Leiningerland RHEINPFALZ Plus Artikel Fünf Jahre nach Borkenkäfer-Invasion: Was der Försterin Hoffnung gibt

Revierförsterin Isabelle Behret deutet auf eine der Flächen im Wattenheimer Wald, die wegen des Borkenkäfers kahlgeschlagen werd
Revierförsterin Isabelle Behret deutet auf eine der Flächen im Wattenheimer Wald, die wegen des Borkenkäfers kahlgeschlagen werden mussten. Mittlerweile sprießt es dort wieder.

Der Wald im Leiningerland hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Sorgenkind entwickelt: Hitze, Trockenheit und Ungeziefer schwächen die Bäume und sorgten für hektarweisen Kahlschlag in Fichten-Monokulturen. Revierförsterin Isabell Behret muss bei den Gegenmaßnahmen einfallsreich sein. Worauf sie ihre Hoffnung setzt.

Das Jahr 2019 dürfte einen absoluten Tiefpunkt für Försterin Isabelle Behret dargestellt haben. Damals wütete der Borkenkäfer besonders heftig in Teilen des Reviers Jerusalemsberg. Hektarweise Fichten mussten gefällt und anschließend so schnell wie möglich aus dem Wald geschafft werden, damit sich der Schädling nicht noch weiter verbreiten konnte. Seinerzeit stand Behret bei einem Ortstermin inmitten des dadurch entstandenen Ödlands und gab freimütig zu: „Ich habe mich noch nie so machtlos gefühlt.“

Das ging aber nicht nur ihr so, sondern auch vielen Kollegen im Bundesland und der gesamten Republik: Die veränderten klimatischen Bedingungen sorgten und sorgen dafür, dass Wald nicht mehr so funktioniert, wie er es zuvor jahrhundertelang getan hatte. Die großen Schwächen von Monokulturen sind schonungslos offengelegt worden und viele Baumarten, die in Deutschland seit jeher heimisch sind, werden plötzlich zu Problemfällen: Fichten und Ahorne, aber auch Buchen und sogar Eichen.

Fichte als Brotbaum der Forstwirtschaft

Zu trocken ist der Boden nach langen Jahren der Dürre, als dass so sorglos weitergemacht werden könnte wie bisher. Den vorangegangenen Generationen, die den Wald in seiner heutigen Form geschaffen haben, will Behret aber keinen Strick drehen. Das betont sie bei einem Waldspaziergang, zu dem der Nabu Eisenberg-Leiningerland kürzlich eingeladen hatte. „Die haben ihre Entscheidungen nach bestem Wissen und Gewissen getroffen und mit dem gearbeitet, was da war“, sagt die Försterin.

Die großen Fichtenmonokulturen in der Verbandsgemeinde Leiningerland beispielsweise seien entstanden, weil nach dem Krieg dringend Bauholz benötigt wurde und die vielseitige, schnell wachsende Baumart dafür gut geeignet ist. Nicht umsonst wird die Fichte auch als Brotbaum bezeichnet. Überdies sei es eben das gewesen, was damals für die Leute verfügbar war. Mühevoll in die Erde gebracht wurde es Behret zufolge oftmals von Frauen, da es aus naheliegenden Gründen an fleißig zupackenden Männerhänden mangelte.

Probleme, die es so noch nie gab

„Ich weiß auch nicht, ob die Entscheidungen, die ich heute treffe, von meinen Nachfolgern in 100 Jahren noch für gut befunden werden“, stellt die Försterin im Wald nahe Wattenheim klar, wo rund 20 Spaziergänger ihren Worten lauschen. Das hat unter anderem damit zu tun, dass die Situation vertrackt ist: Die Probleme, mit denen sich Förster heute konfrontiert sehen, hat es so noch nie gegeben. Sie müssen also erfinderisch werden und Neues ausprobieren, um zu schauen, wie sie dem Wald helfen können, sich weiterzuentwickeln.

Seit jenem Tag im Jahr 2019 hat es im Leiningerland eine Vielzahl von Pflanzaktionen gegeben, an denen sich etliche Bürger beteiligten. Tausende von Bäumchen wurden auf die entstandenen Kahlflächen gesetzt – darunter oft Kirsche und Vogelbeere. Behret bezeichnet sie als eine Art Wundpflaster, das dabei helfen soll, den kahlen Boden zu bedecken, damit sich invasive Pflanzen wie Traubenkirsche und Kermesbeere nicht ungehindert ausbreiten können.

Behret setzt auf die Naturverjüngung

Solche Aktionen seien allerdings nur ein Tropfen auf dem heißen Stein und nicht unbedingt das beste Mittel, um wieder aufzuforsten: „Bei Bäumen, die wir irgendwo hinsetzen, ist die Gefahr, dass sie eingehen, viel größer als bei welchen, die sich selbst aussäen“, erklärt Behret. Nur fünf bis zehn Prozent von ihnen würden letztlich überleben. Ein Erfolg sei das Experimentieren mit wasserspeicherndem Wachstumsgel für die Wurzelballen gewesen: Es habe die Quote auf 30 bis 40 Prozent erhöht. Bei Naturverjüngung stünden die Chancen aber noch mal höher.

Revierförsterin Isabelle Behret zeigt den Teilnehmern des Nabu-Waldspaziergangs auf großen Karten, welche Bereiche zu ihrem Fors
Revierförsterin Isabelle Behret zeigt den Teilnehmern des Nabu-Waldspaziergangs auf großen Karten, welche Bereiche zu ihrem Forstrevier gehören.

Trotzdem seien die Pflanzaktionen ein richtiger Schritt gewesen, findet Behret rückblickend. Die Kahlflächen seien zu groß gewesen, um sich bei ihrer Wiederbegrünung allein auf die Kraft des Waldes zu verlassen: „Das hätte zu lange gedauert, die Zeit haben wir einfach nicht!“ Mittlerweile hat aber auch die Naturverjüngung mit Nachdruck eingesetzt: Birken, Kiefern, Pappeln, Lärchen und Buchen sprießen überall auf den freien Flächen und was einmal wild aufgegangen ist, geht Behret zufolge so schnell nicht wieder ein.

Forstzweckverband eine glückliche Fügung

Auf Bürgeraktionen im Wald will die Försterin trotzdem auch künftig nicht verzichten: Nicht bloß, weil sie trotz allem helfen, sondern auch, weil dadurch eine engere Bindung der Menschen zu ihrem Wald entsteht und sie das für wichtig hält. Denn nach den ganzen Problemen der vergangenen Jahre – neben Dürre und Käfern gab es einen Tornado und einmal auch Schneemassen im April, die viele Bäume das Leben kosteten – ist es mit der Wirtschaftlichkeit aktuell nicht so weit her. Statt Nutzen aus dem Wald zu schlagen, steht bis auf weiteres der Punkt „Schützen“ ganz oben auf der Liste. Und da sollten die Bürger am besten mit an Bord sein.

„Es ist eine glückliche Fügung, dass wir 2017, also ein Jahr, bevor das alles richtig losging, den Forstzweckverband Jerusalemsberg-Leiningerwald gegründet haben“, sagt Behret. Er ermögliche es ihr, nicht in jedem Gemeindewald pro Jahr eine fest vorgeschriebene Menge an Holz zu schlagen, sondern sinnvoll zu verschieben. Wenn es in einem Wald gerade besonders viel Schadholz gebe, werde aus einem anderen eben mal ein Jahr lang nichts entnommen. Das gebe ihr eine größere Freiheit und helfe allen beteiligten Gemeinden.

Wirtschaftlichkeit nicht mehr im Vordergrund

Auch das sorgt jedoch nicht dafür, dass der Wald gegenwärtig besonders rentabel für die Ortsgemeinden wäre. „Ich kann verstehen, dass die Kommunen darüber nicht sehr glücklich sind“, sagt Behret. Viele Kassen seien eh schon klamm, da schmerze es natürlich, Wälder zu haben, die nichts abwerfen. Umso mehr freut es sie, dass außer Neuleiningen noch kein Dorf in der VG signalisiert habe, Wald abstoßen zu wollen. Die Försterin zweifelt auch am Sinn solcher Verkäufe: Das Geld aus ihnen sei meist sehr schnell aufgebraucht und die Gemeinden hätten dafür dann etwas aufgegeben, dessen Wert sich nicht in Zahlen erschöpfe.

Im Wald wird nicht in Jahren gedacht, sondern in Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten. Fünf Jahre haben aber ausgereicht, um dafür zu sorgen, dass Behret wieder zuversichtlicher in die Zukunft blickt. Und auch dafür, dass die Politik verschärft darüber nachdenkt, wie sich der Wert der Wälder bemessen lässt, was sie für Klima, Ökosystem und Menschen bedeuten und wie man sie künftig sinnvoller schützen und nützen kann. Mit Geduld und Zuversicht zahlt sich die Treue der Ortsgemeinden im Leiningerland vielleicht aus – wann und und wie auch immer.

Im Netz

Der Nabu Eisenberg-Leiningerland bietet regelmäßig Führungen und Workshops an. Das Programm gibt es im Internet unter www.nabu-eisenberg-leiningerland.de.

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