Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Getöteter Schaffner: Pendler in Grünstadt zwischen Angst und Alltag

Auch am Grünstadter Bahnhof wurde des getöteten Schaffners gedacht.
Auch am Grünstadter Bahnhof wurde des getöteten Schaffners gedacht.

Der Schriftzug zur Schweigeminute leuchtet, viele schauen weg. Was löst der Fall des getöteten Zugbegleiters Serkan C. bei Pendlern in Grünstadt aus?

Am Grünstadter Bahnhof erscheint am Mittwoch um 15 Uhr der Hinweis auf die Schweigeminute für den getöteten Zugbegleiter Serkan C. als Schriftzug auf den digitalen Anzeigetafeln des Bahnhofs. Davon nehmen jedoch die wenigsten der an den Bahnsteigen wartenden Zugreisenden Notiz. Geschwiegen wird hier nicht.

Die Eisenbahner haben am Mittwochnachmittag bundesweit ihres getöteten Kollegen gedacht. Dazu hatte die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) aufgerufen. Der 36 Jahre alte Zugbegleiter war am Montagabend in einem Regionalexpress zwischen Landstuhl und Homburg von einem Schwarzfahrer während einer Ticketkontrolle angegriffen worden. Der Kontrolleur musste noch im Zug reanimiert werden. Am Mittwochmorgen erlag der alleinerziehende Vater zweier Kinder aus Ludwigshafen seinen schweren Verletzungen im Krankenhaus. Die Tat hat bundesweit Entsetzen ausgelöst.

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Gemischte Gefühle

Ein „grausamer“ Fall sei das, sagt Ahmad Horo, der auf seinen Zug nach Bad Dürkheim wartet. Um zur Arbeit nach Grünstadt und zurück nach Hause zu kommen, nehme er normalerweise das Rennrad, sagt der junge Pendler. Nur wenn das Wetter nicht mitspielt, fahre er mit dem Zug. Der Fall erschüttere ihn, aber er versuche, das nicht so nah an sich heranzulassen. Denn passieren könne leider immer etwas, egal ob bei der Fahrt zur Arbeit oder beim Einkaufen: „Man weiß nie, was kommt.“

Auch Kateryna Matvieieva und ihre Freundin Anastasia Bihus warten auf den Zug. Die jungen Ukrainerinnen nutzen ihn oft, um in die Berufsschule und zur Arbeit zu kommen und sind unterschiedlicher Meinung, was die Sicherheit in den Regionalbahnen betrifft. Matvieieva sagt, sie fühle sich sicher. Bihus gibt an, sie fühle sich unsicher, wenn Männergruppen mit im Abteil sind.

Ständige Furcht

Ein wenig entfernt von den beiden steht eine weitere Wartende, die ihren Namen aber nicht in der Zeitung lesen will. Sie habe inzwischen überall Angst, egal ob bei der Arbeit, beim Einkaufen oder im Zug, sagt sie. Auf die Frage warum, antwortet sie: „Weil überall so viel passiert.“ Immerhin: Während ihrer kurzen Zugfahrten nach Eisenberg habe sie noch nichts Schlimmes beobachtet.

Jochen und Erika Wendler aus Ludwigshafen fühlen sich am Grünstadter Bahnhof sowie in den Regionalzügen sicher. Das gelte auch für Ludwigshafen, sagen die beiden. Das Rentnerehepaar fährt regelmäßig mit dem Zug nach Bad Dürkheim und Bockenheim und kann nicht von unangenehmen Erlebnissen berichten. Der Fall des getöteten Schaffners hat jedoch auch sie erschüttert. „Die Hemmschwelle bei den Leuten sinkt immer mehr“, sagt Erika Wendler.

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