Grünstadt
Für Flüchtlinge: Sammelunterkunft in der Richard-Wagner-Straße
Momentan wird das Gebäude, in dem vormals ein Institut für klinische Studien beheimatet war, umgebaut und so ausgestattet, dass darin bis zu 129 Menschen wohnen können. Der Umbau wird von der Stadt organisiert, vorgesehen ist unter anderem der Einbau von Duschen und Waschgelegenheiten. Zudem müssten Heizung und die Wasserversorgung auf Stand gebracht werden, sagt Ordnungsamtsleiter Jürgen Bracht. Durch die Fenster kann man erkennen, dass in einem Teil des Hauses schon Hochbetten aufgestellt worden sind.
In der Gemeinschaftsunterkunft sollen künftig zum einen Menschen untergebracht werden, die als Asylbewerber nach Deutschland kommen und deren Asylverfahren läuft. Es sollen allerdings auch Menschen dort wohnen, die das Verfahren schon durchlaufen haben und bei denen feststeht, dass sie in Deutschland bleiben dürfen, etwa, weil sie als Ortskräfte in Afghanistan deutschen Soldaten geholfen haben oder weil sie aus dem Kriegsland Ukraine geflüchtet sind.
Keine Chance auf dem freien Markt
Eigentlich müssten sich diese Menschen eine eigene Wohnung auf dem freien Markt suchen. „Aber in den meisten Fällen besteht wenig Aussicht auf Erfolg, dass dieser Personenkreis kurzfristig Wohnraum findet“, sagt Ordnungsamtsleiter Bracht. Dann kommt die Stadt ins Spiel. Sie ist immer dann zuständig, wenn jemandem die Obdachlosigkeit droht – und das wäre der Fall, wenn ein anerkannter Flüchtling die Sammelunterkunft verlassen müsste, weil sein Anspruch auf die Unterbringung dort endet. Um die Obdachlosigkeit zu vermeiden und weil es auf dem Markt schwierig ist, noch Wohnraum zu finden, sollen diese Menschen künftig weiterhin in der Sammelunterkunft bleiben.
Die Stadt mietet das Gebäude für zunächst drei Jahre vom Eigentümer an und bekommt die Kosten dafür vom Kreis erstattet. Der Umbau der neuen Großunterkunft, für den Kosten in Höhe von rund 200.000 Euro veranschlagt werden, wird ebenfalls vom Kreis bezahlt, er übernimmt auch die Kosten für die Erstausstattung. Die Unterbringung in einer Container-Anlage wäre nicht günstiger, sagt Bracht. Man müsste in dieser Größenordnung mit Kosten in Höhe von rund 350.000 Euro rechnen. Warum die Kreisverwaltung jetzt in das Haus in Grünstadt investiert, erklärt Bracht so: „Der Kreis erwartet für die nächsten zwei, drei Jahre einen weiteren Zuzug an Geflüchteten.“ Nicht nur aus der Ukraine, auch aus anderen Ländern dieser Erde.
Grundsätzlich ist es so, dass der Kreis die Kosten für die Asylunterkunft übernimmt. Wenn die Stadt die Menschen als Obdachlose in einem Gebäude „einweist“, muss sie dafür zunächst einmal die Kosten tragen. Allerdings bekommt sie dieses Geld zurück: über Arbeitslosengeld II, Grundsicherung oder Rente.
Derzeit leben 25 Obdachlose, 65 Asylbewerber aus verschiedenen Ländern und 22 Ukrainer in städtischen Wohnungen. Die meisten der 118 Menschen aus der Ukraine, die zwischen März und Juni in Grünstadt angekommen sind und sich hier angemeldet haben, wohnten privat, sagt Bracht. Die Erlaubnis dafür, dass sie vorläufig in Deutschland bleiben können, bekommen Ukrainer – im Gegensatz zu Geflüchteten aus anderen Ländern – recht schnell.
Zur Sache
Im Sommer 2016 waren die letzten Mitarbeiter der Firma Clinical Research Services (CRS) GmbH – 2006 war das Institut für Klinische Pharmakologie in dieser aufgegangen – nach Mannheim umgezogen, danach gab es Pläne eines Investors, dort eine Wohnanlage mit 33 Seniorenwohnungen und 13 Wohnungen zu errichten. Daraus wurde nichts. Nun wird das Gebäude zur Sammelunterkunft umgebaut.