Obrigheim
„Es gab kein Halten mehr“: Gebäude-Einsturz löst Großeinsatz aus
Es ist Donnerstagabend, halb sieben, als die Obrigheimer Ortschefin einen Anruf erhält. Laut Nicole Eicher (FWG) hörte die Frau am anderen Ende der Leitung Geräusche, die von einem alten Scheunengebäude des Hofguts in ihrer Obrigheimer Nachbarschaft ausgehen. Ein Knacken sei das gewesen. „Es hörte sich nicht gut an“, schildert Eicher das, was die Anruferin mitteilte. Zudem äußert die Betroffene die Bitte: Die Ortschefin solle vorbeikommen und sich das anschauen.
Wand hatte Ausbeulung
Das machte Eicher und vor Ort sah sie: Die eine Wand des Gebäudes war nach außen gewölbt. Zudem lösten sich Steine aus der Mauer. Eicher rief die Obrigheimer Feuerwehr an, die daraufhin anrückte. „Nur wenige Minuten später waren die da“, sagt sie.
VG-Wehrleiter Markus Ittel erzählt, dass das Gebäude noch stand, als die Obrigheimer Einsatzkräfte eintrafen. Eigentlich wollten sie das Gebäude absichern, heißt es von Seiten der Feuerwehr. Allerdings stellten die Männer und Frauen an der rechten Mauerseite eben jene Ausbeulung fest. Circa 50 Zentimeter sei der Stein dort nach außen gewölbt gewesen, so Ittel.
Wehrleiter: „Gab kein Halten mehr“
Das beunruhigte die Einsatzkräfte. Sie gingen nicht mehr von einer nötigen Absicherung aus, sondern von einem drohenden Einsturz. Die Sorge: Die Giebelwand könnte umkippen und die nahe gelegenen Wohnhäuser treffen – es könnte Verletzte geben. Also wurden Anwohner über ihre Gärten evakuiert.
Doch dann geschah es. „Es gab kein Halten mehr“, schildert Ittel. Das Dachgebälk gab nach, und ein Großteil des Gebäudes stürzte in sich zusammen.
Einsatz bis 2 Uhr morgens
Von der Scheune blieben die Mauerreste sowie die neun Meter hohe Giebelwand stehen. Ortschefin Eicher erzählt, dass die Einsatzkräfte schnell entschieden, deshalb schweres Gerät heranzuschaffen. „Das war nicht leicht“, erzählt sie. Denn die Passage zwischen der Scheune und den Wohnhäusern sei eng gewesen – es hätte nicht jedes Fahrzeug durchgepasst. Aushelfen konnte schließlich eine Fachfirma mit einem Bagger. Damit wurden die Mauerreste kontrolliert abgetragen. Währenddessen blieb die Hauptstraße voll gesperrt.
Verletzte gab es während des Einsatzes keine. Um die betroffenen Anwohner und Einsatzkräfte kümmerte sich der Verpflegungszug der Verbandsgemeinde. Bis circa 2 Uhr morgens waren knapp 60 Personen im Einsatz, darunter die Drohneneinheit des Landkreises, die Luftaufnahmen des Gebäudes machte. Neben der VG-Wehrleitung war auch ein Baufachberater der Verbandsgemeinde Leiningerland vor Ort. Ebenfalls kamen das Technische Hilfswerk aus Frankenthal sowie Einsatzkräfte der Feuerwehr aus Bockenheim-Kindenheim dazu.
Ortschefin hat Vermutung
Was zu dem Zusammensturz führte, weiß Ittel nicht. Eicher meint, dass das Alter des Gebäudes schuld sei. Manche der Deckenbalken seien feucht gewesen und hätten das Gewicht nicht mehr tragen können. Seit zwei Jahren wohne niemand mehr in der denkmalgeschützten Gebäudeanlage, zu der auch die Scheune gehört, so die Ortschefin. Der Komplex sei seitdem auch nicht saniert worden. Das Grundstück gehöre zwei Eigentümern, die auf Baugenehmigungen warteten, um auf dem Gelände Wohnraum zu schaffen. Beide seien von ihr über den Vorfall informiert worden und bereits vor Ort gewesen, um den Schaden anzuschauen. Sie stehen jetzt laut Ittel in der Verantwortung.