Carlsberg RHEINPFALZ Plus Artikel Brandstiftung in Carlsberger Kirche: Verbindung zu anderen Vorfällen?

Großeinsatz am vergangenen Montag: die Feuerwehr vor der Carlsberger Kirche.
Großeinsatz am vergangenen Montag: die Feuerwehr vor der Carlsberger Kirche.

Am Montag hat ein Feuer in der Carlsberger Heilig-Kreuz-Kirche gewütet, seit Freitag haben Ermittler nach Bistumsangaben eine Theorie zur Ursache: Sie gehen von Brandstiftung aus. Nun werden sie mögliche Verbindungen zu anderen Vorfällen im Dorf und am Gotteshaus prüfen müssen.

Seit am Montagnachmittag ein Feuer ihr Inneres verwüstet hat, ist die katholische Kirche in Carlsberg versiegelt. Am Freitagvormittag haben sich ihre Pforten dann wieder geöffnet, aber nur für die Kriminalpolizei: Die Ermittler haben nach Spuren gesucht, die Rückschlüsse auf die Brandursache erlauben. Zuständig für solche Analysen sind Fachleute, die dafür besonders geschult sind. Doch trotz ihres Fachwissens: Ihr Vorgehen hat viel mit gesundem Menschenverstand zu tun.

Die Fragen nach den Kerzen

Zunächst einmal prüft so ein Experte in aller Regel, wo die Flammen die schwersten Schäden angerichtet haben. Denn dort haben sie meist auch besonders lange gewütet – was zu der Stelle führt, an dem das Feuer ausgebrochen sein muss. Wenn genau dort zum Beispiel die verkohlten Überreste eines Wäschetrockners oder einer Akku-Ladestation stehen, spricht viel für einen technischen Defekt. Und in einer katholischen Kirche drängt sich die Frage nach Kerzen auf.

Die stehen üblicherweise zum Beispiel auf dem Altar, werden dort aber meist nur für die Zeit des Gottesdienstes angezündet und hinterher wieder gelöscht. Unbewacht bleiben hingegen die Opferlichter, die Gläubige etwa vor Marien- oder anderen Heiligenstatuen als Symbol für ihre Gebete aufstellen können. Allerdings gibt es für solche vor Ort bereitgelegte Kerzlein Metallständer mit passgenauen Halterungen, die ein brandgefährliches Umfallen zuverlässig verhindern.

Kirchenfeindliche Schmiererei

Nach Bistumsangaben sind die Ermittler nach ihren Untersuchungen am Freitag daher tatsächlich zu dem Ergebnis gekommen, dass in Carlsberg ein Brandstifter am Werk gewesen sein muss. Eine offizielle Bestätigung von Polizei und Staatsanwaltschaft steht allerdings noch aus, sie wird wohl erst am Montag veröffentlicht. Unklar bleibt damit, ob die Strafverfolger bei der Suche nach dem Täter bereits in eine konkrete Richtung denken – und welche Bedeutung sie früheren Vorfällen im Dorf zumessen.

Im Herbst 2021: kirchenfeindliche Schmiererei an der Außenwand.
Im Herbst 2021: kirchenfeindliche Schmiererei an der Außenwand.

Im Herbst 2021 war das Carlsberger Gotteshaus schon einmal von außen attackiert worden. Damals prangten Hakenkreuze auf den Sandsteinwänden des Gotteshauses, außerdem stand „Scheiß Kirche“ auf einer der Fassaden. Besprüht wurden damals aber auch die Rutsche und weitere Geräte auf einem Spielplatz und die Mauer eines privaten Anwesens – was dann doch eher an einen Dummejungenstreich als an einen Coup womöglich rechtsextremer Christenhasser denken ließ.

Eine Vandalismus-Welle

Ende vergangenen Jahres häuften sich dann kleinere Vandalismusfälle im Ort: Unbekannte rissen Schilder um und sprengten Mülleimer, kurz vor Silvester wurde auf dem Bürgerhaus-Gelände eine vom Adventsmarkt zurückgebliebene Verkaufsbude zusammengetreten. Geschätzter Schaden allein in diesem Fall: 1500 Euro. Nach Angaben des Beigeordneten Patrick Schmitt (CDU) bemüht sich die Ortsgemeinde nun um eine intensivere Jugendarbeit. Und sie hat die Polizei eingeschaltet.

Vor der Verwüstung: Blick ins Kicheninnere.
Vor der Verwüstung: Blick ins Kicheninnere.

Außerdem haben sich der Kommunalpolitiker und seine Mitstreiter auch selbst im Dorf umgehört, sind bislang aber auf keine heiße Spur gestoßen. Dass dem Ermittler-Befund zufolge nun auch noch eine Kirchen-Brandstiftung aufzuklären ist, bezeichnet Schmitt als schockierende Nachricht. Bei der Frage nach möglichen Zusammenhängen bleibt der Bürgermeister-Vertreter aber zurückhaltend, er gibt zu bedenken: Es geht hier um verschiedene Taten von doch sehr unterschiedlicher Schwere.

Frühere Zündler-Spuren

Allerdings gibt es auch Hinweise auf vorangegangene Vorfälle, bei denen sich ein direkter Bezug zum Brand in der Heilig-Kreuz-Kirche aufdrängt: Nach RHEINPFALZ-Informationen waren im Gotteshaus schon vor Montag Zündler-Spuren entdeckt worden. Wie schlimm die nun beim Feuer am Montag entstandenen Schäden sind, ist nach Bistumsangaben noch offen. Unmittelbar nach den Löscharbeiten war klar, dass der Beichtstuhl und eine hölzerne Marienstatue zerstört sind.

Außerdem hat sich im Innenraum Ruß abgelagert. Und die Feuerwehr hat Fenster eingeschlagen, damit der Rauch abzog. Mit genaueren Erkenntnissen zu den Verwüstungen rechnet die Diözese nach der Freigabe der Kirche durch die Ermittler im Lauf der nächsten Woche.

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