Kerzenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Pfälzer Wirtin in Not: Baustellenchaos trifft sie schon wieder hart

Fuchshof-Chefin Sajda Sesar vor dem Schild, das die Rissers für ihre Kunden aufgestellt haben.
Fuchshof-Chefin Sajda Sesar vor dem Schild, das die Rissers für ihre Kunden aufgestellt haben.

Bauarbeiten vergraulten im Winter die „Fuchshof“-Gäste. Dann erholte sich das Lokal. Jetzt kam die nächste Hiobsbotschaft. Doch dann hatte ein Nachbar die rettende Idee.

Die seit neun Monaten andauernde Baustelle in Kerzenheim macht Pause. Die Pfalzwerke sind mit dem Verlegen der neuen Stromleitungen fertig und die Verbandsgemeindewerke haben die Erneuerung der Wasserrohre abgeschlossen. Als Letztes ist der Landesbetrieb Mobilität an der Reihe, allerdings starten die Arbeiten erst Anfang September. Dies teilt LBM-Chef Bernhard Knoop mit. Damit entspreche man dem Wunsch der Gemeinde, erst nach der Kerwe, die vom 28. August bis zum 1. September stattfindet, mit den Bauarbeiten zu starten.

Die Arbeiter werden der Eisenberger Straße bis zur Kreuzung Göllheimer Straße sowie der Ebertsheimer Straße eine neue Asphaltschicht verpassen. Dafür muss die alte Deckschicht auf einer Gesamtlänge von fast zwei Kilometern erst einmal abgefräst werden. Bernhard Knoop zufolge gibt es noch keinen genauen Zeitplan, er verspricht jedoch, der LBM wolle das Projekt zügig über die Bühne bringen. Die betroffenen Straßen werden für die Dauer der Bauarbeiten komplett gesperrt. Genauere Informationen werde der LBM noch veröffentlichen.

Unabhängig von der Großbaustelle lässt die Gemeinde Kerzenheim seit einer Woche in der Jahnstraße bauen. Diese Maßnahme gehört zum Straßenausbauprogramm und steht nicht im Zusammenhang mit dem Großprojekt. Laut Ortsbürgermeisterin Andrea Schmitt (CDU) werden dort die Wasserleitungen und die Asphaltschicht erneuert. Deshalb ist die Straße für rund drei Wochen gesperrt. Das zieht Ärger nach sich. Denn die Zufahrt zum Marktplatz und den dortigen Parkplätzen ist blockiert. Und dort stellen neben Kita-Mitarbeitern und Eltern unter anderem die Gäste des Restaurants „Fuchshof“ ihre Fahrzeuge ab.

Wirtin Sajda Sesar ist mit den Nerven am Ende. Durch die monatelangen Bauarbeiten und Straßensperrungen sind vor allem in den Wintermonaten die Besucher weggeblieben. Fast wäre sie pleite gegangen, hatte sie der RHEINPFALZ im April erzählt. Seit Ostern sei der Betrieb wieder gut angelaufen, doch dann kam die erneute Sperrung am vergangenen Mittwoch. Von dieser habe sie erst drei Tage vorher an Pfingstsonntag erfahren, sagt sie. Da habe ein Zettel im Briefkasten gelegen. Die Baufirma habe in dem Schreiben mitgeteilt, dass die Parkplätze auf dem Marktplatz ab Mittwoch für drei Wochen nicht mehr erreichbar seien. Dort parken aber ihre Gäste, darunter viele alte Menschen, die nicht mehr weit gehen können.

Rettender Vorschlag

„Das war ein Schock für mich, ich konnte die ganze Nacht nicht schlafen“, sagt die gebürtige Kroatin. Sie habe überlegt, die Gaststätte für die Dauer der Bauarbeiten zu schließen und ihre fünf Mitarbeiter für diese Zeit zu entlassen. „Ich war fix und fertig“, sagt sie. Doch dann habe ihr Nachbar Hartmut Risser, der nebenan einen Biobauernhof betreibt, in ihrer Küche vorbeigeschaut und ihr einen Vorschlag gemacht. Er wolle den Autofahrern erlauben, seinen Hof als Durchfahrt zum Marktplatz zu nutzen. Gesagt, getan: Nun weist ein selbstgebasteltes Schild auf diese Möglichkeit hin. Das klappe an sich auch ganz gut, sagt Rissers Frau Anette. Sie weist aber darauf hin, dass nicht auf dem Hof geparkt werden soll. Das sei dem ein oder anderen wohl nicht klar gewesen.

Sajda Sesar ist den Rissers für die Unterstützung dankbar. Sie hat die Gäste über Facebook über die Regelung informiert. In dem Posting macht sie ihrem Ärger Luft. Sie spricht von einer „rücksichtslosen Fehlplanung“, „Politikversagen“ und davon, dass das ganze Restaurant-Team „wütend, aber kämpferisch“ sei. Dafür bekommt sie von der Facebook-Community viel Zuspruch, aber auch die Anmerkung, dass die Baumaßnahmen nun einmal nötig seien.

Wut und Traurigkeit

Im Gespräch mit der RHEINPFALZ kritisiert Sesar, dass sie sich von der Ortsgemeinde und insbesondere von Bürgermeisterin Andrea Schmitt (CDU) nicht wertgeschätzt fühle. Sie hätte sich zum einen gewünscht, dass die aktuelle Sperrung in der Jahnstraße früher angekündigt worden wäre. Zum anderen hätte sie es schön gefunden, wenn sich während der vergangenen neun Monate mal jemand von der Verwaltung bei ihr gemeldet und gefragt hätte, wie sie klarkommt. Anfang des Jahres habe sie einen Brief an Schmitt geschrieben, in dem sie ihre Sorgen schilderte. Der sei aber nie beantwortet worden. „Mein Herz ist gebrochen“, sagt Sesar. Ihr Restaurant sei eine wichtige Anlaufstelle für Touristen und Gäste von außerhalb sowie vor allem für die Senioren im Ort, die den Mittagstisch nutzen, weil sie es nicht mehr schaffen, selbst zu kochen. Außerdem zahle sie seit 35 Jahren Grund-, Gewerbe- und Lohnsteuer, wovon der Ort schließlich auch etwas habe.

Andrea Schmitt sagt, sie habe „totales Verständnis für den Fuchshof“. Das Schreiben, das bei Facebook kursiert, finde sie aber nicht sonderlich nett. Was die aktuelle Sperrung in der Jahnstraße betrifft, betont Schmitt, sie habe davon auch nicht viel früher erfahren als Sesar. Sie wisse es seit Donnerstag. Was die Großbaustelle angeht, verweist Schmitt auf die Bürgerversammlung, die im September kurz vor Baubeginn in der Mehrzweckhalle stattfand: „Frau Sesar hätte zu der Veranstaltung kommen können, dann hätte sie vieles gewusst.“ Was die von der Wirtin bemängelte Kommunikation angeht, sagt Schmitt: „Frau Sesar hätte auch mich anrufen können, das ist keine Einbahnstraße.“

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