Leiningerland / Eisenberg RHEINPFALZ Plus Artikel Neue Defibrillatoren für die Region: So werden die Lebensretter-Geräte benutzt

Ein AED hängt zum Beispiel am Carré Vert neben dem Toilettenhaus auf dem Carrières-sur-Seine-Platz in Grünstadt.
Ein AED hängt zum Beispiel am Carré Vert neben dem Toilettenhaus auf dem Carrières-sur-Seine-Platz in Grünstadt.

Der Lions-Club Grünstadt spendiert in diesen Wochen Kommunen in der Verbandsgemeinde Eisenberg und im Leiningerland Defibrillatoren. Wo in der Region die Geräte angebracht werden, in welchen Situationen man sie benutzt und ob Helfer etwas falsch machen können.

Was macht ein Defibrillator?
Das Gerät, auch Schockgeber genannt, kann durch gezielte Stromstöße über Elektroden, die auf die Haut geklebt werden, lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen beenden beziehungsweise einen Herzstillstand auflösen. Grundsätzlich vorgehalten werden Defis auf Intensivstationen, in Operationssälen, in Notaufnahmen sowie in Rettungsfahrzeugen. Seit den 1990er-Jahren werden zunehmend Automatisierte Externe Defibrillatoren (AED) auch an öffentlich zugänglichen Stellen der Bevölkerung bereitgestellt.

Wo befinden sich momentan Defibrillatoren in der Region?
Nach Informationen aus den Verwaltungen der beiden Verbandsgemeinden Eisenberg und Leiningerland gibt es aktuell 43 solcher Geräte in 15 Ortschaften der Region. In Altleiningen sind es beispielsweise zwei Stück: am Rathaus und am Alten Kerwehaus im Ortsteil Höningen. Das siebenmal so große Grünstadt verfügt gegenwärtig über drei Defis, so viele wie Obrigheim. Hettenleidelheim und Kerzenheim haben jeweils fünf Geräte. Doppelt so viele, also zehn, finden sich in Eisenberg.

Wer hat die Defis finanziert und wer ist der jeweilige Eigentümer?
Derzeit spendiert der Lions Club Grünstadt 18 Defibrillatoren für die Region. Aber solche Geräte werden teilweise auch über den Sportbund bezuschusst – so wie einst ein AED, der beim TuS Sausenheim aufgehängt wurde –, oder über Zuwendungen von Gruppen und Institutionen, die Geld für den guten Zweck gesammelt haben – so wie die Waldhexen, die der Ortsgemeinde Altleiningen vor drei, vier Jahren einen Defi für den Gemeindesaal geschenkt haben. Das Eigentum geht dabei laut Frank Rüttger (CDU), Bürgermeister der Verbandsgemeinde Leiningerland, an die begünstigte Kommune über, die dann auch – eventuell mit Unterstützung der VG – für die Wartungskosten aufkommen muss.

Wie oft müssen die Defis gewartet werden und brauchen sie an ihrem Standort einen Stromanschluss?
Die Schockgeber sollten regelmäßig kontrolliert werden, und etwa alle zwei bis drei Jahre sei die Batterie auszutauschen. „Die kostet ungefähr 200 Euro“, sagt der Kirchheimbolander Kardiologe Martin Jung, der sich sehr dafür einsetzt, dass möglichst flächendeckend Defibrillatoren zur Verfügung stehen. Dort, wo ein Defi installiert werden soll, müsse ein Stromanschluss existieren. Allerdings werde der nicht für den Akku benötigt, sondern für eine Heizplatte in dem runden Gehäuse des AED. „Diese sorgt dafür, dass das Gerät auch im Winter einsatzfähig ist“, erklärt der Arzt.

Woher weiß der Helfer, dass der Defibrillator, der da an einer öffentlichen Stelle hängt, in Ordnung und einsatzbereit ist?
Schaut man von vorn auf das Gerät, so ist irgendwo – bei einem gängigen Modell der niederländischen Firma Stryker, deren deutsche Vertriebszentrale in Duisburg sitzt, im oberen Bereich, rechts neben dem Kopf einer stilisiert dargestellten Person – eine kleine LED. Blinkt diese grün, ist der Apparat einsatzbereit.

So sieht der Defibrillator in Grünstadt, der in einem runden Gehäuse steckt, aus der Nähe aus.
So sieht der Defibrillator in Grünstadt, der in einem runden Gehäuse steckt, aus der Nähe aus.

Wenn jemand zusammengebrochen ist: Wie findet der Helfer heraus, ob in dieser Situation ein Defi eingesetzt werden sollte?
Der Kardiologe Jung erläutert: „Zunächst einmal ist festzustellen, ob der Betroffene bewusstlos ist, indem man auf ihn zugeht, ihn rüttelt und ihn anspricht.“ Ist die Person ohnmächtig, ist die Atmung zu kontrollieren: Entweder legt man ihr eine Hand auf die Brust oder man hält ihr beispielsweise das Glas der Armbanduhr vor die Nase beziehungsweise den Mund und schaut, ob es beschlägt. Auch der Puls ist eine wichtige Vitalfunktion: Er sollte etwa einmal pro Sekunde tastbar sein. „Dafür nimmt man nicht das Handgelenk, weil die Extremitäten bei Bewusstlosen zugunsten lebenswichtiger Organe und des Gehirns kaum mit Blut versorgt werden. Besser ist es, die Halsschlagader zu fühlen.“

Und wenn weder Atmung noch Puls zu spüren sind?
Dann sollte sofort mit der Wiederbelebung begonnen werden – vor allem mit der Herzdruckmassage. Idealerweise wird diese von einem Helfer übernommen, während ein zweiter den Defibrillator holt. Derweil sollte der Notruf 112 gewählt werden.

Kann man bei der Nutzung des AED etwas falsch machen?
„Nein“, sagt Kardiologe Jung. Sobald man die Klappe öffne, gebe das Gerät genaue Anweisungen, was zu tun ist. Auch entscheide es ganz selbstständig, ob eine Schockabgabe sinnvoll ist oder nicht. „Bei einem regulären EKG gibt es keine Stromstöße ab, genauso wenig wie bei einer Nulllinie. Liegen allerdings gefährliche Herzrhythmusstörungen vor, arbeitet der Defibrillator.“ Jung ist es extrem wichtig, zu vermitteln, dass es in jedem Fall besser ist, anzupacken als aus lauter Sorge, etwas falsch zu machen, nichts zu tun. „Ich möchte, dass sich die Leute trauen, bei einem Notfall zu helfen.“

grudefi
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