Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Glasfaser in Grünstadt: So reagiert Anbieter DBN auf Grundsatz-Kritik

Gingen beim Grünstadter Fasnachtsumzug mit: Werber des Glasfaser-Anbieters DBN, der nun auf den offiziellen Schlusstermin seiner
Gingen beim Grünstadter Fasnachtsumzug mit: Werber des Glasfaser-Anbieters DBN, der nun auf den offiziellen Schlusstermin seiner Kampagne zusteuert.

Ein Unternehmen will ganz Grünstadt mit schnellem Internet versorgen, stößt aber auch auf Unmut. Was Bürger am Angebot bemängeln und wie die Firma darauf antwortet.

Um bei den Grünstadtern gut anzukommen, ziehen die Glasfaser-Vermarkter von DBN („Das bessere Netz“) inzwischen alle Register: Ende Januar etwa luden sie potenzielle Kunden zu „Punsch und Snacks“ im Asselheimer Pfalzhotel ein. Am Faschingsdienstag marschierten sie verkleidet beim Fasnachtsumzug mit. Und an diesem Wochenende bitten sie mit Pfälzer Zungenschlag zum „Friehschobbe“ im Carré-Vert, setzen dabei auf die Zusammenarbeit mit Winzern und Vereinen.

Ausbau nur unter Bedingung

Mit diesen Auftritten – am Samstag ab 9 und am Sonntag ab 11 Uhr – endet nach bisheriger Planung aber auch die Vorvermarktungs-Phase. Anfang nächster Woche will das Unternehmen verkünden, ob und wie es danach weitergeht. Denn sein Geschäftsmodell unterscheidet sich vom subventionierten Ausbau, der sich im Kreis Bad Dürkheim schon seit Jahren hinzieht und für den hier die Firma Inexio zuständig ist: Sie bekommt für den Glasfaser-Ausbau etwa 50 Millionen vom Staat.

Anlaufstelle für potenzielle Kunden: DBN-Laden in der Grünstadter Bahnhofstraße.
Anlaufstelle für potenzielle Kunden: DBN-Laden in der Grünstadter Bahnhofstraße.

Aber sie verlegt ihre Leitungen nur dort, wo es sich früheren Berechnungen zufolge ohne diese Förderung für keinen Anbieter rechnen würde. In Grünstadt gilt das nur für Teilbereiche des Stadtgebiets. DBN hingegen will die Grünstadter Kernstadt, das Industriegebiet sowie die beiden Ortsteile Sausenheim und Asselheim flächendeckend und auf eigene Rechnung versorgen – aber nur, wenn etwa 30 Prozent der Haushalte vorab einen Anschluss-Vertrag unterschrieben haben.

Quote zu 70 Prozent erreicht

Um diese Quote zu erreichen, hat das Unternehmen seine Werbekampagne bereits einmal verlängert und so das Februar-Ende zum neuen Schlusstermin erklärt. Unmittelbar davor ist der Soll-Wert nach DBN-Angaben zu etwa 70 Prozent erreicht, aber auch Kritik an der Firma hält an. Irritationen gab’s aus gleich mehreren Gründen. So hatte der damalige Bürgermeister Klaus Wagner (CDU) im vergangenen Herbst angekündigt, dass der neue Glasfaser-Anbieter auf Haustür-Werber verzichten werde.

Wirkte „in der Tat unglücklich“: von DBN verschicktes Schreiben des damaligen Bürgermeisters an alle Grünstadter.
Wirkte »in der Tat unglücklich«: von DBN verschicktes Schreiben des damaligen Bürgermeisters an alle Grünstadter.

Doch dann zogen DBN-Vertreter trotzdem von Anwesen zu Anwesen, bisweilen sollen sie dabei zu nachdrücklich aufgetreten sein. Außerdem hatte das scheidende Stadtoberhaupt ein freundliches Schreiben verfasst, das die Firma an alle Haushalte schickte. So entstand der Eindruck, dass Wagner in offizieller Mission Werbung für ein Unternehmen macht. Hinterher sagte der Bürgermeister: Wie der Glasfaser-Anbieter seinen Brief verwendet habe, sei „in der Tat unglücklich“ gewesen.

Zu viele Plakate aufgehängt

Zwischendurch schritt die Verwaltung auch noch ein, weil das Unternehmen die Stadt mit zu vielen Werbeplakaten überzogen hatte. Unterm Strich allerdings bekommt es aus dem Rathaus weiter ein gutes Zeugnis: Es habe schnell auf Beschwerden über einzelne Werber reagiert, Bürger-Rückmeldungen an die Verwaltung seien „überwiegend positiv“ ausgefallen. Doch es gibt Grünstadter, denen nicht nur die Werbekampagne missfällt: Sie haben grundsätzliche Vorbehalte gegen das DBN-Angebot.

Mehr als erlaubt: Zeitweise hingen zu viele DBN-Plakate in Grünstadt.
Mehr als erlaubt: Zeitweise hingen zu viele DBN-Plakate in Grünstadt.

Einer von ihnen ist Karl-Peter Simon. Der Elektroingenieur und einstige Geschäftsführer einer Firma für Getriebemotoren vermisst wie andere Kritiker, was im Fachjargon „Open Access“ (Freier Zugang) heißt. In so einem Modell würde DBN zwar Leitungen verlegen, sie dann aber gegen Gebühr für weitere Anbieter freigeben. Nutzer können sich somit ihren Zugang zum schnellen Netz auch bei der Konkurrenz zu holen – eine Möglichkeit, die andere Glasfaserkabel-Verleger ihren Kunden sehr wohl eröffnen.

Für Wahlfreiheit einsetzen

Simon warnt vor einem DBN-Monopol in Grünstadt und sagt: Die Stadtverwaltung hätte sich dafür einsetzen sollen, dass auch hier Glasfaser-Kunden Wahlfreiheit garantiert wird. Erzwingen allerdings lässt sich da nichts. Denn wenn ein Unternehmen irgendwo seine Leitungen verlegen will, hat es das gesetzlich verbriefte Recht dazu. Vorgaben kann eine Kommune nur zu baulichen Details machen, aber nicht zum eigentlichen Geschäftsmodell. Einfluss nehmen könnte die Stadt aber trotzdem, meint der Ingenieur.

So hätte sie zum Beispiel Open-Access-Anbieter mit einer eigenen Förderung ködern können. Oder eine Allianz mit größeren Betrieben vor Ort schmieden, die dann als besonders attraktive potenzielle Kunden einen Anbieter mit Wahlfreiheits-Garantie nach Grünstadt locken. Die Verwaltung allerdings setzt darauf, dass die DBN-Leitungen künftig ohnehin geöffnet werden. Schließlich beteuert Thomas Plümacher, der lokale Chef-Vermarkter der Firma, dass sie genau das ohnehin anstrebt.

DBN-Vertreter: Im eigenen Interesse

Der für Grünstadt zuständige DBN-Mann erläutert: Eine Zusammenarbeit mit anderen Anbietern steigere die Netzauslastung und trage so dazu bei, dass der Leitungs-Eigentümer seine Ausbaukosten schneller wieder einspielen kann. Dass sein Unternehmen „Open Access“ trotzdem bislang nicht im Programm hat, erläutert er so: Der Netzausbau auf eigene Kosten sei für seinen Arbeitgeber noch ein recht neues Geschäftsmodell. Also habe er noch keine Kooperationsverträge abgeschlossen.

Bis wann das geschehen soll, lässt Plümacher allerdings offen: „Solche Verhandlungen sind naturgemäß kompliziert und daher langwierig.“

Im Erklär-Einsatz: DBN-Chefvermarkter Thomas Plümacher (links).
Im Erklär-Einsatz: DBN-Chefvermarkter Thomas Plümacher (links).
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