Grünstadt
Glasfaser: Warum in Grünstadt wieder Straßen aufgerissen werden sollen
Wie zufrieden ist die Grünstadter Stadtverwaltung mit dem bisherigen Glasfaser-Ausbau, den der Staat im Kreis Bad Dürkheim mit Fördermillionen subventioniert?
Die Firma Deutsche Glasfaser/Inexio bekommt 50 Millionen Euro dafür, dass sie Haushalte im Kreis Bad Dürkheim mit Glasfaser-Anschlüssen versorgt. So sollen auch Straßenzüge ans schnelle Internet kommen, um die sich ohne diese üppige Subvention kein Anbieter kümmern würde. Allerdings hat das Unternehmen die Fristen immer wieder gerissen, sich zudem viele Vorwürfe wegen schlampiger Bauausführungen und mangelhafter Kommunikation eingehandelt. Zum aktuellen Stand hat die Grünstadter Stadtverwaltung zuletzt angemerkt: Kreisweit laufe der Glasfaserausbau „weiterhin schleppend“, zur Lage in der Stadt bekomme sie keine aktuellen Informationen. „Daher können weiterhin keine zeitlichen Aussagen zur Fertigstellung der Tiefbauarbeiten und zur Inbetriebnahme der Ortsnetze gegeben werden.“
Lässt sich der aktuelle Stand in Grünstadt trotzdem ein bisschen genauer beschreiben?
Die Stadtverwaltung geht davon aus, dass Deutsche Glasfaser/Inexio in Grünstadt noch 600 Meter Tiefbauarbeiten, 15 Straßenquerungen sowie 34 Nachbesserungen an schon wieder verschlossenen Stellen erledigen muss. Nach Angaben eines Unternehmenssprechers hingegen ist die ausstehende Tiefbau-Strecke nurmehr halb so groß, die übrigen Angaben allerdings seien „von der Größenordnung her“ zutreffend. Einem am Freitag veröffentlichten Bauzeitenplan zufolge ist das Netz in Asselheim und Sausenheim sowie in nahezu allen Leiningerland-Ortsgemeinden bereits in Betrieb. Es fehlen nurmehr Bissersheim sowie die Grünstadter Kernstadt, dort soll dieses Ziel in der dritten Septemberwoche erreicht sein.
Und wieso kommt jetzt auf einmal noch eine Firma ins Spiel?
Unabhängig vom subventionierten Ausbau haben Unternehmen das Recht, Kunden mit Glasfaser-Anschlüssen zu versorgen, dafür Leitungen zu verlegen und deshalb Straßen aufzugraben. Nach Angaben aus dem Rathaus hatten schon in der Vergangenheit Anbieter Interesse an Teilen des Grünstadter Stadtgebiets gezeigt, sich dann aber doch wieder zurückgezogen. Nun allerdings scheint sich eine Firma gemeldet zu haben, die es ernst meint: die NGN Telecom, die mit der Marke „DBN – das bessere Netz“ wirbt.
Was weiß man über diese Firma?
Ihr Sitz ist in Schwäbisch Hall, eigenen Angaben zufolge verlegt sie gerade Glasfaser-Leitungen etwa im niedersächsischen Kreis Lüchow-Dannenberg und der Region Mittelweser. Wer nach Kundenbewertungen für DBN googelt, bekommt von der Suchmaschinen-KI eine abschreckende Zusammenfassung: Die Erfahrungen seien „überwiegend negativ, mit häufigen Beschwerden über langsame Geschwindigkeiten, häufige Ausfälle, schlechten Kundenservice und eine problematische Vertragsabwicklung“. Allerdings kann so eine automatisiert erstellte Bilanz auch verzerrt sein. Die RHEINPFALZ hat die NGN Telecom am vergangenen Montag gefragt, worauf sie ihre schlechte Bewertung zurückführt. Eine Antwort gibt’s bislang nicht.
Welchen Eindruck hat die Stadtverwaltung von dem Unternehmen?
Einen guten. Zunächst einmal ist die Verwaltung froh, dass sich die NGN des gesamten Stadtgebiets samt Asselheim und Sausenheim annehmen will. Denn frühere Interessenten hätten lediglich einzelne, als besonders lukrativ eingeschätzte Quartiere versorgen wollen. Außerdem habe sich die Firma in mehreren Gesprächen sehr entgegenkommend präsentiert: Sie werde bei Bauarbeiten freiwillig Mehrkosten in Kauf nehmen, um die städtischen Straßen und Flächen möglichst schonend zu behandeln.
Aber aufgegraben wird wieder?
Zunächst einmal wird das Unternehmen nach Verwaltungsangaben in Grünstadt um Kunden werben. Aus deren Adressen ergibt sich dann, wo und in welchem Umfang neue Kabel verlegt werden. Die Stadtverwaltung rechnet aber damit, dass es in jedem Fall zu neuen Bauarbeiten kommen wird.
Kann NGN nicht einfach die Leitungen mitbenutzen, die Deutsche Glasfaser/Inexio in Grünstadt gerade verlegen?
So weit es technisch möglich ist, muss Deutsche Glasfaser/Inexio das subventionierte Netz auch anderen Anbietern zur Verfügung stellen. Die können dann also eigene Kabel in vorhandene Leerrohre packen, bislang ungenutzte Stränge übernehmen oder Leitungskapazitäten mitbenutzen. Allerdings wird Deutsche Glasfaser/Inexio eigenen Angaben zufolge dafür Miete verlangen. Ein Sprecher erläutert: Die geförderten Leitungen im Kreis Bad Dürkheim sind nicht komplett mit öffentlichen Mitteln finanziert, also muss Deutsche Glasfaser/Inexio mit ihnen auch noch Geld verdienen können.
Kann Deutsche Glasfaser/Inexio andere Anbieter dann nicht einfach vergraulen, indem sie für Netz-Mitbenutzung Wuchermiete verlangt?
Der Firmensprecher beteuert, dass Deutsche Glasfaser/Inexio das nicht tun würde. Außerdem gebe es die staatliche Netzagentur, die in so einem Fall als Schiedsstelle eingreifen und Wucher unterbinden könnte.
Wie will NGN in Grünstadt Kunden finden?
Das Unternehmen will laut Stadtverwaltung keine Vertreter durch die Straßen schicken, die an Häusern klingeln und Menschen vielleicht überrumpeln. Stattdessen suche die Firma nach einer Anlaufstelle in der Fußgängerzone, und sie wolle bei Informationsveranstaltungen für ihr Angebot Marke „DBN – das bessere Netz“ werben.