstopp, bevor es an die Zukunft geht: Als Raucher ist man eben Raucher, aber als Ex-Raucher hat man nichts mehr und muss überlegen, wie man sich definiert – und wie es weitergeht.

Warum ist der Rauchstopp mittendrin und nicht schon zu Beginn?
Man kann sich vortasten und besser darauf vorbereiten. Außerdem ist ein großer Vorteil, dass sich die Gruppe darüber austauschen kann.

Macht es eigentlich einen Unterschied, ob ich täglich ein Päckchen rauche oder eher nur drei, vier Zigaretten?
Ich glaube nicht. Es ist immer hart aufzuhören, weil einem immer etwas fehlt. Aber man kann durchaus erkennen, wie abhängig man ist, nämlich daran, wann man morgens die erste Zigarette braucht. Um das festzustellen, gibt es einen Test, den die Teilnehmer zu Beginn auch machen werden.

Was ist das Härteste beim Aufhören? Worauf muss ich mich einstellen?
Das Durchhalten ist schwierig. Wenn ich heute wieder einen Zug auf die Lunge nehmen würde, würde ich wieder anfangen und mir morgen ein Päckchen kaufen, obwohl ich 25 Jahre lang nicht geraucht habe.

Und wie sieht’s mit dem Entzug aus?
Der körperliche dauert grob zwei Wochen. Schlimmer ist aber der psychische Entzug. Das Verlangen bleibt wesentlich länger.

Wie lange hält das an?
Das ist individuell. Die Leute in meinem letzten Kurs waren noch voll dabei, als der Kurs fertig war. Ich habe letztens auch erst geträumt, dass ich wieder rauche, und mich im Traum noch gefragt, warum ich dieses verrückte Ding gerade mache. Zum Glück war’s nur ein Traum.

Haben Sie schon mal ein, zwei Tipps, wie es leichter geht?
Es ist gut, eine Alternative zu haben. Klassisch wäre ein Bonbon, damit der Mund etwas zu tun hat, wenn man nicht raucht. Das lenkt ab. Andere brauchen auch etwas für die Hand, zur Beschäftigung.

Einen Bleistift halten, zum Beispiel?
Ja, genau. Und was ich auch ganz wichtig finde: Man sollte die Rituale vermeiden, die man mit dem Rauchen verbindet. Wenn ich beim Kaffeetrinken immer geraucht habe, sollte ich erst einmal Kaffee meiden und vielleicht vorübergehend auf Tee umsteigen.

Sind das typische Fallen, in die Ex-Raucher tappen? Alte Rituale?
Ja. Viele fühlen sich zu schnell zu sicher und setzen sich wieder zu den Rauchern, atmen den Qualm passiv ein oder denken sogar: Die eine geht. Dann ist man ganz schnell wieder im alten Muster.

Wo wir gerade von dem psychischen Druck sprechen: Wie hoch ist die Rückfallquote?
Nach Ende des Kurses liegt sie erst einmal bei 100 Prozent, aber nach einem Jahr sind es noch 20.

Oh, okay, das macht ja Hoffnung.
Das ist bei einer Suchtbehandlung aber eine gute Sache. Unser Institut befragt die Teilnehmer immer, doch da sind auch diejenigen dabei, die von Angehörgien geschickt wurden oder die Klinikkurse machen. Der Vorteil an unserem Kurs ist: Die Leute zahlen Geld dafür und wollen es selbst, da ist der Anreiz schon nochmal höher.

Die IFT-Gesundheitsförderung

Dabei handelt es sich um ein staatlich anerkannes Ausbildungsinstitut in München, bei der sich Psychologen weiterbilden können. Darüber hinaus bietet die Einrichtung auch Ausbildungen für Kursleiter in Präventionsprogrammen an, darunter auch das Rauchfrei-Programm.

Die Serie „Rauchfrei“

In einem siebenwöchigen Selbstversuch nimmt Redakteurin Mareike Keiper an einem Rauchfreikurs teil, berichtet von ihren Erfahrungen und gibt regelmäßig Informationen über verschiedene Aspekte des Rauchens und ein Leben ohne Zigaretten.

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