Grünstadt / Leiningerland
Rat für Radweg-Aus: Einer freut sich
Eigentlich war es eine gute Idee, darin sind sich die Vertreter fast aller Fraktionen im Grünstadter Rat am Dienstagabend einig: Seit fast 20 Jahren gibt es den vagen Plan, einen Radweg vom Grünstadter Bahnhof über Sausenheim und Altleiningen bis zum Carlsberger Naturfreundehaus Rahnenhof anzulegen und dafür weitgehend eine stillgelegte Bahntrasse zu nutzen. Doch viele Details bis hin zum genauen Streckenverlauf sind bis heute unklar. Klar ist aber: Das Vorhaben würde viel aufwendiger als ursprünglich gedacht.
Und es würde teuer, zuletzt standen Gesamtkosten in einer Dimension von sieben Millionen Euro im Raum. Also sollte der Rat der Verbandsgemeinde Leiningerland vor Monaten entscheiden, ob er das Vorhaben aufgibt. Doch stattdessen verlegte er sich darauf, zunächst einmal auf eine Reaktion der Stadt Grünstadt zu warten. Die ist seit 2015 mit im Boot und hatte damals beschlossen, sich mit bis zu 500.000 Euro am Radweg Leininger Tal zu beteiligen. Außerdem müsste sie festlegen, wie genau die Trasse im Sausenheimer Gebiet verlaufen soll.
In einer Ausschusssitzung im November hat Grünstadts Bürgermeister Klaus Wagner (CDU) dann Position bezogen. Seine Empfehlung: die fast zehn Jahre alte Mitmach-Entscheidung des Stadtrats nun wieder zurückzuziehen. Denn sie sei unter Voraussetzungen gefallen, die sich längst erledigt hätten. Außerdem gebe es bislang weder einen Zeitplan, einen endgültigen Streckenverlauf oder eine „belastbaren Kostenberechnung“. Und von diesen Argumenten des Rathaus-Chefs und passionierten Radfahrers lässt sich nun auch der Stadtrat überzeugen.
Er beschließt einstimmig, dass die Stadt ihre einstige Zusage offiziell widerruft – wohlwissend, dass damit das Aus für das gesamte Projekt wohl besiegelt ist. Formal bleibt zwar denkbar, dass die Verbandsgemeinde die Radweg-Planung weiter vorantreibt und Grünstadt in einigen Jahren wieder einsteigt. Doch das gilt als reichlich unwahrscheinlich. CDU-Fraktionschef Mimmo Scarmato sagt: Dieses Projekt passe nicht mehr in die Zeit. Und sein FDP-Kollege Bernhard Ellbrück befindet: „Der Radweg hat sich einfach von selbst erledigt über die Jahre.“
Ähnlich äußert sich auch die Grünen-Sprecherin Susanne Faust: „Es ist ehrlich, dass wir jetzt auch mal aufräumen.“ Zugleich versichern nahezu alle Fraktionsvertreter, dass sie der Idee hinterhertrauern. Am deutlichsten sagt das der SPD-Mann Sascha Schwalb. Als Sausenheimer Ortsvorsteher repräsentiert er zugleich den Stadtteil, der sich am meisten von dem Radweg und seiner erhofften Anziehungskraft für Touristen und Ausflügler erwartet hat. Er sagt über den Ausstieg: „Aus heutiger Sicht müssen wir zustimmen. Aber es tut schon weh.“
Ein Ratsherr allerdings schert aus der Front der Trauernden dann doch noch aus: Der FWG-Fraktionschef Johannes Adam verkündet, dass er für die Klagen seiner Kollegen kein Verständnis hat. Mit Blick auf die Mitmach-Entscheidung aus dem Jahr 2015 verrät er: „Ich hab’ damals nur zugestimmt, weil ich wusste: Das wird sowieso nix.“