Neuleiningen RHEINPFALZ Plus Artikel Burg-Spielplatz: Braucht das Dorf eine Selfie-Wand?

Die Geräte auf dem ehemaligen Spielplatz an der Burg Neuleiningen sind längst abgeräumt; bis neue stehen, wird noch viel Zeit ve
Die Geräte auf dem ehemaligen Spielplatz an der Burg Neuleiningen sind längst abgeräumt; bis neue stehen, wird noch viel Zeit vergehen.

Seit Jahren mühen sich die politisch Verantwortlichen in Neuleiningen mit der Wiederherstellung des Burg-Spielplatzes ab. Nun hat der Bauausschuss über die Ausgestaltung gesprochen. Vorbehalte gab’s zum Beispiel gegen eine Selfie-Wand.

Im März 2022 wandelte sich das Projekt Burg-Spielplatz von einer Sanierung des Bestands für circa 70.000 Euro in das Anlegen eines Mehrgenerationenplatzes mit geschätzten Gesamtkosten in Höhe von 328.700 Euro. Ein Entwurf des freien Stadtplaners Hans-Jürgen Wolf aus Kaiserslautern war Gegenstand des Zuschussantrags. Mitte Mai dieses Jahres wurde eine Förderung von 206.000 Euro aus dem Dorferneuerungsprogramm zugesagt, aber die Planung wurde danach noch einmal überarbeitet.

Die größte Enttäuschung der Erstfassung sei gewesen, dass keine Schaukel vorgesehen war, sagte Ortschef Johannes Nippgen (WG Freyland-Mahling) in der jüngsten Ausschusssitzung. Kritisiert worden sei auch eine Galerie auf der Seite zum Pfarrgarten hin, die eine Unfallgefahr dargestellt hätte. Bei der neuen Variante ist stattdessen eine Boulebahn vorgesehen. „An der Stelle ist der Plan aber nicht korrekt, denn das Spielfeld würde auf das Nachbargrundstück führen“, merkte Nippgen an.

Selfiewand weiter geplant

Dennis Zimmermann, Leiter des Bauamts der Verbandsgemeinde Leiningerland, entgegnete, dass es sich nur um einen Vorentwurf handele, und Stadtplaner Wolf führte aus: „Bisher hab ich nur auf der Grundlage eines Katasterauszugs und eines Luftbilds skizziert. Die richtige Vermessung folgt noch.“ Im Norden des Areals, wo die Boulebahn vorher geplant war, ist jetzt Platz für Schaukeln. Der Architekt hat – im Sinne einer möglichen Nutzung durch Menschen verschiedenen Alters – eine Senioren-Doppelschaukel mit Lehne, eine Kinderschaukel, eventuell als Nestschaukel, sowie zwei Tellerschaukeln vorgeschlagen.

Im Nordosten des Platzes, vor dem Burgturm-Rest, hat Wolf – wie schon in Variante 1 – eine Ritterwand für Selfies eingezeichnet. FWG-Mann Carsten Ruffert meinte, darauf könne verzichtet werden. „Offensichtlich ist so etwas aber in“, meinte Nippgen zu dem wandelbaren Gestell, durch das man den Kopf stecken und fürs Foto in diverse Rollen schlüpfen kann. Wolf bestätigte anhand seiner Erfahrungen, dass solche Wände gut ankommen. Zudem ist so eine Konstruktion laut Ortschef kein großer Kostenfaktor. Thomas Zelinski (WG Freyland-Mahling) ist überzeugt, dass das Angebot vor allem von Touristen genutzt wird. Über das Material und die Motive sollte man sich in Ruhe Gedanken machen, riet Zimmermann.

Diskussion über Bodenbelag

Jetzt stand erst einmal der Bodenbelag zur Debatte. Holzhackschnitzel, feiner Kies, Rasen oder Sand? Vielleicht doch lieber Granulat? Letzteres sei sehr teuer, merkte der Bauamtsleiter an. „Allein unter der Doppelschaukel dürfte das 8000 bis 10.000 Euro kosten“, prophezeite er. Gegen Sand sprach sich der Bürgermeister aus: Zwar könne man den auch gleich als Spielmaterial nutzen, „aber wie verhindern wir, dass es ein Klo für freilaufende Katzen und Marder wird“? Zu den Holzhackschnitzeln warf Zelinski ein: „Die müssen alle zwei Jahre wieder aufgefüllt werden.“

Beigeordneter Andreas Schneeg (SPD) entgegnete, dass die Schnitzel nur punktuell als Fallschutz unter Kletterturm, Schaukeln und Wippe gebraucht werden. „Ansonsten reicht doch Wiese.“ Nippgen gab zu bedenken, dass das Mähen unter Geräten wie den Balancierhölzern mühsam sein könne. Letztendlich sprach sich der Rat für ein Gemisch aus Rasen und Holzhackschnitzeln aus. Die Wege, laut Zimmermann „wichtig für Struktur und Attraktivität“, werden eine wassergebundene Decke erhalten.

Aussicht nicht verbauen

Christine Groszek (SPD) plädierte für Bäume als Schattenspender. „Wir waren uns einig, dass wir das nicht wollen, weil wir uns die schöne Aussicht von dort oben nicht verbauen wollen“, entgegnete Martin Kranz (FWG). Er warb generell dafür, das eine oder andere Detail einzusparen, um die Gesamtkosten zu senken. Zimmermann mahnte, dass bei Streichungen darauf zu achten sei, die Funktion als Mehrgenerationenplatz nicht zu gefährden. Außerdem werde das Areal ein weiteres „Aushängeschild für die Gemeinde“. Und nicht zuletzt sei der zugesagte Zuschuss kein Festbetrag, sondern verringere sich, wenn sich der Aufwand reduziert.

Der Ausschuss ist berechtigt, Entscheidungen bis zu einer Höhe von 7500 Euro selbstständig zu fällen. Er beauftragte die VG, Angebote von Vermessungsingenieuren einzuholen und ermächtigte den Bürgermeister, dem Fachmann mit der wirtschaftlichsten Offerte den Zuschlag zu erteilen. Zimmermann sagte, die Ausschreibung für die Umsetzung des Projektes sollte im Januar oder Februar erfolgen, um möglichst günstige Angebote zu erhalten. Das Gelände unterhalb der Burg werde dann wohl im nächsten Jahr gestaltet. Schneeg bot an, mit ein paar Freiwilligen das letzte Spielgerät, ein Wipptier, zu entfernen und somit den Maßnahmenbeginn noch vorher zu markieren.

Termin

Am Montag, 14. Oktober, 19 Uhr, ist öffentliche Gemeinderatssitzung mit Einwohnerfragestunde.

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