Carlsberg RHEINPFALZ Plus Artikel Feuer verwüstet Kirche: Katholiken-Vorsitzende weist Unfall-Theorie zurück

Ein trauriges Bild: Die Marienstatue ist vom Feuer komplett zerstört worden.
Ein trauriges Bild: Die Marienstatue ist vom Feuer komplett zerstört worden.

Ein Brand hat am Montag die Kirche Heilig Kreuz in Carlsberg verwüstet. Am Tag danach berichtet die Gemeindeausschuss-Vorsitzende, was ihr das Gotteshaus bedeutet. Und sie lässt erkennen, dass sie einen schlimmen Verdacht hegt.

Ist einfach eine Kerze umgefallen oder gibt es Anzeichen für Brandstiftung? Wie hoch ist der Gesamtschaden? Noch können diese Fragen zum Feuer in der katholischen Kirche Heilig Kreuz in Carlsberg nicht beantwortet werden. Kripobeamte sind zwar am Dienstag in dem Gotteshaus gewesen, um sich den Unglücks- oder Tatort im Detail anzuschauen. Allerdings fehlen ihnen wesentliche Informationen „und sie erreichen den Verantwortlichen der Pfarrei nicht“, hieß es auf RHEINPFALZ-Anfrage aus der Kriminalinspektion in Neustadt.

„Wir müssen zum Beispiel wissen, ob die Kirche geöffnet oder die Tür abgeschlossen war“, sagte eine Sprecherin. Außerdem wäre wichtig zu wissen, wie die Kerzen aufgebaut und ob sie entzündet waren. „Leider können wir noch nicht mehr sagen, als das, was Polizei und Wehr bereits am Montag berichtet haben“, erklärte die Beamtin am Dienstagnachmittag.

Fenster mussten zerschlagen werden

Die Freiwillige Feuerwehr, die am Vortag mit einem Großaufgebot aus 57 Männern und Frauen in 17 Fahrzeugen aus Carlsberg, Altleiningen, Hettenleidelheim und Wattenheim angerückt war, hatte informiert, dass sie der Alarm um 15.22 Uhr erreicht hatte. Der erste Trupp drang unter Atemschutz in den Sakralbau vor und konnte die Flammen schnell unter Kontrolle bringen. Der Brand ist im Haupteingangsbereich ausgebrochen, links neben dem Portal. Dort sollen laut Polizei viele Kerzen gestanden haben.

Komplett den Flammen zum Opfer gefallen ist der Beichtstuhl.

Auch eine Marienstatue und andere Einrichtungsgegenstände sind zerstört. Der Innenraum der Kirche ist rußgeschwärzt. Die Wehrleute mussten etliche der kleinteiligen Fenster mit dem nach oben spitz zulaufenden Stabwerk des 1874 errichteten neugotischen Sakralbaus zerschlagen, um den Qualm aus dem Kirchenschiff zu vertreiben. Der Einsatz zog bis in die Abendstunden hin.

„Der Tag hatte mit viel Freude begonnen“

„Erst erschrocken, dann wütend und schließlich traurig.“ So beschreibt die Vorsitzende des Gemeindeausschusses Altleiningen-Carlsberg-Hertlingshausen, Anna Majunke, ihre Gefühle, als sie vom Brand in ihrer schönen Kirche erfuhr. Dabei habe der Montag für sie „mit viel Freude angefangen“, wie sie erzählte. „Um 9.30 Uhr bin ich durch die Sakristei in die Kirche gekommen, um am Altar ein Zeichen in Form von Kaffeebohnen für die Kinderfastenaktion zur Situation der Kaffee-Kleinbauern in Kolumbien zu legen.“

„Danach bin ich zur Madonnenstatue gegangen, um zwei Kerzen für die Verstorbenen unserer Gemeinde anzuzünden“, sagt Majunke. Zur Idee, die Kerzen seien vielleicht umgefallen und hätten den Brand auslösen können, entgegnet sie: „Die standen auf massiven schmiedeeisernen Ständern. Unter den Teelichten war ein Sandbett. Da konnte nichts von allein umfallen.“

Sirenen während der Trauerfeier

Am Nachmittag habe sie mit ihrem Mann, Bürgermeister Werner Majunke (CDU), eine Trauerfeier in Hertlingshausen besucht. „Während der Zeremonie haben wir die Sirenen der Feuerwehr gehört“, berichtet sie. Anschließend sei sie zusammen mit ihrem Gatten zu Fuß zurück nach Carlsberg gelaufen. „Unterwegs kam uns der evangelische Pfarrer Julian Kraul im Auto entgegen. Er sagte uns: ,Eure Kirche brennt’.“

Der Geistliche nahm die beiden in seinem Wagen mit, „und hat uns gleich Hilfe angeboten“, so die Gemeindeausschussvorsitzende. Entsetzt habe sie ihren Mann gefragt: „Wer macht so etwas?“ Für Anna Majunke hat die Kirche eine große Bedeutung. „Dort finde ich – wie viele andere – Kraft, Stille und ein Gespräch mit Gott.“ Dann könne sie „das wunderbare Haus bewundern, das so viel Liebe ausdrückt“.

Pfarrer nicht erreichbar und Bistum sagt nichts

Der Leitende Pater Clifford Chikeobi Modum, der der katholischen Pfarrei Heiliger Lukas in Hettenleidelheim vorsteht und für neun Kirchengemeinden, darunter die in Carlsberg-Hertlingshausen, zuständig ist, war für die RHEINPFALZ nicht erreichbar. Das Bistum Speyer wollte „während der laufenden Ermittlungen der Kripo“ keine Auskunft geben. Lediglich, dass die Gottesdienste wohl vorerst in Hertlingshausen in der Kirche Maria vom Frieden laufen werden, war zu erfahren.

Ermittler gehen von Brandstiftung aus: Zum neuesten Stand geht’s hier.

Der Treppe vor dem Portal der Kirche verrät, was drinnen passiert sein muss. Links um die Ecke stand der Beichtstuhl in Flammen.
Der Treppe vor dem Portal der Kirche verrät, was drinnen passiert sein muss. Links um die Ecke stand der Beichtstuhl in Flammen.
Zerschlagen und geöffnet: eines der Fenster der Kirche.
Zerschlagen und geöffnet: eines der Fenster der Kirche.
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