Vorderpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Ab wann es dieses Jahr den ersten Wein aus der Region gibt

Die Traubensorte „Solaris“ ist eine der ersten, die dieses Jahr geerntet werden.
Die Traubensorte »Solaris« ist eine der ersten, die dieses Jahr geerntet werden.

Die Weinlese hat sich in den vergangenen Jahrzehnten immer weiter nach vorne verschoben. Doch wann geht es in diesem Jahr in der Region los? Und wie wirken sich Hitze und Trockenheit auf die Pflanzen und den neuen Jahrgang aus?

Das Weingut Otto Grün in Sausenheim gehört in Grünstadt zu einem der ersten Weingüter, das in diesem Jahr mit der Weinlese startet. Winzer Klaus Grün plant, am kommenden Dienstag, spätestens jedoch am Freitag mit der Ernte zu beginnen. Ab Ende August soll es dann den ersten Federweißer zu kaufen geben. Zuerst werden die Sorten Ortega und Solaris geerntet. „Die sind immer besonders früh reif und schon sehr süß jetzt“, erklärt der Winzer. Wenn es der Terminplan zugelassen hätte, hätte laut Grün sogar schon vor ein paar Tagen mit der Lese begonnen werden können.

Insgesamt seien die Trauben in diesem Jahr rund zwei Wochen früher reif als 2021, was mit den vielen warmen Tagen zusammenhänge. „Im vergangenen Jahr war es weniger sonnig, da haben wir erst am 30. August mit der Ernte angefangen“, sagt Grün. Obwohl es in diesem Jahr so wenig geregnet hat, ist er bisher zufrieden. „Ein bisschen mehr Wasser wäre gut gewesen, aber wir haben hier in Grünstadt kräftige Lehmböden, die trocknen nicht so schnell aus wie wenn man Sand oder Kiesboden hat“, erklärt der Weinbauer. Mit der Kernlese möchte Grün in der ersten oder zweiten Septemberwoche beginnen – vermutlich mit Müller-Thurgau. Späte Sorten wie Riesling blieben noch etwas länger an den Reben.

Noch nicht bereit für den Herbst

Das Weingut Fritz Kohl in Sausenheim macht keinen Federweißer und startet somit etwas später mit der Ernte. Mit der Hauptlese werden sie aber wohl auch Anfang September beginnen müssen, wie Ilona Kohl vom Weingut berichtet. Noch früher zu starten, sei aufgrund der Veranstaltungen, auf denen sie vorher noch unterwegs sind, nicht möglich. „Wir sind eigentlich noch gar nicht bereit für den Herbst, aber da können wir eh nichts dran ändern“, sagt Kohl. Auch sie begründet den frühen Lesezeitpunkt mit der diesjährigen Hitze und stellt fest, dass besonders die Blätter der Reben, die auf sandigerem Boden stehen, anfangen würden zu welken.

Das hat auch Michael Schroth vom Weingut Schroth in Asselheim bemerkt. Er habe aus diesem Grund schon einige Trauben auf den Boden geschnitten, um den Rebstock etwas zu entlasten. „Klar habe ich dieses Jahr dann weniger Ertrag, aber die Rebe dankt mir das dann nächstes Jahr“, lautet seine Begründung. Er wird voraussichtlich am 4. oder 5. September, also knapp 12 Tage früher als 2021, mit der Lese der Trauben für Sektgrundwein und Traubensaft starten. Dabei orientiert er sich einerseits am Geschmack der Trauben, andererseits an einer alten Bauernregel, laut der die Lese rund 100 Tage nach der Blüte beginnt.

Frühe Blüte, frühe Ernte

Das sei eine gute Faustregel, findet auch Karoline Gaul vom Weingut Gaul in Sausenheim. „Die Rebblüte war dieses Jahr entsprechend früh, da hat man schon gesehen, dass es eine frühe Ernte gibt“, sagt sie. Das Weingut Gaul startet Ende August oder Anfang September mit der Lese. Geerntet wird dort zu rund 70 Prozent mit der Hand. „Entsprechend viele Helfer brauchen wir, denn wir müssen mittlerweile viel schneller ernten als noch vor einigen Jahren“, erklärt sie. Während man früher circa sieben Wochen Lesezeit hatte, sind es laut Gaul mittlerweile nur noch drei bis vier Wochen. Auch das hängt mit den hohen Temperaturen zusammen: „Man muss den Most bei der Hitze gut im Blick haben, damit der Alkoholgehalt nicht zu hoch wird“, erklärt sie.

Generell habe sich der Weinbau aufgrund des Wetters in den vergangenen Jahren verändert. Früher hätten sie in höhere Lagen nur Sorten gesetzt, die früh geerntet werden konnten, wie beispielsweise Müller-Thurgau. „Mittlerweile setzten wir in solche Anlagen zum Beispiel auch Riesling“, so Gaul.

„Staubtrocken ist untertrieben“

Als größte Herausforderung in diesem Jahr sieht auch sie die Trockenheit, besonders für die jüngeren Weinreben, die auch zwischendurch bewässert werden müssten. Zugleich lobt sie den kalkhaltigen Boden in Grünstadt: „Wir sind hier mit den Böden ganz gut aufgestellt, sodass die Trockenheit für uns nicht ganz so gravierend ist. Unsere Böden können das Wasser gut halten.“

Etwas mehr Sorgen macht sich da die Weinbiet Manufaktur in Mußbach. Über rund zehn Wochen lädt die sie alljährlich zum Federweißen ein. Deshalb starten ihre Winzer meist als Erste mit der Lese. Um die Lage zu peilen, war Geschäftsführer Bastian Klohr am Dienstag in den frühen Weinbergen unterwegs. Seine Bilanz: „Tatsächlich ist die Situation mit Blick auf die fehlenden Niederschläge für die gesamte Ernte angespannt. Staubtrocken ist noch eine große Untertreibung.“

Viel weniger Regen als 2021

Sieben Liter Regen habe Neustadt im Juli verzeichnet, der langjährige Schnitt liege bei 65 Litern. Dazu komme eine höhere Verdunstungsrate wegen der Hitze. „Auf den Lösslehm-Böden der Mußbacher Eselshaut sehen die Reben noch vital aus“, so Klohr. Hingegen litten sie auf sandigeren Böden wie im Mandelring sichtbar. Insbesondere die Junganlagen werden laut Klohr nun bewässert. Seine Ertragsprognose: Für eine seriöse Aussage sei es noch zu früh. Indes habe der Optimismus, was die Mengen angehe, ebenfalls unter der Trockenheit gelitten.

Die Weinbiet Manufaktur hat bereits vergangenen Montag mit der Lese gestartet. Zuerst ging es Solaris, Ortega sowie Frühburgunder und Regent für Federweißen an den Stängel. 15. August klinge zwar sehr früh, weiß der Geschäftsführer. Aber: 2018 und 2020 sei ähnlich früh gestartet worden. „Wenn alles nach Plan läuft, wird der erste Federweißer in unserem Hof am kommenden Samstag, den 20. August, um 11 Uhr gezapft.“ Und ebenso traditionell folgt am Abend die Oldie-Night zur offiziellen Eröffnung der Federweißer-Saison.

Reben kommen gut mit Trockenheit klar

„Wir sind im Weinjahr 2022 deutlich zu früh. Portugieser, Sauvignon Blanc oder Chardonnay werden die ersten Rebsorten sein, die reif sind“, sagt der Wachenheimer Winzer Jürgen Zimmermann. Er gilt als jemand, der genau Bescheid weiß darüber, wie sich ein Jahrgang bei welchem Wetter entwickelt. In diesem Jahr hat er den 28. August als Start der Weinlese im Kalender markiert. Er rechnet mit etwa drei Wochen Kernlesezeit.

Doch ist die langanhaltende Trockenheit nicht ein Problem für die Pflanzen? „Wenn eine Kulturart mit Trockenheit zurechtkommt, dann sind das die Reben“, ist Zimmermann überzeugt. Wie die Pflanzen die aktuelle Witterung vertragen, hänge auch vom Standort ab: So haben momentan die Trauben in der sandigen Wachenheimer Weinlage Luginsland eher zu kämpfen. In der Lage Gerümpel sorge die Beschaffenheit aus Buntsandstein und zum Teil Lößlehm dafür, dass sich die Feuchtigkeit besser hält, erklärt der Winzer.

Spitzenjahr für den Spätburgunder

„Es ist beeindruckend, wo gerade die mittleren und älteren Reben das Wasser herholen“, sagt auch der Dürkheimer Winzer Alexander Pflüger. Sein Vater Bernd gehört zu den Bio-Pionieren in der Pfalz. Trotz der Trockenheit sei er kein Freund davon, im Weinberg zu wässern. „Wasser ist vielleicht nicht ganz so knapp wie Gas oder Öl, trotzdem sollten wir sparsam damit umgehen“, gibt der Bio-Winzer zu bedenken. „Angegossen“ werden bei ihm nur die Neupflanzungen. Er verfolge eher den Ansatz, den Boden so zu pflegen, dass er mehr Wasser speichern kann – vor allem über einen hohen Humus-Anteil.

Pflüger will in der ersten Septemberwoche mit der Lese beginnen. Und für welche Rebsorten wird 2022 ein besonders gutes Jahr? „Beim Spätburgunder dürften wir einen Topjahrgang bekommen, auch für die weißen Burgunder sind die Bedingungen gut“, so Pflüger.

Bitte kein Dauerregen bei der Weinlese

Und welches Wetter wünschen sich die Winzer jetzt noch bis zum Lesestart? „Etwas Regen für die Pflanzen, denn für die Natur wäre es natürlich ein Segen. Aber kein Dauerregen zum Beginn der Weinlese“, sagt Jürgen Zimmermann. Dem stimmt Michael Schroth zu: „Wenn jetzt noch ein bisschen Niederschlag käme, hätten wir einen super Herbst.“ Mit Blick auf den Wetterbericht scheint den Winzern dieser Wunsch erfüllt zu werden.

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