WATTENHEIM
„Bürger-Wald-Erhalt“: Helfer begrünen Kahlflächen
Angesichts der Feldhacken, Handschuhe und Spaten, die die Teilnehmer der Pflanzaktion mitgebracht haben, stellt Revierassistent Jonas Engelhardt erfreut fest: „Die Leute sind ja fast besser ausgestattet als wir.“ Die meisten, die an diesem Samstag dabei sind, haben bereits Erfahrungen mit solchen Aktivitäten. Hier hinter der Grünbrücke im Bereich der Kleinen Böhl auf Wattenheimer Gemarkung haben die Borkenkäfer in den vergangenen sehr trockenen Jahren großflächig Wald vernichtet. „Hier sind es zwei Areale mit zusammen circa einem Hektar. Mittlerweile haben wir mehr als 30 Hektar Schadfläche in unserem Zuständigkeitsbereich“, sagt die Försterin Isabelle Behret.
Nur Birke und Kiefer setzen sich durch
Das Problem sei, dass sich die Vegetationslücke allein durch Naturverjüngung nicht sinnvoll schließe. „Kiefer und Birke setzen sich durch, aber andere Baumarten kommen kaum hoch“, beschreibt die Revierleiterin die Situation. Aus diesem Grund sollte der Mensch eingreifen. Doch wenn sie bei der Wiederaufforstung professionelle Hilfe in Anspruch nehmen würde, käme jeder Baum inklusive der Arbeitszeit auf circa zehn Euro. Deshalb versucht Behret andere Wege zu gehen. Rund 20 Mal hat sie mit verschiedenen Gruppen unter dem Motto „Bürger-Wald-Erhalt: Gesunder Wald – gesunde Menschen“ die Bevölkerung eingebunden – vom Kind bis zum Senior. Am Samstag hat sie die Reihe der Arbeitseinsätze, die wegen Corona lange ruhten, wieder aufgenommen.
Auch wenn die meisten wissen, wie es geht, zeigt Engelhardt den etwa 20 Freiwilligen noch einmal, worauf sie bei der Pflanzung achten müssen. In jedes Loch solle auch ein Tab gelegt werden. Dabei handele es sich um ein Hydrogel, das wie ein Schwamm Wasser und Nährstoffe aus dem Boden aufsauge und dem Bäumchen zur Verfügung stelle, erläutert Maik Schacht, Geschäftsführer der in Neustadt ansässigen Firma Be-Grow. „So können die Pflanzen Trockenphasen besser überstehen. Wir setzen unser Produkt auch in Wüstenstaaten wie Kenia und Marokko ein“, sagt er.
Verbisshüllen leider noch aus Plastik
Forstmitarbeiter Christian Hoffmann, der unter anderem für den Verkauf des geernteten Holzes verantwortlich zeichnet, demonstriert, wie man den Verbissschutz über den kleinen Setzling stülpt und an einem Holzpfosten befestigt. Das Kunststoffrohr müsste so lange stehen bleiben, bis die Eiche, die Lärche oder die Vogelbeere mindestens 1,50 bis 1,70 Meter groß ist. Das dauere je nach Baumart und Standort zwischen drei und zehn Jahre. Leider könne bislang nicht auf das Plastik verzichtet werden, da sich die kompostierbaren Hüllen zu schnell auflösten, so Hoffmann. „Aber wir verwenden die Schutze zwei- bis dreimal“, ergänzt Behret.
Derweil haben die fleißigen Helfer schon losgelegt. „Nur die ersten Zentimeter sind ein bisschen hart“, berichtet Volker List mit Blick auf den Bodenfrost, der in der vorangegangenen Nacht geherrscht hat. Der Altleininger ist mit seiner Frau Renate gekommen. Jürgen Scheidt aus Tiefenthal, der schon das vierte Mal dabei ist, hat in einem Hochbeet Keimlinge aus Eicheln zwei, drei Jahre gehegt und gepflegt. „Ich werde dieses Ziehen von Setzlingen ausweiten. Dafür kann ich ein paar Quadratmeter in meinem Garten reservieren“, sagt er. Judith Zaiser erzählt, dass sich an der letzten Pflanzaktion auch Heidelberger beteiligt hätten, die so gern im Leiningerland wanderten. Die Grünstadterin macht sehr gern mit und rührt auch die Werbetrommel für die „Bürger-Wald-Erhalt“-Aktion: „Hier kann man etwas Sinnvolles machen in dieser furchtbaren Zeit.“