Grünstadt
Asylheim muss schließen: Auf welches Areal die Verwaltung nun schaut
Wenn es um ihre Sammelunterkunft für Flüchtlinge in der Richard-Wagner-Straße geht, gibt sich die Grünstadter Stadtverwaltung schnell zugeknöpft. Dass die Einrichtung mit 130 Plätzen Ende Oktober zu 80 Prozent belegt war, lässt sie sich auf hartnäckige Nachfragen hin gerade noch entlocken. Eisern geheimgehalten wird hingegen zum Beispiel, aus welchen Ländern die Bewohner überwiegend kommen und wie hoch der Frauen- oder Kinderanteil ist. Offizielle Rechtfertigung für diese Verschwiegenheit: „sicherheitsrechtliche Gründe“.
„Keine Konflikte“
Nähere Informationen über die in dem Gebäude untergebrachten Menschen könnten demnach nicht nur fremdenfeindliche Angriffe Einheimischer provozieren. Die Verwaltung fürchtet offenbar auch Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen migrantischen Gruppen. Rathaus-Büroleiter Joachim Meyer verweist auf einen Vorfall im Juli: Jubilierende junge Syrer provozierten nach dem EM-Aus der türkischen Mannschaft deren Anhänger, die sich im Moschee-Komplex in der Bitzenstraße versammelt hatten.
Ergebnis: Ein Gerangel mit ungefähr 30 Beteiligten. Und ein Polizeieinsatz, für den Verstärkung aus Nachbar-Dienststellen anrückt. Die im Spätsommer 2022 eröffnete Sammelunterkunft hingegen scheint bislang von größeren Auseinandersetzungen verschont geblieben zu sein. Die Polizei vermeldet „keine Auffälligkeiten“, die Stadtverwaltung beteuert: „Aktuell sind keine erwähnenswerten Konflikte bekannt, weder nach außen hin, noch in der Einrichtung. In der Vergangenheit kam es zu einer nachbarschaftlichen Beschwerde wegen Lärmbelästigung, die behoben wurde.“
Eigentümer verlängert nicht
Das Haus in der Richard-Wagner-Straße wird also offenbar weitgehend reibungslos geführt, aber die Stadt hat es 2022 nur befristet angemietet. Zunächst galt der Vertrag bis Mitte 2025, mittlerweile ist er bis zum 30. Juni 2027 verlängert. Und danach, das hat der Eigentümer den Angaben aus dem Rathaus zufolge erkennen lassen, wird endgültig Schluss sein. Offen bleibt, was er dann mit dem bis 2016 als Firmensitz genutzten Gebäude vorhat. Früheren Plänen zufolge sollte auf dem Areal eine Anlage mit 33 Senioren- und 13 sonstigen Wohnungen entstehen.
Die Verwaltung richtet sich derweil darauf ein, dass ihre Sammelunterkunft in gut zwei Jahren den Betrieb am bisherigen Standort einstellt. Und ihre Wiedereröffnung an anderer Stelle ist laut Büroleiter Meyer „aktuell nicht geplant“. Denn so eine Einrichtung sei „sehr betreuungsintensiv“. Und wie groß der Bedarf künftig ist, sei offen. Andererseits steht in städtischen Unterlagen: Es gebe „anhaltenden Unterbringungsbedarf von Flüchtlingen und Asylbegehrenden“, der nach dem Wegfall des Hauses in der Richard-Wagner-Straße wieder zum Problem werden könnte.
Wingert soll weichen
Also müssten nun „die planungsrechtlichen Voraussetzungen für eine dauerhafte Lösung“ geschaffen werden. Und diesen Prozess wird der Rat demnächst wohl in die Wege leiten. Bei einer ersten Debatte im Stadtplanungsausschuss haben die Fraktionen bereits ihre Zustimmung signalisiert. Im Blick hat die Verwaltung dabei ein 9500-Quadratmeter-Areal in städtischem Eigentum, auf dem bislang Weinstöcke wachsen: Es geht um die „Mittlere Schlossgewanne“, sie liegt im Norden der Grünstadter Kernstadt an der Grenze zum Ortsbezirk Asselheim.
Dass diese Fläche dereinst bebaut werden kann, hat der Rat schon Anfang 2016 beschlossen. Denn als Wingert ist sie eine isolierten Insel ohne Verbindung zu anderen landwirtschaftlich genutzten Flächen: eingeklemmt zwischen dem protestantischen Pusteblume-Kindergarten und dem bisherigen Siedlungsrand längs der Uhlandstraße, den Supermärkten am Ortsausgang in Richtung Asselheim, der Bahnstrecke nach Ramsen – sowie der geplanten Nordumgehung, die das Grünstadter Zentrum irgendwann vom Durchgangsverkehr entlasten soll.
600 fehlende Wohnungen
Als diese Überlegungen vor fast zehn Jahren im Rat besprochen wurden, ging es zunächst vor allem um ein Areal für sozialen Wohnungsbau. Und an dem mangelt es laut Verwaltung nach wie vor. So hat eine Analyse im Mai 2020 vorhergesagt: Bis 2035 müssen in Grünstadt fast 600 zusätzliche Wohnungen entstehen, die Hälfte von ihnen in Mehrfamilienhäusern. Denn es fehle vor allem an Appartements für Senioren, für Familien mit Kindern und für Bezieher staatlicher Unterstützung, die auf knapper werdenden geförderten Wohnraum angewiesen sind.
Also geht es laut Rathaus-Büroleiter Meyer nun allgemein darum, in der „Mittleren Schlossgewann“ den städtischen Wohnungsbestand um „einfachen Wohnraum“ zu erweitern. Der könnte dann zum Teil auch für jene Menschen genutzt werden, die bislang in der Sammelunterkunft in der Richard-Wagner-Straße unterkommen. Doch was genau im Stadt-Norden gebaut werde, sei noch offen: „Es geht nur um die Schaffung einer Grundlage für künftige Entscheidungen.“