Leiningerland RHEINPFALZ Plus Artikel Feuer-Serie: Was für Brandstiftung spricht

Vollständig abgebrannt: die Reste des Hexenhäuschens bei Altleiningen. Während die Wehren am Dienstagabend gegen dieses Feuer kä
Vollständig abgebrannt: die Reste des Hexenhäuschens bei Altleiningen. Während die Wehren am Dienstagabend gegen dieses Feuer kämpften, brannte es auch wieder an anderen Stellen in der Nähe.

Im Leiningerland hat es seit Montag verdächtig oft gebrannt. Ist da ein Feuerteufel am Werk? Die Kriminalpolizei ermittelt, will sich noch nicht festlegen. Aber sie signalisiert: Anhaltspunkte für den bösen Verdacht gibt es durchaus.

Dass die Flammen auch auf den Wald übergreifen und sich dort ausbreiten, konnte die Feuerwehr am Dienstagabend noch verhindern. Doch das Altleininger Hexenhäuschen war nicht mehr zu retten: Von der Holzhütte sind nur verkohlte Trümmer geblieben. Immerhin: Laut Ortsbürgermeister Gunther Schneider (WG Dennhardt) war sie versichert. Doch bitter ist das alles trotzdem. Schließlich hat das Haus mit angrenzendem Geräteschuppen rund 80 Jahre lang dort gestanden. Und Freiwillige hatten es gerade erst auf Vordermann gebracht.

Burgspieler ohne Kulisse

Der Bürgermeister berichtet: „Während Corona haben sich die Waldboys gegründet und jede Menge ehrenamtliches Engagement und viel Spendengelder in das Blockhaus gesteckt.“ Eine Küchenzeile und eine Theke seien eingebaut, der Boden gefliest worden. Auch der Außenbereich wurde neu angelegt. Das Häuschen sei vermutlich um den Zweiten Weltkrieg herum als Schutzhütte für Waldarbeiter errichtet worden. Bis zur Pandemie wurde es rege genutzt, etwa für Forst-Schulungen, für Jägerprüfungen und Treffen der Waldhexen.

Folgen hat der Brand nun auch für die Altleininger Burgspieler. Sie hatten den Holzbau in ihr Stationen-Theater eingebunden: als Knusperhäuschen in „Hänsel und Gretel“. Das ganze Bühnenbild sei verbrannt, sagt Martin Steinmetz: Es geht um vom Forstamt geliehene Holztiere, einen für das Märchen gebauten Ofen und einen Aluminium-Käfig, der rund 20 Jahre lang bei vielen Stücken im Einsatz war. Der finanzielle Schaden halte sich wohl in Grenzen. Aber: „Wir haben noch acht ausverkaufte Vorstellungen und müssen komplett umplanen.“

Misstrauen in der Wehr

Wenn die Aufführungen abgesagt würden, bedeute das für die Burgspieler einen Verlust von rund 2000 Euro, rechnet Steinmetz vor. Er sinniert: Es sei schon komisch, dass eine massive Hütte einfach abbrennt. Wobei er längst nicht der Einzige ist, der misstrauisch klingt. Auch im Verbandsgemeinde-Rathaus sind Mutmaßungen über einen Serien-Brandstifter angekommen. Und Feuerwehrleute zweifeln ebenfalls daran, dass ihre Einsätze in den vergangenen Tagen nur auf die Hitze oder den Leichtsinn unvorsichtiger Leute zurückzuführen sind.

Am Montag verhinderten die Freiwilligen vor allem, dass ein Flächenbrand auf Wohnhäuser in Neuleiningen übergreift. Und am Dienstag hielt eine Brandserie rund 150 Feuerwehrleute aus der gesamten Verbandsgemeinde sowie aus Grünstadt und Eisenberg mit mindestens 30 Fahrzeugen in Atem. Los ging es um 8.25 Uhr. Da qualmte es in einem Bereich zwischen Altleiningen und Carlsberg, der bereits am Montagabend gebrannt hatte. Um 11.41 Uhr folgte ein Alarm wegen eines neuen Flächenbrands, diesmal auf einem Feld in Carlsberg.

Wehrleute schon gebunden

Der allerdings entpuppte sich als Fehlalarm, ein Feuerwehrsprecher erläutert: Bei Trockenheit werde bei Mäharbeiten oft Staub aufgewirbelt, der aus der Entfernung wie Rauch aussieht. Doch um 13.14 Uhr wurde es wieder ernst: Schmorbrand an einem Auto in Gerolsheim, auf das ein brennender Blumentopf gefallen war. Um 14.02 Uhr kam ein Feuer in der Erdekaut dazu: Etwa 50 Meter neben der Umgehung standen bei Hettenleidelheim rund 150 Quadratmeter in Flammen. Und kurz darauf brannte eine 20-mal so große Fläche am Oberselighof in Carlsberg.

Dieses Feuer wurde um 14.49 Uhr gemeldet, breitete sich schnell aus und beschäftigte mehrere Wehren gleich drei Stunden lang. Gebunden waren dort auch die Freiwilligen aus Hettenleidelheim. Prompt brannten um 15.29 Uhr in deren Dorf im Staufer Weg Sträucher, die daher Kameraden aus Bockenheim-Kindenheim, aus Kirchheim-Kleinkarlbach, aus Eisenberg und aus Tiefenthal löschten. Um 16.59 Uhr mussten unter anderem die Grünstadter Wehrleute auf der Autobahnraststätte Pfalz an der A6 in Wattenheim aushelfen.

Steilhang in Flammen

Denn aufgrund eines technischen Defektes hatte ein Lastwagen-Reifen gebrannt. Der nächste Notruf kam dann um 18.40 Uhr vom Frauenthal in Carlsberg. Der Feuerwehrsprecher berichtet: „Dort standen rund 3000 Quadratmeter an einem steilen Hang in Flammen.“ Die Löscharbeiten gestalteten sich schwierig und dauerten mindestens drei Stunden. Der Brand des Hexenhäuschens wurde um 18.42 Uhr gemeldet. Um 19.40 Uhr gab es ein großflächiges Feuer auf dem Zimmerberg in Altleiningen. Bis 1 Uhr nachts dauerte der Einsatz dort.

Der Feuerwehrsprecher sagt: „Ohne Unterstützung von Landwirten und Unternehmern, die uns Löschwasser brachten, wäre das alles noch langwieriger gewesen.“ Und ab 21.30 Uhr banden auch Glutnester am Steilhang in Neuleiningen wieder Einsatzkräfte. Altleiningens Bürgermeister Schneider sagt: „Wir haben die Abschlussparty unserer Kerwe abgeblasen. Man kann nicht feiern, wenn um uns herum Wehrleute ihr Leben riskieren.“ Er ist überzeugt, dass diese „Altleininger Feuerkerwe“ den Menschen lange im Gedächtnis bleiben wird.

Was den Ermittlern auffällt

Wegen des Hexenhäuschens will er jetzt Anzeige gegen Unbekannt erstatten. Allerdings ermittelt die Polizei ohnehin, zuständig sind Kriminalbeamte aus Neustadt. Ihr Sprecher lässt erkennen: Einige Fälle – etwa der des Lastwagen-Reifens auf der Autobahn und der des vom Balkon gestürzten Blumentopfes in Gerolsheim – dürften sich auf technische Defekte oder Fahrlässigkeit zurückführen lassen. Doch unterm Strich sehen die Kriminalisten durchaus Anhaltspunkte dafür, dass im Leiningerland gerade ein Brandstifter sein Unwesen treiben könnte.

Denn wenn es in einem so kleinen Gebiet in so kurzer Zeit so häufig brennt, ist selbst bei großer Hitze und Trockenheit Misstrauen angebracht. Naheliegend finden die Ermittler schon auf den ersten Blick die Idee, dass drei der Dienstags-Brände auf einen Täter zurückzuführen sein könnten: der am Nachmittag bei Carlsberg-Hertlingshausen und die am Abend am Hexenhäuschen und auf dem Zimmerberg. Dazu passt, was ein Feuerwehrsprecher über letzteren sagt: „Wir fanden drei Brandstellen vor.“

Einsätze auch am Mittwoch

Festlegen werden sich die Ermittler aber wohl erst am Freitag. Bis dahin wollen sie die Brandstellen genauer untersuchen. Außerdem hoffen sie auf Hinweise von Zeugen. Übrigens: Ruhe hatten die Wehren auch am Mittwoch nicht. Gegen 7.54 Uhr brannte es erneut am Zimmerberg. Und um etwa 10 Uhr wurde wieder Qualm am Hexenhäuschen gesichtet. Am Spätnachmittag eilten etwa 45 Wehrleute mit zehn Fahrzeugen noch einmal nach Carlsberg-Frauenthal, zu löschen war ein schwer zu lokalisierender Schmorbrand auf 200 Quadratmetern Fläche.

Ein Feuerwehrsprecher schließt aus, dass dort Glutnester vom Vortag wieder aufgelodert sein könnten: „Das war ein neuer Brand.“

Vor etwa 80 Jahren errichtet, in der Corona-Zeit auf Vordermann gebracht und zuletzt als Kulisse fürs Stationen-Theater der Burg
Vor etwa 80 Jahren errichtet, in der Corona-Zeit auf Vordermann gebracht und zuletzt als Kulisse fürs Stationen-Theater der Burgfestspiele genutzt: das Hexenhäuschen bei Altleiningen.
Am Dienstabend: Aus dem Wald bei Altleiningen steigen Rauschwaden auf.
Am Dienstabend: Aus dem Wald bei Altleiningen steigen Rauschwaden auf.
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